Catrin Wahlen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geehrte Kolleginnen und Kollegen, Zuschauende und Gäste! Mehr als die Hälfte der Menschen mit Behinderungen macht nie Sport, Tendenz steigend, während das bei den nicht behinderten Menschen lediglich bei einem Drittel so ist. Warum das denn? – Betroffene nennen insbesondere die fehlenden barrierefreien Sportstätten und Angebote als Hauptursache für die sportliche Inaktivität, denn wenn die Halle nicht betretbar, das Training nicht inklusiv ist, kann mensch eben nicht hin. Die gleichberechtigte Teilnahme an Sportaktivitäten zu ermöglichen, ist Verantwortung des Landes Berlin, und das sowohl im Leistungs-, vor allem aber auch im Breitensport. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Kristian Ronneburg (LINKE) und Katina Schubert (LINKE)] – Danke! – Der oder die eine oder andere hier im Raum kann sich vielleicht daran erinnern, dass es seit 17 Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention gibt. Das ist heute auf den Tag genau 17 Jahre her, dass es geltendes deutsches Recht geworden ist. Und auch die Teilhabe am Sport ist darin verankert, in Artikel 30; können Sie gerne nachschlagen. Diese Anträge buchstabieren das aus, was geltendes Recht ist und wie man dessen Umsetzung erreichen kann. Sie wurden zusammen mit Menschen erarbeitet, die aus eigener Erfahrung wissen, worauf es ankommt. Sie engagieren sich in der Fokusgruppe Freizeit und Sport des Behindertenparlaments, und sie sind übrigens sportlich aktiv, sodass sie wirklich wissen, worum es geht. Wenn es gleich vom Kollegen Buchner heißt: Ist doch schon alles da, und es gibt kein Problem! – , dann muss ich Sie im Voraus jetzt schon enttäuschen: Erfahrungsexpertinnen sehen das anders. Und ein Leuchtturm, der Jahn-Sportpark, möchte ich erwähnen, macht auch noch keine Inklusion in der ganzen Stadt. [Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Wo sind denn die barrierefreien Hallen und Sportplätze, die Assistentinnen und Assistenten, die Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die intelligente Beleuchtung? Wann können taube Menschen beim Basketball mitmachen oder Menschen mit Lernschwierigkeiten beim Lauftraining, und zwar inklusiv, Menschen mit, Menschen ohne, Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, einfach weil sie in demselben Viertel wohnen und Freude an demselben Sport haben? Denn das ist das Ziel: zusammen spielen, im wahrsten Sinne des Wortes. [Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Für viele Menschen mit Beeinträchtigung ist die SportAG ihrer Werkstatt immer noch der einzige Weg, Sport zu machen. Das ist zwar bestimmt guter Sport, aber wahrlich das Gegenteil von Inklusion. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wenn man zu der nicht existenten barrierefreien Sportstätte vor lauter BVG-Krise, Schienenersatzverkehr und ausfallenden Fahrstühlen sowieso nicht hinkommt. Die barrierefreie App zu den Special Olympics ist ja wieder weg, und der Muva-Fahrdienst auch. Sollte man sich als Mensch mit Beeinträchtigung ins Publikum eines Sportevents setzen: Auch da braucht es Barrierefreiheit, auf allen Ebenen – baulich, beim Ticketing, bei Infomaterial und bei der Sensibilisierung von Personal, übrigens auch und gerade bei den kommerziellen Orten und Anbietern. Ich möchte an dieser Stelle allen Menschen danken, die trotz aller Widrigkeiten an dem Ziel, Berlin zu einer inklusiven Sportstadt zu machen, unermüdlich arbeiten. Es freut mich sehr, dass es in einer gemeinsamen demokratischen Aktion gelungen ist, das Berliner Behindertenparlament zu verstetigen, und ich wünsche mir für die Zukunft so sehr, dass die Berliner Politik auch in diesem Hause die Inklusion ernst nimmt. Dafür kämpfen wir. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
