Sandra Khalatbari
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Mit unserem gemeinsamen Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU und SPD zur Stärkung der schülerorientierten Berufsorientierung und des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik, kurz: WAT, setzen wir ein starkes Zeichen, ein gemeinsames Zeichen, und deshalb, lieber Kollege Hopp, einen herzlichen Dank für die netten Worte, die wir als CDU-Fraktion natürlich an alle Fachkolleginnen und -kollegen aus dem Bereich Bildung, Jugend und Familie gerne auch zurückgeben möchten: Danke sehr! [Beifall bei der CDU – Beifall von Marcel Hopp (SPD)] Ich sage es auch gleich vorweg: Dieser Antrag ist eine Investition in die Zukunftschancen unserer Schülerinnen und Schüler. Wir trauen unseren jungen Menschen etwas zu. Wir wollen, dass sie mit Klarheit, Selbstbewusstsein und beruflicher Perspektive ihren Weg gehen. Warum ist das wichtig? – Weil Berufsorientierung kein Anhängsel des Unterrichts ist. Sie ist Bildungsauftrag, und sie entscheidet für viele junge Menschen darüber, ob der Übergang von der Schule ins Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsleben gelingt. Wir wissen: Nicht wenige Jugendliche stehen am Ende der Schulzeit ratlos da. Sie kennen ihre eigenen Talente kaum, haben nur wenige reale Einblicke in Berufe, verlieren sich zwischen mehr als 350 Ausbildungsmöglichkeiten und vielfältigen Studienwegen. Das führt zu Fehlentscheidungen, Abbrüchen, Frust und Fachkräftemangel. Wir wollen und wir werden das ändern. Darum stellen wir die Berufsorientierung früher, praxisnäher und verbindlicher auf. Unser Antrag setzt dabei drei klare Schwerpunkte. Erstens: Früh starten, Talente entdecken. Bereits ab Klasse 5 sollen Kinder handlungsorientiert eigene Interessen, Neigungen und Stärken kennenlernen und herausfinden, beim Kochen, beim Bauen, beim Organisieren. Das motiviert nicht nur, es stärkt auch den Lernerfolg im Kernunterricht, weil Schülerinnen und Schüler mit Kopf, Herz und Hand begreifen, wofür sie lernen. [Beifall bei der CDU – Beifall von Florian Dörstelmann (SPD) und Marcel Hopp (SPD)] Stellen Sie sich vor, ein Schüler begeistert sich in Klasse 6 für das Werken. Das wird vielleicht der Auslöser für eine Karriere als Tischlermeister oder Ingenieur. Solche Wege der Berufsorientierung beginnen eben nicht erst nach dem Abitur, sie beginnen im Klassenzimmer. Zweitens: Praxis erleben und Berufe ausprobieren, kurz zusammengefasst, Unternehmensbesuche ab Klasse 7, Werkstattkurse in Klasse 8, ein verbindliches Schülerbetriebspraktikum in Klasse 9 und nun auch ein weiteres verpflichtendes berufsorientierendes Praktikum in Klasse 10. Das ist nicht nur ein Schnuppern, das ist das reale Erleben von Arbeitswirklichkeit. Stellen Sie sich eine Praktikantin einer 9. Klasse in einem Autohaus vor! Da steht sie nicht nur, wie selbst erwartet, im Verkaufsraum oder im Büro, sondern in einer angegliederten Werkstatt, und hört sich selbst mit etwas ölverschmierten Händen sagen: Ich wusste gar nicht, dass ich auch so etwas kann. – Genau darum geht es doch. Wir öffnen Türen, damit junge Menschen sich selbst entdecken. [Beifall bei der CDU – Beifall von Marcel Hopp (SPD)] Drittens: WAT stärken, in jeder Schulform, für alle verbindlich, Wirtschaft verstehen, eigene Haushaltsführung planen, handwerkliche Fähigkeiten erwerben. Das ist Lebensbildung. In Gymnasien ebenso wie in integrierten Sekundar- und Gemeinschaftsschulen wird es künftig ein verbindliches WAT-Angebot geben, und wir setzen uns natürlich dafür ein, dass dafür gute Ausstattung, Werkstätten und Kooperationen mit Betrieben zur Verfügung stehen.
