Marco Hahnfeld
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Berlin ist die führende Start-up-Metropole und ein internationaler Hotspot, was das Thema Start-ups betrifft. 6 000 ansässige Unternehmen, über 100 000 Mitarbeiter: Das nenne ich erste Liga. Die Start-up-Szene ist damit auch ein wichtiger Beschäftigungs- und Innovationsfaktor in unserer Stadt, insbesondere dann, wenn wirtschaftliche Krisenzeiten sind. Laut "Startup Heatmap" liegt Berlin auf Platz zwei hinter London – und das sind die Stimmen der Gründerinnen und Gründer. Auch da sage ich: erste Liga. Den nationalen Vergleich müssen wir ohnehin nicht scheuen. Die Gesamtzahl der Start-up-Neugründungen im Jahr 2025 liegt weiterhin deutlich vor München und vor anderen Metropolen in Deutschland. Darüber hinaus ist es so, dass wir auch pro Kopf bei der Gründerzahl an Platz eins stehen. Berlin ist und bleibt, auch entgegen anderslautender Behauptungen, Deutschlands führender Start-up-Hotspot. Eine besondere Stärke von uns ist das Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. [Beifall bei der CDU – Beifall von Mirjam Golm (SPD)] Es gibt Punkte, über die wir reden müssen. Ich wünsche mir auch mehr Ausgründungen aus dem Wissenschaftsbereich. Ich würde mir auch wünschen, dass dort ein, ich sage einmal, Mentalitätswechsel besteht. Dieser muss aber schon bei Schülern anfangen. Es ist wichtig, dass junge Unternehmer an Schulen kommen und dort von ihrer Geschichte erzählen – und zwar von den Erfolgen wie Misserfolgen. Denn wenn wir international etwas lernen können, dann ist das der Umgang in der Fehlerkultur, der Umgang mit Fehlern. Es ist kein Makel, ein Unternehmen gegründet zu haben und vielleicht gescheitert zu sein. Es erfordert Mut, diesen Schritt zu gehen, und das müssen wir Schülern beibringen. Hier wünsche ich mir eine andere Kultur an Schulen und auch, wirtschaftliches Denken an Schulen zu stärken. Wir brauchen außerdem ein anderes Unternehmerbild, denn Unternehmer sind Menschen, die für uns in der Stadt Sozialpartner sind. Gründer werden hoffentlich erfolgreiche Arbeitgeber, [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der AfD] und Arbeitgeber müssen wir stützen und nicht bekämpfen. Wir brauchen also eine Sozialkultur, die Arbeitgeber mit ins Boot nimmt und nicht kritisiert. Wir müssen in Zukunft dafür Sorge tragen, dass Topfinanzierungsrunden nach Berlin kommen – hier haben wir Defizite – , denn die Topfinanzierungsrunden legen den Grundstein für die Scale-ups, die wir dann brauchen, um den wirtschaftlichen Erfolg auch nachhaltig in der Stadt halten zu können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fokussierung auf die Zukunftsthemen, auf die Zukunftsbranchen. Im Schwerpunkt sind hier bei uns vor allem Unternehmen aus dem Bereich Fintech, aus dem Bereich E-Commerce, und das sind leider momentan eher schwächelnde Branchen. Bayerische Start-ups profitieren von einem etwas anders aufgestellten Feld, nämlich von einem, wo auch Defense, Deep Tech und KI als Innovation genutzt werden, um aus Unternehmen heraus zu gründende junge Start-up-Unternehmer zu fördern. Aber genau diesen Ansatz verfolgen wir ja auch hier in Berlin, zum Beispiel mit dem Aufbau des DefTech-Ökosystems, und das unterstützen wir ja ausdrücklich. [Beifall bei der CDU] Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ist das sinnvoll. Als Bundeshauptstadt tragen wir besondere Verantwortung in den Bereichen Resilienz und Sicherheit. Berlin muss ein europäischer Leuchtturm der Sicherheits- und Innovationswirtschaft werden, und daran arbeiten wir. [Beifall bei der CDU] Zusammengefasst besteht ein hervorragendes Start-up-Ökosystem. Wir haben das House of Finance and Tech, wir haben UNITE, die Start-up-Factory in Berlin, das Translationszentrum der Charité mit Bayer, wir haben das House of Games. Es sind viele erfolgreiche Projekte dabei, und das, finde ich, kommt bei Ihnen ein bisschen kurz. Ehrlich gesagt, an der einen oder anderen Stelle wundere ich mich, dass wir noch ein weiteres Zentrum brauchen, wo eine noch mal stärkere zentrale Struktur geschaffen wird, ohne eigentlich die Probleme, die wir vielleicht haben und die wir lösen müssen, auf die ich gerade eingegangen bin, zu lösen. Deswegen: Wir können Ihren Antrag im Ausschuss natürlich gerne als Aufhänger nutzen, um über diese strukturellen Probleme zu sprechen, die wir haben, und auch weiter das Thema der Zukunftsbranchen stärker in den Fokus zu nehmen, aber wir sind gegen diesen Antrag, weil wir ihn inhaltlich nicht für wirtschaftlich fördernd halten. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! Auf Wiedersehen! [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD]
