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Klara Schedlich

GRÜNE 04.06.2026 Sitzungen 19/87

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Ich bin mal wieder dagegen. Ich bin dagegen, dass Kinder und Jugendliche online illegale Glücksspielangebote nutzen können. Ich bin dagegen, dass man kein Fußballspiel schauen kann, ohne mit Werbung von Wettanbietern konfrontiert zu sein. Ich bin dagegen, dass überall in der Stadt Wettbüros die Gegend verschandeln. Berlin darf der Glücksspiellobby nicht den roten Teppich ausrollen. Berlin muss seine Kinder und Jugendlichen vor Sportwettsucht konsequent schützen. [Beifa ll bei den GRÜNEN ‒ Beifall von Dennis Buchner (SPD)] Wussten Sie, dass jeder fünfte Minderjährige in Berlin schon mal Glücksspiel betrieben hat ‒ Sportwetten, Automaten, Onlinecasinos? Jugendliche haben teilweise Schuldenberge, bevor sie ihr Abschlusszeugnis in der Hand halten. Trotzdem wird dafür auch noch Werbung gemacht. Das Geschäftsmodell der großen Glücksspielkonzerne ist es, Menschen in die Sucht zu treiben. Die enormen Gewinne landen bei internationalen Konzernen, während die sozialen und gesundheitlichen Folgen den Betroffenen, ihren Familien und letztendlich der ganzen Gesellschaft zur Last fallen. Suchtkranke spielen und verlieren nicht nur häufig ihr gesamtes Vermögen, sondern begehen auch Straftaten zur Geldbeschaffung, belügen und täuschen ihr Umfeld. Besonders tückisch dabei ist, dass Glücksspielsucht häufig über Jahre unentdeckt bleibt, weil sie von außen nicht sichtbar ist. Mit der Zeit bestimmt die Sucht das gesamte Leben. Durch die Sucht wird der Alltag vollständig vom Spielbetrieb und der Geldbeschaffung dominiert. Es zerbrechen Beziehungen, und Betroffene verlieren ihren Arbeitsplatz. Daher ist es nicht überraschend, dass Glücksspielsucht mit dem höchsten Suizidrisiko aller Suchterkrankungen verbunden ist. Und hinter jeder Statistik stehen Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist, und Angehörige, die oft jahrelang mit den Folgen kämpfen. Genau deshalb dürfen wir beim Schutz vor den Risiken des Glücksspiels nicht wegsehen. [Beifall bei den GRÜNEN] Berlin darf Sucht als Geschäftsmodell nicht durchgehen lassen. Berlin muss seine Bürger und Bürgerinnen vor Spielsucht schützen. [Beifa ll bei den GRÜNEN ‒ Beifall von Dennis Buchner (SPD)] Genau dafür gehen wir heute einen wichtigen Schritt. Der Senat wird beauftragt, ein Konzept zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Sportwettenwerbung zu erarbeiten. Es wird Aufklärungsarbeit an Schulen geben und deutlichere Warnhinweise, um auf die Risiken von Sportwetten aufmerksam zu machen. In einer öffentlichen Kampagne werden wir die Risiken von Glücksspiel bekannt machen und die Suchthilfe für Menschen mit Glücksspielsucht auch in Sportvereinen ausbauen. Zu Beginn meiner Rede habe ich gesagt, ich wäre dagegen, dagegen, dass Kinder und Jugendliche mit Glücksspielangeboten und Sportwettenwerbung aufwachsen. Umso mehr freut es mich, dass wir heute gemeinsam für etwas sind, für besseren Kinder- und Jugendschutz und für mehr Unterstützung der Menschen, die von Glücksspielsucht betroffen sind. Das ist ein großer Schritt, und für die Unterstützung für dieses Vorhaben danke ich Ihnen, liebe Kollegen und Kolleginnen der Koalition, dass Sie den mit uns gehen wollen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen sollte keine Frage parteipolitischer Unterschiede sein. Es ist ein starkes Signal, dass dieses Haus hier gemeinsam handelt. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN – Beifall von Stephan Standfuß (CDU) und Dennis Buchner (SPD)] Deutschlandweit sind es 1,2 Millionen Menschen, die pathologisch wetten, und noch weitere 3 Millionen, die riskant wetten. Deswegen beschließen wir als Parlament heute auch, dass Berlin sich in den Verhandlungen mit den anderen Bundesländern zum Glücksspielstaatsvertrag für einige Punkte einsetzen soll, wie beispielsweise, dass Kinder und Jugendliche online und in echt nicht mehr mit der Werbung von Wettanbietern konfrontiert werden sollen, dass die Werbung für Glücksspiel nur noch nachts zwischen 23 Uhr und 6 Uhr ausgestrahlt werden darf und dass Sportwettanbieter die Kosten für Prävention von Spielsucht selbst tragen müssen. Sie verursachen die Risiken, um damit Geld zu verdienen, also sollen auch sie dafür aufkommen, diese zu senken. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Claudia Engelmann (LINKE)] Ein Vorschlag von uns wurde von der Koalition nicht übernommen, und zwar, dass der Monatsumsatz einer Einzelperson für Glücksspiel, der im Moment 1 000 Euro beträgt, drastisch gesenkt werden sollte. Auch das wäre wichtig gewesen, denn diese Abhängigkeiten treiben Menschen in Armut und zerstören Leben und Familien. Doch der Antrag, auch in der Form, wie wir ihn heute beschließen werden, ist trotzdem ein wichtiger und richtiger Schritt. Ich möchte mich auch noch mal bei meinen sportpolitischen Kollegen für die guten Verhandlungen dazu bedanken. Für mehr Prävention und mehr Aufklärung stimmen wir heute gemeinsam ab. Ich freue mich darauf, mit Ihnen gemeinsam für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Sportwettsucht zu kämpfen, und bitte alle demokratischen Abgeordneten um Zustimmung zu diesem Vorhaben. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Dennis Buchner (SPD)]

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