Dennis Buchner
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Manchmal hat man das Gefühl, dass wir hier Polemik betreiben und nicht Politik. Ich will deswegen zu Anfang einmal sagen, dass für mich die Olympischen und Paralympischen Spiele nach wie vor die faszinierendste Sportveranstaltung der Welt sind. Die Grundidee, Menschen aus aller Welt an einem Ort zusammenzubringen und ein friedliches Fest von Sport und Verständigung zu feiern, ist doch im Moment so aktuell wie lange nicht mehr. Alle vier Jahre steht auch mal nicht, wie sonst bei uns, der Fußball im Mittelpunkt; stattdessen verfolgen 5 Milliarden Menschen die Olympischen Spiele, inzwischen über 2 Milliarden die Paralympics und da auch mal Sportarten wie Ringen, Turnen, Rudern, Synchronschwimmen, Karate oder Badminton, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen. [Beifall bei der SPD und der CDU] Ich finde, es wird 68 oder 72 Jahre nach der letzten Ausrichtung Olympischer Spiele in Deutschland Zeit, die Spiele endlich wieder in unserem Land durchzuführen. Viele Ausrichter der letzten Jahre – Barcelona, Sydney, London, Paris – haben gezeigt, dass die Spiele auch ein Booster für den Breiten- und Leistungssport der jeweiligen Länder gewesen sind. Das gilt übrigens auch für Japan und China, die ihre sportliche Bilanz auch im Breitensport deutlich verbessert haben. All diesen Spielen ist aber gemein, dass sie auch für die Entwicklung der Stadt und der Wirtschaft als Antreiber gewirkt haben. Deswegen wünsche ich mir Spiele in Deutschland. Ja, auch drei Mitbewerber haben ihre Konzepte eingereicht. Ich halte unser BERLIN+-Konzept aber für das nachhaltigste, weil es ohne den Neubau großer Sportstätten auskommt, weil unsere Hotelkapazitäten ausreichen, und weil es im Idealfall 50 Jahre nach der Wiedervereinigung auch eine gute Chance gibt, unsere Partner, die ja gerade auch andere ostdeutsche Bundesländer sind, mitzunehmen, und Olympische und Paralympische Spiele in einem größeren Radius wirken können. Ja, Olympische Spiele und Paralympics kosten Geld in der Bewerbungsphase, auch in der Vorbereitung. Sie lösen aber auch erhebliche volkswirtschaftliche Impulse und wirtschaftliche Erträge aus. Ich will einmal auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 eingehen, die letzte wirklich vergleichbar große Sportveranstaltung, die wir in Deutschland hatten. Auch da gab es Bewerbungskosten, und es gab eine hohe Bereitschaft auch des Bundes zu investieren, auch ein Riesenbooster: 3,7 Milliarden Euro Investitionen etwa in den Berliner Hauptbahnhof, in den Hamburger Elbtunnel wurden zeitlich vorgezogen, 1 Milliarde Euro ist in unsere Fußballstadien in Deutschland geflossen. Davon leben wir übrigens heute noch, haben wir auch eine EM durchgeführt. Eine weitere Milliarde Euro brachten WM-Städte auf, um in ihre Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Und weil die langfristigen wirtschaftlichen Effekte und die fertiggestellten Projekte die Kosten stets weit übersteigen, wünsche ich mir die Spiele in Deutschland, aber eben auch in Berlin. Der Nutzen überwiegt am Ende die Kosten. [Beifall von Kurt Wansner (CDU)] Wir nutzen übrigens heute noch unseren Olympiapark von 1936, wir nutzen das Stadion und das Gesamtgelände. Wir nutzen die drei großen Sportstätten SSE, Velodrom und Max-Schmeling-Halle; das ist aus der gescheiterten Olympiabewerbung für 2000 übrig geblieben. Die Grünen wollten diese Hallen, als wir Olympia nicht bekommen haben, übrigens wieder abreißen. Das war damals die Haltung der Grünen. [Beifall bei der SPD und der CDU] Und am schnellsten, liebe Kolleginnen und Kollegen der linken und grünen Opposition, lässt sich widerlegen: Mehr Geld für Sport und Sportstätten bekommen wir in Berlin, wenn wir die Spiele bekommen. Wir bekommen es nicht dann, wenn wir uns nicht bewerben. Wir bekommen es auch dann nicht, wenn wir die Spiele nicht durchführen. Und ja: Wenn Berlin den Zuschlag bekommt, dann ist damit eine zusätzliche Verantwortung unseres Landes verbunden, in Sportstätten, in unsere Arenen, in den ÖPNV und die Barrierefreiheit zu investieren. [Zuruf von Franziska Leschewitz (LINKE)] Übrigens auch noch ein Wort dazu, auch für die, die sich vielleicht nicht ganz so gut auskennen: In diesem Haushalt stehen so viele Mittel für Sport und Sportflächen- und Bädersanierung wie niemals zuvor, auch nicht in unserer Regierung. Es sind übrigens auch gerade deswegen Bäder geschlossen, weil sie endlich in der dringend notwendigen Sanierung sind. Es gab niemals so viel Geld für die Sportstättensanierung wie gerade im Moment. [Beifall bei der SPD und der CDU] Paris hat für die Spiele 2024 rund 3,2 Milliarden Euro in Sportstätten, Verkehrswege und öffentliche Einrichtungen investiert. [Zuruf von Dr. Michael Efler (LINKE)] Davon entfiel übrigens alleine die Hälfte auf den Bau des Olympischen Dorfes und seiner Wohnungen; Wohnungen, die heute genutzt werden. Etwa 1 Milliarde Euro davon haben übrigens die Kommune Paris und die Région Île-de-France gestemmt. Der Rest ist auch aus Landesmitteln Frankreichs geflossen. Auch bei uns gilt das: Wenn es eine deutsche Bewerbung für Olympia und Paralympics gibt, müssen sich der Staat, also die Bundesrepublik Deutschland, und das Land an Kosten beteiligen. [Steffen Zillich (LINKE): Und das soll in Deutschland funktionieren? Das glaubst du doch selber nicht!] Ich wünsche mir in der Tat sehr, dass Olympia und Paralympics in Deutschland auch ein Booster werden für ein tägliches Sport- und Bewegungsangebot an allen Schulen und Kitas, [Zuruf von Franziska Brychcy (LINKE)] für einen besser ausgestatteten Leistungssport, für noch mehr Menschen in den Sportvereinen, aber vor allem für eine deutliche Erhöhung der Quote von Menschen mit Behinderung in unseren Sportvereinen. Dazu können die Paralympics mit ihren Rollenvorbildern eine echte Hilfe sein. Was der Sport übrigens nicht verdient, ist, Spielball von Opportunismus zu werden. Wir streben eine Bewerbung an, die nachhaltig transparent ist. 2021 fand sich unter Beteiligung von Grünen und Linken auch in Berlin im Koalitionsvertrag eine positive Formulierung zu Olympischen Spielen. Von Offenheit für Olympische und Paralympische Spiele ist hier in Berlin nichts mehr zu spüren, [Zuruf von Steffen Zillich (LINKE)] und so drängt sich doch der Verdacht auf, dass bei den Politikern von Grünen und Linke niemals die Frage ist: Olympische Spiele oder nicht? –, sondern die eigentliche Frage ist, ob man gerade Opposition oder Regierung ist. [Beifall bei der SPD und der CDU] Solcherlei Opportunismus hat der organisierte Sport in Deutschland nicht verdient. Dort, wo die Grünen mitregieren, stehen die Grünen auch für die Bewerbungen ein. Das gilt in Nordrhein-Westfalen, wo die Bedingung eine Beteiligung in Form von Bürgerräten ist. Es gilt auch in Hamburg, wo allerdings ein Referendum von oben möglich ist und abgehalten werden soll, und natürlich gilt es auch für die grüne Mitregierung im möglichen Segelrevier Schleswig-Holstein. In Bayern wird es besonders kurios: Dort sind die Grünen nämlich im Land Opposition und sind natürlich – Sie ahnen es schon – gegen Olympische Spiele. In der Bewerberstadt München dagegen sind die Grünen Gestaltungsmacht, stärkste Fraktion im Stadtrat und mit ihrem Zweiten Bürgermeister Dominik Krause klarer Treiber von „Pro Olympia“. [Zuruf von der LINKEN] Diesen Monat gibt es nun eine Abstimmung in München mit dem Kuriosum, dass die Münchner Grünen ihren Wählerinnen und Wählern ein Ja empfehlen und die Landtagsgrünen ein Nein empfehlen. [Beifall bei der SPD und der CDU – Zuruf von der LINKEN: Wir sind aber Berlin!] Bei so wenig Haltung zum Sport kann einem schon schwindlig werden. Zum Glück sind natürlich wenigstens die Linken einfach glaubwürdig in ihrer generellen Ablehnung der Spiele – ach nein, denn in Mecklenburg-Vorpommern haben sich SPD, Grüne, CDU, FDP und Linke in einem gemeinsamen Antrag für Olympische Spiele in Mecklenburg-Vorpommern starkgemacht und wollen das Segeln nach Rostock-Warnemünde holen. [Lachen bei der CDU – Zuruf von Franziska Leschewitz (LINKE)]
