Melanie Kühnemann-Grunow
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der vorliegende Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur nachhaltigen Ausrichtung der Berliner Kultur und Kulturförderung greift ein wichtiges Thema auf. Das ist schon richtig. Kultur ist nicht nur identitätsstiftend für unsere Stadt, sondern auch ein zentraler Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Innovation und wirtschaftliche Dynamik. Insofern hat die Kollegin Billig recht. Aber sprechen wir jetzt mal zum Antrag: Dass wir uns Gedanken über Nachhaltigkeit in diesem Bereich machen, ist richtig, notwendig, man muss aber feststellen, dass sich unsere Kulturinstitutionen – das ist ja hier auch schon mehrfach angeklungen – längst auf den Weg gemacht haben. Viele Bühnen verzichten inzwischen auf riesige Materialschlachten, Bühnenbilder werden recycelt, und Tourneen in weit entfernte Länder unterbleiben, einfach schon aufgrund der Flugpreise und so weiter. Darüber hinaus haben wir Nachhaltigkeit längst als Querschnittsaufgabe etabliert, ob durch energetische Sanierung von Kulturgebäuden, durch Förderung klimafreundlicher Produktionsweisen oder durch die Unterstützung nachhaltiger Veranstaltungsformate. Wir handeln bereits, und wir tun dies nicht isoliert, sondern im engen Dialog mit den Akteurinnen und Akteuren der Kulturszene. Richtig ist, der Kostendruck ist inzwischen immens. Wir wissen, was Energie kostet. Aber wir dürfen nicht so tun, als beginne die Debatte über nachhaltige Politik erst mit diesem Antrag, sondern vielmehr bauen wir auf einem Fundament auf, das die Koalition auch verantwortungsvoll gelegt hat. Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort, sondern ein komplexer Prozess, der sorgfältig geplant und gemeinsam gestaltet werden muss. Ob da ein Runder Tisch hilft, weiß ich nicht. Als SPD-Fraktion setzen wir uns stattdessen für einen pragmatischen und verlässlichen Ansatz ein. Denn eines ist klar: Nachhaltigkeit darf nicht zulasten künstlerischer Freiheit und kultureller Vielfalt gehen. Ich möchte hier aber noch einen Punkt anmerken, der mir sowohl bei Grünen als auch bei Linken gefehlt hat, nämlich der Hinweis auf den Prozess, der gerade unseren Theatern auferlegt wird und der vorsieht, Theaterwerkstätten im Bühnenservice zusammenzuführen. Wir sehen das sehr kritisch. Die Werkstätten unserer Theater haben nicht nur eine eigene künstlerische Sprache, sie können vor allem durch die enge Absprache vor Ort viel nachhaltiger arbeiten. Wenn das wegfällt, passieren Fehler, und vieles wird neu produziert, Fehlerhaftes landet nicht nur sprichwörtlich in der Tonne, sondern landet definitiv im Müll. Wir sehen also, dass wir einesteils viel weiter sind als der Antrag suggeriert, und andererseits fehlen wichtige Aspekte, die nachhaltige Kulturproduktion ermöglichen. – Vielen Dank! [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei der CDU]
