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Louis Krüger

GRÜNE 21.05.2026 Sitzungen 19/86

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In den vergangenen drei Monaten bin ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen Klara Schedlich und Marianne Burkert-Eulitz durch ganz Berlin gefahren. Wir haben mit Eltern gesprochen, mit Schülerinnen und Schülern, mit Schulleitungen, mit pädagogischem Personal in Schulen und darüber hinaus. Überall haben wir dieselbe Frage gehört: Warum gibt es eigentlich nicht mehr Gemeinschaftsschulen in Berlin? Mit Erlaubnis der Präsidentin möchte ich einige Stimmen aus diesen Gesprächen teilen: Gemeinschaftsschule ist das bildungspolitische Zukunftsprojekt. – Wir wissen inzwischen, wie moderne Schule aussehen soll. – Oder auch: Der Weg ist lang, aber er lohnt sich. – Eine Aussage trifft es für mich besonders gut: Wir haben noch viel zu tun, aber der Erfolg kommt uns als gesamter Gesellschaft zugute. Diese Stimmen zeigen, dass es einen großen Bedarf nach mehr Gemeinschaftsschulen in Berlin gibt, und das nicht ohne Grund, denn Gemeinschaftsschulen leisten einen entscheidenden Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in unserer Stadt. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Sie ermöglichen längeres gemeinsames Lernen unabhängig von sozialer Herkunft, stärken individuelle Bildungsbiografien und reduzieren enormen Druck der frühen Selektion der Kinder, die viel zu früh sortiert; kurz gesagt: kein Schulwechsel, kein Stress. Gerade in Berlin ist das von besonderer Bedeutung, denn wir leben in einer Stadt, in der der Bildungserfolg immer noch viel zu oft vom Elternhaus abhängt. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Wenn wir Kinder später auf unterschiedliche Bildungsgänge aufteilen, verbessert das die Bildungschancen, ohne leistungsstarke Schülerinnen und Schüler zu benachteiligen. Gemeinschaftsschulen verbinden individuelle Förderung, gemeinsames Lernen und unterschiedliche Bildungsabschlüsse unter einem Dach. Das stärkt nicht nur Chancengerechtigkeit, es stärkt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unsere Demokratie. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Franziska Brychcy (LINKE)] Doch obwohl es viele erfolgreiche Beispiele gibt, werden Gemeinschaftsschulen in Berlin bislang nicht systematisch ausgebaut. Im Gegenteil, häufig kämpfen sie mit unklaren Rahmenbedingungen, fehlenden Ressourcen und mangelnder Unterstützung. Dabei übersteigt die Nachfrage vielerorts längst das Angebot. Deshalb sagen wir ganz klar: Der Ausbau von Gemeinschaftsschulen muss endlich bildungspolitische Priorität werden. Mit unserem Antrag fordern wir ein Landesprogramm Ausbau und Stärkung der Gemeinschaftsschule. Wir wollen verbindliche Ausbauziele, bessere personelle und finanzielle Ausstattung, Unterstützung bei Neugründung und Schulfusion sowie Stärkung der gymnasialen Oberstufe an Gemeinschaftsschulen. Wir wollen auch mehr Unterstützung für die Menschen, die diesen Weg gehen, denn auch das haben wir auf unserer Reise gehört: Es braucht mehr Aufklärung über Gemeinschaftsschulen bei Eltern, in Kitas, im Lehramtsstudium und in den Gremien der Mitwirkung. Es braucht Raum und Zeit für Hospitation und Austausch zwischen Schulen. Es braucht politische Rückendeckung für diejenigen, die sich trotz Widerständen für modernes gemeinsames Lernen einsetzen, denn Gemeinschaftsschulen sind kein Nischenprojekt mehr. Sie sind ein Modell für die Schule der Zukunft. Sie verfügen über große Erfahrung mit inklusiven, binnendifferenzierten und kooperativen Lernformen, genau die pädagogischen Konzepte, die wir angesichts zunehmend heterogener Lerngruppen überall im Berliner Schulsystem brauchen. Das unterscheidet uns auch ganz klar von der CDU. Sie wollen trennen und schließen aus: Kinder aus Armut, Kinder mit Behinderung, geflüchtete Kinder. Wir aber wollen zusammenführen. Für uns hat jedes Kind beste Bildung verdient. [Beifall bei den GRÜNEN] Jede neue Gemeinschaftsschule ist ein Gewinn für diese Stadt, jede Schule, die Kindern mehr Zeit gibt, jede Schule, die Vielfalt als Stärke versteht. Darum sollten wir den Ausbau von Gemeinschaftsschulen nicht bremsen, sondern diesen Weg entschlossen weitergehen, für mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere individuelle Förderung. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN]

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