Claudia Engelmann
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Die Männerfußball-WM in Nordamerika steht vor der Tür und viele freuen sich sicherlich darauf, trotz der späten Uhrzeiten. Allerdings ist die Freude nicht ungetrübt, denn die großen Sportevents sind leider auch erstklassige Werbeveranstaltungen für die Anbieter von Sportwetten. Regelmäßig – Frau Schedlich hat es gerade gesagt – fallen unzählige Menschen auf diese Angebote herein. 1,3 Millionen Menschen in Deutschland wetten pathologisch, 3 Millionen riskant. Die Folgen sind verheerend: Suchtkranke Spielende verlieren nicht nur häufig ihr gesamtes Vermögen, sondern begehen oft Straftaten zur Geldbeschaffung und belügen ihr Umfeld. Durch die Sucht wird der Alltag vollständig vom Spieltrieb bestimmt. Es zerbrechen Beziehungen, und Betroffene verlieren ihren Arbeitsplatz. Dennoch wird die Glücksspielindustrie von vielen Sportverbänden weiter hofiert. So hat die FIFA vor Kurzem einen Vertrag mit dem US-Unternehmen Stats Perform geschlossen, um als offizieller weltweiter Anbieter Wettdaten und Wettstreamingrechte direkt zu vermarkten. Diese von Veranstaltern autorisierte Dauerpräsenz verfestigt den gefährlichen Glauben, Glücksspiel sei ein normaler Teil des Sports. Die Folge: Kinder und Jugendliche werden ständig mit Sportwetten konfrontiert. Wir als Gesetzgeber müssen unsere Möglichkeiten endlich voll ausschöpfen. Sportwettenanbieter tun alles, damit Sportwetten in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Wir fordern den Senat daher auf, sich beim Glücksspielstaatsvertrag für harte, klare Regeln einzusetzen. Unter anderem soll die Werbung für Glücksspiel nur noch nachts, zwischen Mitternacht und 6 Uhr, ausgestrahlt werden dürfen. Zudem muss der erlaubte Monatsumsatz einer Einzelperson für Glücksspiel von derzeit 1 000 Euro deutlich auf 300 Euro gesenkt werden. Und die Sportwettenanbieter müssen die Kosten für die Prävention von Spielsucht künftig selbst tragen. Auch in Berlin selbst müssen wir Konsequenzen ziehen. Vereine, die entsprechende Wettanbieter als sichtbaren Sponsor haben und tragen, müssen rigoros von der Sportförderung ausgeschlossen werden. Im Gegenzug muss die Suchthilfe für Glücksspielsucht in Berlin ausgebaut und direkt in den Sportvereinen flächendeckend verankert werden. Sportwetten sind kein harmloses Unterhaltungsangebot. Wir als Linksfraktion unterstützen diesen Antrag daher vollumfänglich. – Vielen Dank! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]
