Klara Schedlich
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bäder sind mehr als nur Wasserbecken. Sie gehören zur sozialen Infrastruktur unserer Stadt. Sie stärken Gesundheit, Gemeinschaft und sozialen Zusammenhalt. Heute diskutieren wir erneut darüber, dass ein Vertrag, der Bädervertrag, auch tatsächlich eingehalten werden muss, denn die bauliche Situation der Bäder ist eine Katastrophe. Sieben Bäder sind momentan komplett geschlossen, auf diverse Neubauten wird dringend gewartet. Es braucht also endlich eine langfristige Planung mit sicherer Finanzierung, um eben nicht alle Baukostensteigerungen, die es so gibt, dann auch noch mal mitzunehmen, und es braucht eine fachlich sinnvolle Priorisierung der einzelnen Bauvorhaben. Dort, wo die Versorgung am schlechtesten und die Planung am weitesten fortgeschritten ist, muss als erstes saniert oder gebaut werden, und zwar so schnell wie möglich. [Beifall bei den GRÜNEN] Der Senat und die Bäder-Betriebe teilen übrigens Berlin selbst scheinbar ohne jegliche Kriterien in Regionen ein, um dann sagen zu können, in diesen Regionen gäbe es Bäder. Die Bäder vor Ort bei den Menschen fehlen trotzdem oft. Friedrichshain-Kreuzberg zum Beispiel hat im Moment kein einziges Hallenbad, Reinickendorf nur ein einziges, und Marzahn-Hellersdorf wartet seit Jahren vergeblich auf ein Freibad. Das darf so nicht bleiben! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Bäder sind kein Luxus, und das dürfen sie auch nicht sein. Sie gehören zum Alltag vieler Familien, Beschäftigter, Seniorinnen und Senioren. Es kann nicht sein, dass steigende Energiekosten am Ende dazu führen, dass Menschen in Berlin im kaltem Wasser schwimmen müssen, und es kann nicht sein, dass Ticketpreissteigerungen dazu führen, dass Menschen überhaupt nicht schwimmen gehen können. Die Einteilung der Bäder in Preiskategorien ist nicht sinnvoll. Wo man wohnt, darf doch nicht darüber entscheiden, ob man sich das Schwimmen leisten kann. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Sozialer Rückbau bei öffentlichen Einrichtungen trifft besonders Menschen mit geringem Einkommen, Familien, Seniorinnen und Senioren. Echte soziale Teilhabe heißt: Bäder, die für alle da sind. Die Versorgung mit Bädern ist kein Nischenanliegen, sondern ein Grundsatzthema sozialer Gerechtigkeit. Es geht um den Zugang zu öffentlichen Angeboten als Element einer solidarischen Stadtgesellschaft. Dass alle Kinder schwimmen lernen, dass Familien ins Spaßbad gehen und Einzelpersonen Bahnen ziehen können, all das ist nicht verhandelbar, sondern bereits jetzt vorgeschrieben, und ich erwarte hier mehr Einsatz vom Senat! – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
