Jouleen Gruhn
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich möchte explizit noch einmal die Ärzte unter Ihnen begrüßen, die ja über mehr Fachwissen verfügen sollten, als hier gerade demonstriert worden ist – das aber nur nebenbei. Lassen Sie mich bitte gleich auf die Betroffenen zu sprechen kommen: Wir sind nicht hier, um uns politisch die Köpfe einzuschlagen und zu fragen, wer recht hat, sondern wir sind hier, um den Betroffenen im Land Brandenburg zu helfen. Das ist mir ganz wichtig. (Beifall BSW und SPD) Gleich zu Beginn möchte ich auch alle, die behaupten, dass es in Brandenburg keine Netzwerkstrukturen, keine Ambulanzen, keine Rehakliniken oder keine Krankenhäuser gebe, die sich den Betroffenen von Long Covid und des Post-Vac-Syndroms annähmen, einladen, auf die Webseite www.DiReNa.de zu schauen, sich zu informieren und den Wählerinnen und Wählern – die mir wirklich leidtun, wenn man ihnen sagt, dass es keine Hilfe gibt; das stimmt nämlich einfach nicht – wirklich Hilfe anzubieten. Ich lade Sie auch herzlich ein, mit mir dazu ins Gespräch zu kommen. Wir können das gerne machen. Ich nutze meine heutige Redezeit auch nicht, um auf die Teile der Anträge einzugehen, die sich eigentlich klar an die Enquetekommission richten. Da sind viele der Fragen, die Sie vorhin aufgeworfen haben, gut aufgehoben. Ich möchte mich wirklich auf die Hilfe für die Betroffenen konzentrieren und Ihnen berichten, wie ich persönlich zu dem Thema gekommen bin. Im Rahmen meiner ärztlichen Tätigkeit war es für mich nämlich immer schon eine Frage, wie man Bürgerinnen und Bürger gut versorgt. Zu Beginn von Corona haben wir mit anderen ärztlichen Kollegen – mit Frau Dr. Dörr und Herrn Dr. Spielhagen – zusammengesessen und uns gefragt: Wie entwickelt sich die Pandemie? Was brauchen wir im Land Brandenburg? Schnell war klar: Wir brauchen keine riesigen Beatmungszentren wie in Berlin – irgendwelche Turnhallen –, denn im Bekanntenkreis – bei der Arbeit und sonst wo –hat sich immer mehr gezeigt, dass sich Fälle von andauernden Beschwerden nach einer Coronainfektion, also nachdem der Abstrich schon negativ war, häuften. Und wir stellten fest: Nicht nur eine Infektion mit dem Coronavirus kann zu langfristigen Beschwerden führen – Sie haben es alle schon gesagt –, das kann auch die Impfung gegen Covid-19. Im Gegensatz zu den Behauptungen hier bestreitet das auch niemand. Was aber auch der Fall ist – das hat die CDU aufgegriffen –: Die Nebenwirkungen sind sehr selten, zumindest wenn man sich – was Ärzte durchaus tun könnten – an die Definition bzw. an die Symptome hält, die tatsächlich sehr ähnlich – geradezu nicht zu unterscheiden – von den Symptomen sind, die man hat, wenn man an Long Covid leidet. Das wissen wir mittlerweile sehr gut. Insofern möchte ich einmal wissen, woher die Behauptung kommt, dass man Post-Vac-Geschädigte ignoriert, wenn sie sich mit Long Covid präsentieren. Das verstehe ich wirklich nicht; vielleicht kann mir da ja einmal jemand helfen. (Beifall BSW und SPD) Ich möchte auch betonen, dass mir bei allen anderen, die bis jetzt gesprochen haben – bis auf Frau Graßmel natürlich – ein bisschen der Pragmatismus gefehlt hat. Wenn ich Wähler in meinem Wahlkreis habe, die ein Problem haben, dann will ich helfen. Darauf würde ich gerne noch einmal hinweisen. Aus diesem pragmatischen Geist ist auch die Idee entstanden, für Brandenburg das DiReNa-Netzwerk Long Covid zu gründen. Also: nicht klagen, sondern anpacken. Ich finde, das ist der richtige Weg, wenn man betroffene Bürger hat. (Beifall BSW und SPD) Wir hatten im Land Brandenburg in der Hinsicht auch eine verständige Landesregierung. Ich habe mich sehr gefreut, am 25.04.2022 – sogar in der Staatskanzlei – offiziell der Gründung des DiReNa-Netzwerks beiwohnen zu dürfen. Also, hier wurde niemand ignoriert. (Beifall BSW und SPD – Zuruf von der SPD: Hört, hört!) Aber es hilft nichts: Wir müssen leider immer wieder sagen, dass wir unsere Angebote bekannter machen müssen. Ich will durchaus eingestehen, dass wir da noch Luft nach oben haben, auch wenn wir im letzten Jahr auf der DiReNa-Webseite ungefähr 85 000 Zugriffe hatten. Das ist nicht wenig, würde ich einmal sagen, aber wir können da noch besser werden. Gerade heute ist die Webseite in einem neuen Design erschienen, sodass es noch einfacher wird, sich zu informieren – worum ich alle bitten möchte, die sich Sorgen um ihre Wähler machen. Wir hatten im Gesundheitsausschuss auch eine Sonderanhörung. Frau Oeynhausen war dabei. Sie hat explizit erfragt, ob sich die Angebote auch an Post-Vac-Geschädigte richten. Das haben wir bejaht. Ich bitte Sie, sich daran zu erinnern und Ihren Betroffenen das auch so weiterzugeben. (Beifall BSW und SPD) – Vielen Dank! – Jetzt ist meine Redezeit fast vorbei.
