Melanie Matzies-Köhler
Sehr geehrter Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kollegen! Liebe Schüler und Schülerinnen, mich würde eigentlich interessieren, was ihr zu diesem Thema sagt. Ihr seid ja eigentlich genau die, die wir hier unter anderem ansprechen; auch wenn ihr schon etwas älter seid. Werte AfD, erst einmal: Natürlich ist es ein ganz, ganz wichtiges Ansinnen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Es ist ein sehr legitimer Wunsch, die Medienzeit von Kindern zu verkürzen; da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Es hat ja katastrophale Folgen. Der überzweckmäßige Einsatz digitaler Medien hat fatale Folgen für die physische und die psychische Gesundheit unserer Kinder. Das muss man auf jeden Fall sehr ernst nehmen. Wir haben das auch in unseren Koalitionsvertrag aufgenommen. Da steht jetzt: „Private digitale Endgeräte der Schülerinnen und Schüler sind während des Unterrichts in den Taschen oder Schließfächern zu verstauen.“ So weit zu dem Passus im Koalitionsvertrag. Ich finde, bei Ihnen ist es – das haben die Kolleginnen vorher auch schon gesagt – vielleicht ein wenig zu pauschal geurteilt und zu weitreichend. Ansonsten frage ich mich auch ein bisschen, ob Sie es denn jetzt eigentlich nur in der Grundschule verbieten wollen oder auch in der Kita oder dann auch in der Sekundarstufe I. Das hat sich mir nicht ganz erschlossen. Das war für mich jetzt irritierend. Das haben Sie kurz zuvor noch einmal verändert. (Lena Kotré [AfD]: Gucken Sie rein! Es steht drin!) – Was sagten Sie gerade? (Lena Kotré [AfD]: Es steht drin!) – Einen Tag vorher war es noch die Sekundarstufe, jetzt ist es die Grundschule. Aber gut. (Lena Kotré [AfD]: Wie es drinsteht! Genau so!) Ich möchte jetzt erst einmal auf den Einsatz der digitalen Lernmedien im Grundschulunterricht eingehen. Was ich bei Ihnen auffällig fand: Sie haben das Karolinska-Institut zitiert. Da bezieht sich die Studienlage aber auf Schweden. In Schweden wurde eine komplette, ausschließliche Umstellung auf digitale Medien vorgenommen. Da wurden ja kaum noch Bücher benutzt. Sie kennen bestimmt alle die Berichte darüber, dass die Schüler, nachdem sie dann einmal ein Buch in der Hand hatten, versucht haben, darin zu zoomen, weil sie dachten, man könne das Gedruckte im Buch größer machen. Da hat man gesehen, was das für Auswirkungen hatte. Das ist natürlich bei uns nicht ganz so sehr der Fall. (Lars Hünich [AfD]: Wir sind aber auf dem Weg dahin!) Wir haben ja immer noch die Bücher. Insofern bezieht sich die Datenlage in Ihrem Antrag auf eine Situation, die man jetzt nicht so richtig mit unserer vergleichen kann. Aber Sie haben recht: Das ist nicht gut, und man muss die Folgen definitiv beachten. 2025 55 Wenn man erfolgreich lernen möchte, dann sind Materialien wichtig, die eben auch die Prinzipien von effektiver Speicherung berücksichtigen. Das kann man analog, das kann man aber auch digital machen. Das muss dann aber gut begleitet werden. Da ist sicherlich wahrscheinlich noch viel Forschung vonnöten. Was wir vom BSW aber sagen, ist: Wir geben natürlich den analogen Medien den Vorrang, einfach auch aus dem Grund, dass es eine ganz andere multisensorische Erfahrung ist. Es ist eine haptische Erfahrung, wenn man ein Buch in der Hand hat. Und natürlich sind es auch traditionelle Informationswege, die wir hier bewahren wollen. Das sehen wir da sehr ähnlich. Nichtsdestotrotz sagen wir auch: In den Kitas ist es das Gleiche. Auch da sind die analogen Medien natürlich vonnöten und sind auch viel wichtiger. Aber man kann in vereinzelten Situationen, zu ganz bestimmten Zwecken, in einem ganz gewissen Rahmen auch Medien einführen. Es komplett auszuschließen, würden wir eben auch nicht befürworten. Ich komme jetzt noch einmal zu den flächendeckenden Handy- bzw. Smartphoneverboten an Grundschulen. Da wollen wir schon ein bisschen genauer hinsehen und differenzieren, ob man die Dinger komplett zu Hause lässt oder sie vielleicht vereinzelt mal mitnehmen kann. Dazu gibt es ja verschiedene kontroverse Diskussionen. Das wurde von meinen Vorrednerinnen bereits gesagt. Wir sind aber für eine flächendeckende, allgemein verbindliche Regelung, die besagt, wie das in Brandenburg an den Schulen zu handhaben ist. Wir sind dafür, dass wir die Maßnahmen durchaus in den Händen der Schulleitung lassen. Bisher hat das so ganz gut funktioniert, denn die Schulleitung muss die Regelverstöße dann ahnden. Im Übrigen weisen wir in unserem Wahlprogramm darauf hin, dass über die Möglichkeiten und Gefahren digitaler Medien aufgeklärt werden muss und dass man einen verantwortungsvollen Umgang damit erlernen soll. Doch ein weiteres großes Problem ist – auch wenn Sie es nicht direkt angesprochen haben – die Nutzung von digitalen Endgeräten und vor allen Dingen von Social Media außerhalb der Schule. Darin sehe ich eines der größten Probleme, denn sie geschieht oftmals unbegleitet. Die Datenlage zu diesem Punkt besagt im Moment tatsächlich – und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen –, dass die Kinder und Jugendlichen 71,5 Stunden pro Woche am Handy bzw. Smartphone oder an anderen digitalen Endgeräten sitzen. Das ist unglaublich! Das sind ungefähr zehn Stunden am Tag! Das geht nicht. Da muss etwas passieren. (Beifall BSW und SPD)
