Frank-Christian Hansel
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Frau Giffey, schön, dass Sie da sind! Sie sind gerade gekommen. – Die Debatte um die mögliche Expo 2035 in Berlin ist keine Eventdebatte. Sie ist eine Standort- und Leistungsdebatte. Sie lautet nicht: Wollen wir eine schöne Weltausstellung? Sie lautet: Ist Berlin bereit, wieder groß zu denken und vor allem groß umzusetzen? Mit unserem Antrag, Berlin als Standort für die Expo 2035 prüfen und vorbereiten, liegt ein seriöser, konstruktiver Vorschlag auf dem Tisch. Ich betone bewusst das Wort „prüfen“, denn eine Expo ist kein Prestigeobjekt, kein Selfie-Event und kein ideologisches Schaufenster. Richtig verstanden ist sie ein Modernisierungsinstrument. Worum geht es wirklich? – Berlin leidet nicht an Visionen. Berlin leidet an Umsetzungsschwäche. Infrastruktur, Verkehr, Genehmigungen, Verwaltung. Digitalisierung – überall das gleiche Muster: hohe Ansprüche, geringe Leistungsfähigkeit. Eine Expo zwingt zu etwas, was Berlin dringend braucht: verbindliche Zeitpläne, klare Zuständigkeiten, internationale Vergleichbarkeit und messbare Ergebnisse. Eine Expo ist kein Wunschkonzert, sie ist ein Leistungstest für unsere Stadt. Genau deshalb unterstützt die AfD dieses Projekt – nicht aus Naivität, nicht aus Eventromantik, sondern aus wirtschaftspolitischer Vernunft. [Beifall bei der AfD] Das ist mir wichtig zu betonen: Wir stehen damit nicht allein. Aus der Berliner Wirtschaft – von den Kammern, Verbänden, Messe- und Tourismusakteuren, aus Technologie und Investitionsankreisen – kommt derzeit ein spürbarer positiver Impuls. Gerade gestern war die Expo 2035 prominenter Tagesordnungspunkt des Stadtentwicklungskongresses 2026 der IHK zu Berlin im Haus der Berliner Wirtschaft unter dem Motto Weltmetropole Berlin. Das Plädoyer war da gestern beeindruckend und vernehmbar. Dort wird die Expo nicht als Ideologieprojekt gesehen, sondern als Chance, Investitionen zu bündeln, Planungssicherheit herzustellen und Berlin wieder international sichtbar zu machen. Diesen Schwung sollten und wollen wir aufnehmen, nicht ausbremsen. [Beifall bei der AfD] Eine seriös vorbereitete Expo kann private und nationale Partner mobilisieren, den Tourismusstandort Berlin strukturell stärken, Innovation sichtbar machen und Infrastruktur schaffen, die nach 2035 bleibt. Das ist entscheidend: dauerhafter Nutzen statt kurzfristig Applaus. In dieser Debatte wird gern ein künstlicher Gegensatz aufgebaut: Expo auf der einen, Olympia auf der anderen Seite. Dieser Gegensatz ist falsch, denn eine Expo 2035 und eine Olympiabewerbung im Zeitraum 2036 oder 2040 stehen nicht in Konkurrenz. Sie sind vielmehr strukturell kompatibel und komplementär, denn beide Projekte verlangen dieselben Grundlagen: leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur, beschleunigte Genehmigungsverfahren, moderne Verwaltungsstrukturen und internationale Organisationsfähigkeit. [Beifall von Martin Trefzer (AfD)] Eine Expo kann dabei vorbereitend wirken. Sie zwingt früher zu Reformen, zu Klarheit und zur Umsetzung. Wer glaubt, Berlin müsse sich entscheiden, der denkt zu klein oder zu kurz. Es wird auch gern gesagt, Berlin sei überfordert, Berlin könne das nicht. Ich halte das für eine Ausrede und auch für falsch. Berlin ist nicht überfordert von großen Projekten. Berlin ist überfordert von seiner eigenen Reformverweigerung. Genau hier liegt der strategische Wert einer Expo: Sie macht Druck, sie setzt Maßstäbe, sie erzwingt Entscheidungen. Auch der internationale Kontext ist eindeutig. Andere Metropolen konkurrieren offen um die Expo 2035, seit Kurzem mit Unterstützung des US-Präsidenten auch in Miami, in Florida. Der globale Wettbewerb um Investitionen, Sichtbarkeit und Innovationskraft läuft längst. Eine Weltstadt, die keine Weltformate mehr wagt, hört irgendwann auf, Weltstadt zu sein. [Vereinzelter Beifall bei der AfD] Lassen Sie mich zum Schluss klarstellen: Die AfD fordert keine Bewerbung um jeden Preis. Wir fordern Sachlichkeit, um diese Chance in Angriff nehmen zu können. Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfung, Einbindung von Wirtschaft, Stakeholdern für die Metropolregion, Synergien zwischen Expo und Olympia statt Konkurrenzdenken – und Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern, ganz wichtig. Die Expo 2035 ist kein Größenwahn. Sie kann ein Hebel sein für stadtstaatliche Leistungsfähigkeit, für wirtschaftliche Vernunft, für Gestaltungswillen statt Stillstand. Wenn Berlin wieder etwas will, und zwar werden will, muss es wieder etwas leisten wollen. Wenn der Regierende jetzt den Standort BER für die Metropol- und Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ins Spiel gebracht hat, nämlich gestern auf dem Kongress, dann kommt da offenbar etwas in Bewegung, und das finden wir gar nicht so schlecht. Die AfD ist bereit, den Weg zur Expo 2035 konstruktiv mitzugehen. Vielleicht sind wir auch bis dahin in Regierungsverantwortung, und dann klappt das auch. – Vielen Dank! [Beifall bei der AfD]
