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Anne Helm

LINKE 25.09.2025 Sitzungen 19/71

Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn es jetzt zu der Situation käme, dass ich überraschenderweise hier im Plenum plötzlich meine Tage bekommen würde, es kann ja manchmal Unregelmäßigkeiten geben, dann wäre das wahrscheinlich kein größeres Problem, denn obwohl Frauen in diesem Parlament immer noch stark unterrepräsentiert sind, wäre ich trotzdem zuversichtlich, dass ich die eine oder andere Kollegin finden würde, die mir spontan aushilft. Also kein größeres Problem, mit dem sich jetzt die Politik unbedingt befassen müsste. Aber in dem Antrag geht es ja nicht um Frauen wie mich. Deswegen finde ich es auch gut, dass meine Vorrednerinnen das schon angesprochen haben: Es ist eine soziale Frage. Ich habe in den letzten Jahren in Gesprächen mit sozialen Trägern und mit Einrichtungen, die für hilfsbedürftige Menschen da sind, eins gelernt: Nichts ist stigmatisierender und erniedrigender und nichts grenzt so sehr aus wie Scham und Ekel. Das ist für alle armen Menschen und Menschen, die von chronischen Krankheiten betroffen sind, ohnehin schon ein relevantes Thema, aber für alle, die menstruieren, ist das natürlich noch mal ein Problem in einem ganz anderen Ausmaß. Viele in unserer Stadt, das ist schon angesprochen worden, haben tatsächlich keinen ausreichenden Zugang zu Hygieneartikeln. Es geht hier also, ich wiederhole das noch mal, klar um eine soziale Frage, und es geht um Würde. Vielleicht kennen manche von Ihnen die folgende Anekdote. Sally Ride flog 1983 als erste Astronautin ins All. Die NASA-Ingenieure fragten sie vor ihrem Einsatz, ob 100 Tampons für eine Woche genug seien. Diese Anekdote zeigt, wie vollkommen überfordert und kenntnisfrei selbst die wissenschaftliche Elite, also literally Rocket Scientists, in Bezug auf die ganz irdischen Aspekte der Lebensrealität von Frauen sind oder zumindest zu diesem Zeitpunkt waren. Die Welt wurde für Männer konstruiert. Selbst die basalsten Bedürfnisse von Frauen und anderen wurden dabei nicht berücksichtigt. Das wirkt sich auch noch heute in unserem alltäglichen Leben aus. Dafür gibt es etliche Beispiele. Und ich finde, auch der Antrag der Grünen ist ein solches Beispiel. Ich muss sagen, er liest sich teilweise sehr bürokratisch, viel Berichtswesen und so weiter, und vielleicht irre ich mich, es ist nicht mein Fachbereich, aber ich glaube, dass es nicht in den Hochschulverträgen geregelt ist, dass die Hochschulen verpflichtet sind, tatsächlich Toilettenpapier auf allen Toiletten vorzuhalten, aber trotzdem sollte man ja davon ausgehen, dass sie das in bedarfsgerechter Weise tun. Genauso selbstverständlich sollte es tatsächlich bei Menstruationsprodukten sein. Deswegen, finde ich, kann dieser Antrag durchaus Anstoß sein, um in diese Richtung umzudenken. Deswegen bedanke ich mich für diesen Anstoß, ich glaube, gerade bei den Verträgen mit Wall muss es ja so bürokratisch ablaufen. Das wäre ein guter Ansatz, und dass es hier ein Umdenken gibt, ist längst überfällig und darum: Vielen Dank für diese Debatte! [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN – Beifall von Mirjam Golm (SPD)]

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