Oda Hassepaß
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Gäste! Weil ich gerade Herrn Kraft gehört habe, hoffe ich, dass das Motto „Größer? Schneller? Länger? – Lassen Sie uns uns erst mal auf die Sachen konzentrieren, die hier noch nicht funktionieren“ dann auch für Magnetschwebebahnen, die U10 und weitere Fantasien gilt. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Kristian Ronneburg (LINKE)] Zur Straßenbahn: Wer Berlin kennt, weiß, dass unsere Stadt wächst – mehr Menschen, mehr Wohnungen, mehr Bewegung. Dafür braucht es auch mehr Mobilität, und ja, ganz besonders braucht es auch mehr Straßenbahnen. Warum? – Ganz einfach: Die Straßenbahn ist schnell, beliebt und klimafreundlich und damit eine der effizientesten Mobilitätsformen im städtischen Raum. Eine Straßenbahn kann in der Kapazität bis zu drei Gelenkbusse ersetzen – gerade im Hinblick auf ein knappes Fahrpersonal und die geringeren Kosten ein echter Vorteil. Wir haben zudem gesehen: Neue Strecken wie zur Turmstraße führen zu erheblichen Fahrgastzuwächsen und reduzieren den Autoverkehr. Wir alle spüren es: Mehr Effizienz, mehr Lebensqualität. [Beifall bei den GRÜNEN] Andere Städte setzen auf die Straßenbahn und bauen viele neue Strecken. In dem Punkt stimmen wir dem Antrag der Linken also auch zu: Wir müssen dringend ausbauen. Besonders am Stadtrand und auf den hoch frequentierten Linien M1, M4 und M10 zeigt sich deutlich: Das Angebot reicht nicht mehr aus. Nun wissen wir aber auch um die folgende Situation: Der neue Urbanliner ist mit 50 Metern Wagenlänge länger denn je. Hier haben 312 Fahrgäste Platz. Theoretisch ist das viel Kapazität – das ist gut. Doch es gibt gerade Probleme: Diese lange Bahn ist auch sehr schwer; bei Vollauslastung wiegt sie rund 100 Tonnen. Jetzt muss geprüft werden, ob Berlins Brücken, die durch den vielen Durchgangsverkehr und die schweren Lkw, die zuhauf darüberbrettern, belastet sind, auch noch stabil genug sind. Auch die Werkstatteinrichtungen müssen an die neue Länge angepasst werden. Derzeit sehen wir am Betriebshof Weißensee, dass das auch nicht ganz unproblematisch ist. Wann der erste 50 Meter lange Urbanliner nun also tatsächlich eingesetzt wird, ist wegen der Brücken und wegen der Betriebshöfe noch offen. Es gibt also ein paar Fragezeichen. Jetzt mit der 60 Meter langen Bahn zu kommen, ist vielleicht etwas schwierig, aber wir hören, sie ist in Gedanken schon mal auf dem Weg. Das ist ja schon mal ganz gut. Mir ist ganz wichtig zu betonen, dass uns Grünen an einer pragmatischen Lösung zum schnellen Ausbau der Straßenbahnkapazitäten gelegen ist. Konkret heißt das, erstens, die Straßenbahnneubauprojekte jetzt zügig voranzutreiben, zweitens, die Taktung zu erhöhen, drittens, die Vorrangschaltung überall dort einzusetzen, wo es möglich ist, damit die Straßenbahn nicht weiter im Stau steht, und viertens, die Urbanliner schnellstmöglich zum Einsatz zu bringen. Nur mit einer effizienten Straßenbahn kann Berlin viel mehr Fahrgäste in den Öffis befördern. Das ist smart, das ist wirtschaftlich, und genau das braucht Berlin: weniger Autos, mehr Straßenbahnen, weniger Stau, mehr ÖPNV. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
