Louis Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! – „Die Schule für alle… Gemeinschaftsschule bärenstark“. [Der Redner hält ein Schriftstück hoch.] So steht es auf dem Cover des Berlin Spezial, des Magazins des Verbands der Schulen des Gemeinsamen Lernens e.V. Auf knapp 50 Seiten ist dort die Geschichte der Gemeinschaftsschule in Berlin beschrieben. Außerdem finden sich in dem Heft Artikel zu einigen Berliner Gemeinschaftsschulen, in denen diese jeweils mit einer pädagogischen Besonderheit beschrieben werden. Dort geht es zum Beispiel um „Geborgenheit und Gemeinschaft“ an der Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule, um „Multiprofessionelle Teamarbeit“ an der Wilhelm-von-Humboldt Gemeinschaftsschule oder „Die Sache mit den Noten“ an der Fritz-Karsen-Schule. Besonders das letzte Kapitel würde ich einigen hier im Raum noch mal empfehlen. Hieraus lässt sich schon ableiten, worauf es bei der Gemeinschaftsschule inhaltlich ankommt: innovative pädagogische Konzepte und eine Haltung des Haltens. Jedes Kind ist dort richtig aufgehoben. Das ist eine Haltung, die wir als Grünenfraktion unterstützen. Die Gemeinschaftsschule ist die Schule der Zukunft. Die meisten anderen europäischen Länder haben das bereits erkannt und arbeiten nach dem Prinzip des langen gemeinsamen Lernens bis zur 8. oder 9. Klasse. Eine Segregation nach der 4. oder 6. Klasse? – Das ist undenkbar. Deutschland behauptet sich als bildungspolitischer Geisterfahrer. Eine Schulart ohne Segregation? Das geht doch nicht. Aber nein: In einem kleinen gallischen Dorf – ich meine in Berlin – regte sich Widerstand. Hier wurde 2008 die Pilotphase zur Einführung der Gemeinschaftsschule gestartet. Knapp 60 interessierte Schulen gab es, nur elf Standorte davon konnten realisiert werden. Die Nachfrage überstieg also bei Weitem das Angebot. Die Gemeinschaftsschule war damals der heiße Scheiß. Über Höhen und Tiefen entwickelte sich die Gemeinschaftsschule in Berlin dann weiter. Seit 2018 ist sie eine eigene Schulart – was für ein Erfolg! Aber im Zeitraum von 2016 bis 2025 wurden nur vier neue Gemeinschaftsschulen gegründet. Das ist leider kein Erfolg. Von Hunderten Schulen in Berlin sind lediglich 26 Gemeinschaftsschulen. Und so müssen wir uns fragen – wie im letzten Kapitel dieses Magazins –: Und wie weiter? War alles nur ein Hype? – Mitnichten; wir glauben an das Konzept der Gemeinschaftsschule und wollen der Bewegung wieder neuen Schwung verleihen. Deshalb haben wir als Grünenfraktion eine Studie in Auftrag gegeben, die als Potenzialanalyse Gelingensbedingungen und Hürden bei der Gründung neuer Gemeinschaftsschulen identifizieren sollte. Und man sieht: Der Schwung ist da. Nicht nur wurde in der Presse über die Studie berichtet, auch heute hier im Plenum des Abgeordnetenhauses reden wir endlich wieder über die Gemeinschaftsschule – was für ein Erfolg! [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Dr. Michael Efler (LINKE) und Dr. Klaus Lederer (LINKE)] Wir begrüßen die Forderungen der Linken in dem Antrag, weil sie wichtige Schritte hin zu mehr Gemeinschaftsschulen in Berlin sind. Allerdings ist für uns klar: Die Gemeinschaftsschule braucht mehr politisches Gewicht, auch innerhalb der Verwaltung. Deswegen fordern wir eine eigene Stabsstelle zur Stärkung der Gemeinschaftsschule. Und da unterscheiden wir uns dann auch von der CDU. Sie haben ja gesagt, es werde keine Gemeinschaftsschule in Berlin verhindert. Aber es wird eben auch keine gefördert, und auch die Prozessbegleitung und die Fusionsmittel, die Sie angesprochen haben, wurden ja im Haushalt gekürzt. Das ist ja die Wahrheit. Und wenn man sich anschaut: Natürlich können wir keine Schule zwingen, Gemeinschaftsschule zu werden, aber es gibt doch so viele in Berlin, die es gerne werden würden. Die müssen wir unterstützen, und das machen Sie nicht. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Und weil es bestimmt gleich kommt: Ja, unter Rot-Rot-Grün ist beim Ausbau der Gemeinschaftsschule auch zu wenig passiert – so ehrlich muss man sein –, aber deswegen nehmen wir jetzt auch umso mehr Anlauf, damit im Koalitionsvertrag 2026 wieder ein echtes Bekenntnis zur Gemeinschaftsschule steht und die auch mit konkreten Schritten hinterlegt ist. So wollen wir als Grüne in der nächsten Legislaturperiode die Anzahl der Gemeinschaftsschulen mindestens verdoppeln; ein Ziel, das auch die Linken teilen. Das Ziel ist, dass in der nächsten Ausgabe des Berlin Spezial nicht nur ein eigenes Heft, sondern am besten ein ganzes Telefonbuch steht. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN]
