Dennis Buchner
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will es einmal klar sagen: Man darf skeptisch gegenüber einem so großen Projekt wie den Olympischen und Paralympischen Spielen sein. Man darf den Aufwand skeptisch beurteilen, vielleicht auch den Nutzen. Man kann den ökologischen Fußabdruck kritisieren. Und selbstverständlich kann man sich die Frage stellen, ob es solche Ereignisse überhaupt braucht. Und man kann auch skeptisch mit der Jahreszahl, die ja möglich wäre, 2036 sein. Ich bin sicher, dass das auch der DOSB im kontinuierlichen Bewerbungsprozess mit dem IOC berücksichtigt. Aber wir entscheiden heute gar nicht über die Frage, wie wir zu den Spielen stehen. Deutschland hat sich entschieden. Die Bundesregierung, der Deutsche Bundestag – mit den Stimmen von Union, SPD, Grünen und AfD – und der Deutsche Olympische Sportbund sind klar: Es wird eine Bewerbung geben, und die Chancen sind gut, dass es 68 oder 72 Jahre nach der letzten deutschen Ausrichtung auch tatsächlich Spiele in Deutschland geben wird. Ich finde das gut, weil es völlig unabhängig von der Frage, wo die Spiele stattfinden werden, die Chance ist, dem Sport über eine ganze Dekade mehr Aufmerksamkeit zu geben. [Beifall bei der SPD und der CDU] Über 50 Prozent der Deutschen treiben regelmäßig Sport. Annähernd 30 Millionen Mitglieder in Sportvereinen gibt es. In ein paar Jahren wird der Sport sogar vor den Kirchen die mitgliederstärkste Organisation unseres Landes sein. Der Sport gehört für deutlich mehr Menschen zum Alltag als der Kirchenbesuch, der Besuch im Kino, im Theater oder einer Konzertveranstaltung. Trotzdem bekommt er nicht die Aufmerksamkeit, die er haben müsste. Wir kennen den Zusammenhang zwischen Bewegung und guter Bildung. Wir wissen um die Wirkung des Sports für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit. Wir nutzen die Bedeutung des Sports für Inklusion und die Integration zwar, aber immer noch zu wenig. Bundesweit gibt es einen großen Sanierungsstau bei Sportanlagen, nicht nur hier in Berlin. In vielen Flächenländern gibt es zu wenig Schwimmhallen. Im Leistungssport sind wir von vielen Ländern überholt worden. Nicht überall gibt es ausreichend Sport- und Bewegungsangebote. Trainerinnen und Trainer werden vielerorts knapp. Vor allem sind die Barrieren für viele Menschen mit Behinderungen viel zu groß. Deswegen sind auch die allerersten Paralympics in Deutschland eine riesige Chance. Ich bin dankbar, dass der Bund und der deutsche Sport sehr deutlich gemacht haben, dass es um weit mehr geht als nur vier Wochen Sportwettbewerbe in Deutschland. Es gibt ein klares Bekenntnis zur besseren Finanzierung des Leistungssports. Dafür ist der Bund zuständig. Es geht um bessere Bedingungen und eine bessere soziale Absicherung von Athletinnen und Athleten, denn in einem großen Teil der olympischen Sportarten wird kein Geld verdient oder sehr wenig. Und es geht um mehr Geld für die sportliche Infrastruktur. Die Sportmilliarde dieser Legislatur, mit der der Bund die Sanierung kommunaler Sportstätten bundesweit unterstützt, brauchen wir bis zur Ausrichtung der Spiele in jedem Jahr. Das kann dann eine Dekade werden, in der nach Jahrzehnten endlich wieder ein Schwerpunkt auf dem Sport liegt. Das ist gut für Deutschland, gut für Berlin. Jetzt kommen wir zu Berlin: Man kann die Haltung der Linken haben. Sie erzählen den Menschen, solange es in Berlin noch Obdachlose gibt, eine kaputte Schultoilette oder ein geschlossenes Schwimmbad, sollten wir uns Olympia und Paralympics nicht leisten und hier keine finanziellen Schwerpunkte setzen. Auch in Hamburg sagen die Linken, dass 6 Milliarden Euro staatliches Geld für die Spiele viel zu viel sind. Ja, 6 Milliarden Euro sind ein gewaltiger Betrag. Allerdings werden der Bund und Berlin zusammen bis 2040 noch mindestens 14 000 Milliarden Euro ausgeben. 6 Milliarden Euro von 14 000 Milliarden Euro bis 2040! Hier wird deutlich: Es geht nicht um die Frage, ob wir uns das leisten können. Nein, es geht um die Frage, ob wir eine Dekade lang dem Sport mehr finanzielle Aufmerksamkeit schenken als heute. [Beifall bei der SPD, der CDU und der AfD] Und es geht um die Frage, ob wir die zusätzlichen Gelder des Bundes – der Kanzler und der Finanzminister haben sich gerade noch mal zu den Spielen bekannt – nach Berlin bekommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, verkauft doch die Menschen dieser Stadt nicht für dumm! [Tobias Schulze (LINKE): Das gilt für euch auch!] Die Frage, ob Berlin die Spiele ausrichtet, hat keinerlei Auswirkung darauf, wie viele Obdachlose es noch gibt, ob eine Theaterkarte teurer wird oder auch nur eine einzige Schule neu saniert wird. Jeder im Sport weiß, dass euer Argument, man müsse erst alle Sportanlagen saniert haben, bevor man sich bewirbt, großer Blödsinn ist. [Beifall bei der SPD und der CDU] Die Senatsvorlage, die hier vorliegt, zeigt doch, dass für die Spiele – keine Zwischenfragen, die Linken kommen gleich noch dran – 80 bezirkliche Sportanlagen zusätzlich mit 270 Millionen Euro saniert werden sollen. Derzeit geben wir – das wisst ihr genau – 18 Millionen Euro im Jahr dafür aus. Im Höchstfall waren es 24 Millionen Euro.
