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Steffen Freiberg

22.01.2025 Sitzungen 8/5

Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Meine Damen und Herren! Veränderung lässt sich nicht aufhalten, aber gestalten. Das ist unser Ansatz für die Bildungspolitik in Brandenburg. Im Antrag der AfD-Fraktion sehe ich allerdings keine Gestaltungsmöglichkeiten. (Lars Hünich [AfD]: Natürlich nicht! – Zuruf der Abgeordneten Birgit Bessin [AfD]) Ich sehe stattdessen großes Misstrauen unseren Schulen gegenüber, gute und pragmatische pädagogische Lösungen zu finden. Es ist hier zur Sprache gekommen: Bisher regeln die Schulen das durch Beschlüsse der Schulkonferenz – in demokratischen Gremien – und über die Hausordnung. Wir haben uns darauf verständigt, dort noch einmal genauer hinzusehen, aber bisher läuft das gut. Ich kenne auch keine Grundschule, in der Handys einfach auf dem Tisch rumliegen. Ich will an dieser Stelle allen Lehrerinnen und Lehrern des Landes Brandenburg meinen ausdrücklichen Dank aussprechen. (Beifall SPD und BSW) Meine Damen und Herren, da hilft es auch nicht, dass Sie wiederholt wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Zusammenhang reißen, einseitig zitieren und das beständig wiederholen. (Lars Hünich [AfD]: Das ist ja auch Ihre Aufgabe!) Dadurch wird es auch nicht richtiger. Gestatten Sie mir deswegen, noch einmal eine Klarstellung der im Antrag aufgeführten Stellungnahme des Karolinska-Instituts vorzunehmen – ich habe das hier schon einmal getan –: Am 23. April 2023 hat das schwedische Karolinska-Institut in seiner Stellungnahme die nationale Digitalisierungsstrategie der schwedischen Bildungsbehörde für das Schulsystem 2023 bis 2027 kritisiert. Dort wurden – meine Damen und Herren, halten Sie sich fest – in den Schulen und Vorschulen massiv digitale Endgeräte ausgebracht und gleichzeitig die Lehrbücher ersetzt, ohne dass es entsprechende digitale Lernmaterialien gab. Das mit Brandenburg zu vergleichen, ist wirklich nicht gerechtfertigt. Diese technologiegetriebene Entwicklung hat nichts, aber auch gar nichts mit der Brandenburger Bildungspolitik und der Realität hier zu tun. (Beifall SPD und BSW) Hier gilt das Primat der Pädagogik. Damit es alle verstehen: Es gilt Pädagogik vor Technik. (Zuruf von der Tribüne) Meine Damen und Herren, die zentrale Aufgabe unserer Bildungseinrichtungen ist es, Kinder in der Schule maßvoll an die digitale Welt heranzuführen, die sie umgibt und in der sie übrigens außerhalb der Schule auch die ganze Zeit leben. Wir wollen ihnen Medienkompetenz vermitteln und sie frühzeitig auf die Gefahren digitaler Medien vorbereiten. Wir wollen sie zu einem verantwortungsbewussten, selbstbestimmten und kritischen Umgang befähigen. Ein genereller Verzicht auf digitale Medien in Kita und Grundschule würde nicht nur die pädagogisch begleitete und systematische Einführung verhindern, nein, er würde auch die Familien mit ihrer Verantwortung hinsichtlich der sicheren Nutzung von Handys oder Computern völlig alleinlassen. Jugendliche brauchen ebenso Begleitung. Wir kennen Probleme wie Cybermobbing, Konzentrationsstörungen oder mangelnde Selbstregulation. Die Kollegin hat eben umfassend dazu ausgeführt. Studien wie beispielsweise die OECD-Analyse von 2024 zeigen allerdings, dass strikte Verbote in der Regel umgangen werden. Die negativen Auswirkungen werden so lediglich in die Freizeit und das Familienleben verlagert, wodurch sie noch schwieriger zu thematisieren sind und noch schwieriger angegangen werden können. Eine zentrale Forderung der Bildungsforschung lautet: Lasst uns das Beste aus beiden Welten zusammenbringen. – Das ist übrigens die Quintessenz der Gegendarstellung: Bildungsforscherinnen und Praktikerinnen kritisieren den von Skandinavien ausgehend geforderten Digitalisierungsstopp im Bildungswesen. – Meine Damen und Herren, Sie vergessen immer, zu erwähnen, dass es durchaus eine intensive wissenschaftliche Debatte über diese Dinge gibt. Weder eine komplette Verbannung aller digitalen Medien noch eine vollständige Digitalisierung zulasten von Schulbuch, Heft oder Stift ist sinnvoll. So ist das handschriftliche Schreiben auch in einer immer digitalisierteren Welt von besonderer Bedeutung. Auch das habe ich hier schon betont. Von der Hand über den Arm in den Kopf. Die Handschrift unterstützt die Entwicklung feinmotorischer und kognitiver Fertigkeiten. Ich freue mich deswegen ausdrücklich darüber, dass wir im Koalitionsvertrag von SPD und BSW diesen Gedanken bestärken. (Beifall SPD und BSW) Meine Damen und Herren, zum Wohle unserer Kinder brauchen wir beides: digital und analog. Herr Dr. Kaufmann … (Dr. Dominik Kaufner [AfD]: Kaufner!) – Kaufner, Entschuldigung. Wir kennen uns ja noch nicht so lange. Herr Kaufner, Sie ziehen den Vergleich zum Steuern eines Autos. Man muss in eine Fahrschule gehen, um fahren zu dürfen; und wir diskutieren hier darüber, ob wir das Erlernen dieser Kompetenz in den Schulen verbieten – das halte ich für einen Treppenwitz. – Vielen Dank. (Beifall SPD und BSW)

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