Frank-Christian Hansel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Liebe Berliner! Ich erinnere mich noch ganz genau: Als Münchener Junge stand ich mit acht Jahren im Olympiastadion, 1972. [Katina Schubert (LINKE): Haben wir schon gehört!] – Bleiben Sie doch sitzen, und bleiben Sie ruhig. Die Sonne, die Farben, die Flaggen und das Gefühl, im Mittelpunkt der Welt zu stehen – die Welt kommt zu dir, in deine Stadt, in dein Land: Diese Atmosphäre prägt ein ganzes Leben. [Beifall bei der AfD] Diese Stimmung habe ich erst 34 Jahre später wieder erlebt, und zwar hier in Berlin, beim Sommermärchen 2006. Herr Buchner hat es angesprochen. Auch dieses Großereignis Fußballweltmeisterschaft in Deutschland bleibt unvergessen. Im Rückblick habe ich manchmal das Gefühl, dass das eines der besten Jahre war, die Deutschland je hatte, zumindest von der Stimmung her. [Zuruf von Melanie Kühnemann-Grunow (SPD)] Schwarz, Rot, Gold überall – aber heiter, völlig normal. [Beifall bei der AfD] Heute sprechen wir über Olympia als modernes Mega-Ereignis – über Bilder, die um den Erdkreis gehen, und über Wirkungen, die weit über das Sportliche hinausgehen, denn Olympia ist ein globaler Schaufensterblick. In zwei Wochen sieht die Welt, was eine Stadt kann oder nicht kann. Barcelona 1992 hat das verstanden. Die Stadt hat sich durch die Spiele neu erfunden: Aus einer grauen Industriestadt wurde eine Metropole, die sich dem Meer hin geöffnet hat. Der Olympiahafen, die lange Strandpromenade samt Gastronomie, die neue U-Bahn: Bis heute profitiert Barcelona von diesem Impuls. Der Tourismus hat sich seither verdreifacht; die Stadt gehört zu den meistbesuchten Europas. [Katina Schubert (LINKE): Genau!] Ich war 1990, zwei Jahre vor der Eröffnung der Spiele, mit dem damaligen Oberbürgermeister aus Ostberlin, Tino-Antoni Schwierzina, SPD, in Barcelona. Ich war damals Leitungsreferent im Roten Rathaus. Das war zu Zeiten der Wiedervereinigung der geteilten Stadt, als Walter Momper als Regierender Bürgermeister im Westen und Tino Schwierzina im Osten die gemeinsame Landesregierung von Magistrat und Senat von Berlin führten. Es ging bei dieser Reise 1990 im Wesentlichen um die Olympiabewerbung Berlins für das Jahr 2000. In den Gesprächen mit den für die Olympiabewerbung Barcelonas Verantwortlichen und dem Oberbürgermeister Pasqual Maragall ging es darum zu eruieren, wie Barcelona die Spiele bekommen hat und worauf bei einer Bewerbung besonders zu achten ist. Da plaudere ich nicht aus dem Nähkästchen – es war sehr interessant –, aber der Modernisierungsschub und die Euphorie waren jedenfalls spürbar und ansteckend. Die Stimmung in Berlin selbst war damals verhalten: Viele Berliner im Osten hatten ganz andere Probleme, und auch die Verwaltung war zuallererst mit dem Zusammenwachsen der Stadt beschäftigt. Die Bewerbung stand unter einer eher unklaren Finanzierung und hatte diverse Konzeptschwächen. Die Spiele 2000 gingen dann bekanntermaßen nach Sydney. Jetzt sind wir 25 Jahre weiter. Die Einheit der Stadt ist bewältigt. Jetzt einen neuen Anlauf zu starten, ist völlig richtig. Natürlich: Olympia kostet Geld. Wer aber nur auf die Schlussabrechnung schaut, versteht das Prinzip nicht. Der Return on Image, die Selbstvergewisserung einer Stadt, der Impuls für Generationen – all das ist der wahre Gewinn. Olympia ist keine Bilanznummer, sondern ein zivilisatorischer Schub. Das war für mich als achtjährigen Jungen in München und später bei dieser Reise in Barcelona zu spüren. Es zeigt, was eine Stadt zu leisten vermag, wenn sie zusammensteht, Verwaltung, Wirtschaft, Bürger und Ehrenamt. [Beifall bei der AfD] Ja, es gibt Risiken. Aber es gibt eben auch Chancen, die man nicht zweimal bekommt. Wenn Berlin heute zögert, dann nicht aus Vernunft, sondern aus Mutlosigkeit. Und Mutlosigkeit ist keine Tugend, sie ist ein Verfallssymptom. Dafür stehen Sie da drüben – für ein Verfallssymptom. [Beifall bei der AfD] Darum sage ich: Wenn wir Olympia klug, ehrlich und nachhaltig anpacken, so, wie es Herr Buchner und mein Kollege Scheermesser gesagt haben, mit klarer Nachnutzung, mit finanzieller Disziplin und Bürgerbeteiligung, dann wäre es eine Sünde [Unruhe bei der LINKEN] – eine Sünde, liebe Linke! –, eine solche Gelegenheit an uns vorüberziehen zu lassen. [Beifall bei der AfD] Denn diese Stadt braucht wieder ein Ziel, das größer ist als die Probleme. Probleme haben wir weiß Gott genug. Aber eine Olympiade in 11 oder 15 Jahren wäre eine große Herausforderung, die zu bewältigen sich lohnen würde, damit die dann achtjährigen Jungen und Mädchen für ihre Generation sagen können: Wahnsinn, wow! Die ganze Welt kommt zu mir, in meine Stadt, in mein Land! – Vielen Dank! [Beifall bei der AfD]
