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Katja Poschmann

SPD 22.01.2025 Sitzungen 8/5

Herr Vizepräsident! Werte Damen und Herren! Liebe Gäste auf der Tribüne! Bei der AfD scheint der Handyempfang nicht stabil zu sein. Irgendwie bricht die Verbindung ständig ab, und man versteht gar nicht, was sie eigentlich will. (Beifall SPD – Zuruf des Abgeordneten Lars Hünich [AfD]) Das sage ich nicht, weil sie recht kurzfristig ihr Antragsanliegen bzw. die Forderungen in ihrem Antrag grundlegend und wesentlich geändert hat, sondern ich sage das, weil der Antrag selbst nach der vorgenommenen Änderung weder bezogen auf den Titel noch bezogen auf die Forderungen und erst recht nicht bezogen auf die Begründung schlüssig oder gar sinnig ist. Beim Titel kommt der Antrag populistisch um die Ecke, denn dort ist von einem umfassenden Handyverbot in Kindergärten und Grundschulen die Rede – eine Aussage, bei der sicher viele von uns erst mal geneigt sind, zustimmend zu nicken. Wer will schon, dass gerade die Kleinsten ständig am Telefon hängen? Man braucht aber gar nicht lang weiterzulesen, um zu erkennen: Die AfD wollte viel mehr beschließen lassen. Sie wollte die Nutzung privater digitaler Endgeräte am gesamten Schultag – also auch in den Pausen – in Grundschulen und auch in der Sekundarstufe I, also bis zum Ende der 10. Klasse, untersagen. (Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]: Reden Sie doch zum Antrag, Frau Poschmann! Einfach zum Antrag reden!) Wahrscheinlich ist Ihnen die eigene Wählerschaft aufs Dach gestiegen, und nun liegt uns ein Antrag vor, der sich allein auf Kindergärten und Grundschulen bezieht. (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW – Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]: Pech für Sie!) Anders als im Titel angegeben beantragt sie aber auch ein Verbot privater Tablets und Smartwatches sowie ein grundsätzliches Verbot der Verwendung digitaler Medien als Lehr- und Lernwerkzeuge. (Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]: Richtig!) Liest man sich die Begründung durch, erkennt man, wo die Reise für die AfD wirklich hingehen soll: Man findet dort eine ausführliche Generalabrechnung mit der digitalen Bildung, so wie wir es auch gerade noch einmal gehört haben. (Zuruf des Abgeordneten Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]) Dort ist von der „Dringlichkeit für eine deutliche Kehrtwende bei der Digitalisierung der Bildung“ und von einer „entdigitalisierten Schule“ die Rede. (Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]: Ein Weiter-so mit der SPD! Wunderbar!) Der Begriff allein lässt mich erschaudern. Fast am Schluss liest man dann sogar, dass ein umfassendes Verbot der Nutzung digitaler Endgeräte unumgänglich und überfällig sei. Wer sich jetzt fragt, was ein Handyverbot in Schulen mit digitalen Lehrwerkzeugen und adaptiven Lern-Apps zu tun hat, findet im Antrag darauf keine Antwort. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist an Realitätsferne nicht mehr zu überbieten (Beifall SPD sowie vereinzelt BSW) und wird weder den Anforderungen der heutigen Zeit noch der Lebensrealität junger Menschen in irgendeiner Weise gerecht. Daher will ich die Gelegenheit nutzen, meine Position deutlich zu machen. Vorab: Es ist unbestritten, dass der Medienkonsum immer wieder kritisch und vor allem altersgerecht betrachtet werden muss. Es ist ebenfalls völlig klar, dass digitalfreie Zeiten am Tag die Konzentrationsfähigkeit und das soziale Wohlbefinden maßgeblich verbessern. Deswegen müssen wir hier selbstverständlich noch genauer hinschauen. Ich möchte allerdings davor warnen, diese Aufgabe allein in die Schule zu verlagern. Wir sollten unsere eigene Vorbildrolle als Erwachsene nicht außer Acht lassen und das Bewusstsein für eine kritische Nutzung digitaler Medien auch in den Familien und in der Gesellschaft allgemein etablieren. (Dr. Hans-Christoph Berndt [AfD]: Das hat doch mit dem Antrag nichts zu tun!) Ich möchte aber eindringlich darum bitten, sich klarzumachen: Digitale Bildung ist so viel mehr als die Nutzung von Smartphones. Sie kann sehr wohl die Lehrkräfte bei ihrer pädagogischen Arbeit sinnvoll unterstützen und auch den individuellen Lernerfolg in Grundschulen nachweislich verbessern. Mit dem Koalitionsvertrag haben wir uns vorgenommen, Empfehlungen für ein altersgerechtes Gleichgewicht zwischen digitalem und analogem Lernen zu entwickeln. Wir wollen gerade in der Grundschule den Fokus auf die feinmotorischen Fähigkeiten richten und einen Schwerpunkt auf die Vermittlung der Kernkompetenzen legen. Damit reagieren wir auf die Ergebnisse der vergangenen Vergleichsstudien und auf die Erfahrungen, die in anderen Ländern gemacht wurden. Dennoch, meine sehr geehrten Damen und Herren, halte ich nichts davon, die Herausforderungen der Zeit einfach per Verbot zu ignorieren. Das gleicht einer Resignation in Bezug auf Entwicklungen, die ohnehin nicht aufzuhalten sind. Auch wenn mir bewusst ist, dass ein Handyverbot in Schulen oft kontrovers diskutiert wird und viele Meinungen hervorruft: Lassen Sie uns nicht vergessen, dass die Schule ein wichtiger Sozialraum ist, ein Ort, an dem man gemeinsam lernt, gemeinsam lacht, sich austauscht, sich vertraut und gemeinsam wächst. Gerade in Zeiten von Informations- und Reizüberflutung, von Cybermobbing, Desinformation und Deepfakes im Netz dürfen wir Schülerinnen und Schüler nicht mit diesen Erfahrungen zurück- oder alleinlassen. Gerade jetzt brauchen sie den vertrauensvollen Austausch, den ihnen auch der Ort Schule bietet. (Beifall SPD sowie des Abgeordneten Falk Peschel [BSW])

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