Martin Trefzer
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Meine Damen und Herren! Der Wissenschaftsrat und die Hochschulen fordern es. Die IHK fordert es. Arbeitnehmer und Arbeitgeber fordern es. Auch der Regierende Bürgermeister fordert es. Sie alle fordern, die Gründerkultur zu stärken, innovative Unternehmensgründungen zu erleichtern und die Erkenntnisse unserer breit aufgestellten Forschungseinrichtungen wirksamer in unternehmerische Aktivitäten zu übertragen, also schlicht ein besseres Umfeld für die Umsetzung und kommerzielle Realisierung von Innovationen zu schaffen. Der Regierende Bürgermeister hat die Latte besonders hoch gelegt, als er im September 2025 bei Baubeginn für das Berlin Center for Gene and Cell Therapies das Ziel formulierte, Berlin zu einem Boston an der Spree zu machen. Ich will das gar nicht kritisieren. Das ist eine Vision, an der man sich orientieren kann. Klar ist dann aber auch, dass wir noch einen sehr langen Weg vor uns haben, wenn wir Berlin zu einem Ort machen wollen, an dem Forschung, Innovation und Entrepreneurship so nah beieinanderliegen wie in Boston. Mit dem vorliegenden Antrag machen wir Ihnen und Berlin einen Vorschlag, wie wir auf diesem Weg einen entscheidenden Schritt vorankommen können. Als Vorbild haben wir uns dabei an einem der erfolgreichsten europäischen Innovationsleuchttürme orientiert, und zwar am Start-up-Zentrum STATION F in Paris. Denn nicht nur in Nordamerika, sondern auch in Europa gibt es großartige Beispiele für gelebte Innovationskultur. Die STATION F kann in vielerlei Hinsicht beispielhaft dafür sein, wie wir auch in Berlin einen Innovationshub mit ähnlicher Strahlkraft aufbauen können. [Beifall bei der AfD] Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses hatten bei ihrer Ausschussreise nach Paris im Mai vergangenen Jahres die Gelegenheit, die STATION F zu besuchen und sich von den Synergieeffekten eines zentralen Start-up-Zentrums zu überzeugen. Um es gleich vorauszuschicken: Ein solches Start-up-Zentrum wird die bereits vorhandene und weiter wachsende Innovations- und Transferkultur in unserer Stadt keineswegs verdrängen, sondern sie ergänzen und verstärken. Denn ein zentrales Start-up-Zentrum stellt eine ideale Ergänzung, ja geradezu einen Booster, für die bestehenden und noch weiter entstehenden Transferprojekte dar. Dass wir mit unserem Vorschlag nicht allein stehen, können Sie der Antragsbegründung entnehmen. Frau Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring von der HTW hat sich im Wissenschaftsausschuss ebenso für ein Start-up-Zentrum ausgesprochen wie Verena Pausder, die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Deutsche Startups e. V., in einem Tagesspiegel-Beitrag. Um auch diesen Einwand gleich vorwegzunehmen: Das angedachte Start-up-Zentrum soll eben kein Instrument staatlicher Innovationslenkung oder industriepolitischer Steuerung sein. Aufgabe des Landes darf es ausschließlich sein, das Projekt im Rahmen einer Public-private-Partnership anzuschieben. Die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die Auswahl technologischer Pfade sowie Erfolg oder Misserfolg von Entscheidungen werden hingegen dem Wettbewerb überlassen. Dabei liegen die Vorteile eines zentralen Start-up-Zentrums für Berlin auf der Hand. Durch die Zurverfügungstellung von Gründungsinfrastruktur, durch die Bündelung von Förderprogrammen, Finanzierungsmöglichkeiten, Coaching, Behördenkontakten sowie Mitarbeiter- und Kundengewinnung kann ein zentraler Start-up-Hub zu einem Turbo für unternehmerischen Erfolg in unserer Stadt werden – [Beifall bei der AfD] und zwar egal, ob sich Gründer am Ende dann auf eigene Beine stellen oder ob sie sich in ein bestehendes Unternehmen einbringen. Damit kann es Berlin gelingen, sich als deutsche Start-up-Hauptstadt zu behaupten und wieder in die erste Liga der Start-up-Metropolen in Europa aufzusteigen. Der Schlüssel für den langfristigen Erfolg liegt darin, Menschen mit innovativen Ideen Räume und Mittel zur Entfaltung zur Verfügung zu stellen und die Schwellen für den Transfer von Know-how in Entrepreneurship abzusenken. Dabei müssen Technologieoffenheit, unternehmerische Freiheit, Kreativität und Wettbewerb im Vordergrund stehen. So kann es uns gelingen, die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung und den gesamtwirtschaftlichen Nutzen für uns alle zu erhöhen. Denn machen wir uns nichts vor, und auch die gerade vorgestellte Agenda 2040 des Wissenschaftsrats hat dies gezeigt: Wenn es uns nicht gelingt, Forschung, Innovation und Entrepreneurship besser miteinander zu verzahnen, werden wir unsere aussichtsreichsten wirtschaftlichen Zukunftschancen verspielen. – Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
