Martin Trefzer
Vielen Dank, Herr Präsident! – Lieber Herr Naumann, ich weiß nicht, mit wem Sie diesen Dialog führen wollen. Haben Sie denn das Gutachten des Bundestages gelesen? Haben Sie gelesen, wer die Vorstände bei der DITIB auswählt? – Das macht der Beirat, und in diesem Beirat sitzen ausschließlich Angehörige türkischer Behörden. Da wird aus der Türkei dekretiert, wer überhaupt zur Wahl antreten darf. Da wird inhaltlich alles dekretiert. Das ist kein Verband, mit dem Sie unabhängig in einen Dialog eintreten können. Das ist naiv! Genau das, was Ende August dort in Istanbul diskutiert wurde und was in einer Entschließung verkündet wurde, nämlich der weltweite Dschihad und der bewaffnete Kampf gegen Israel, wird auch in unseren Moscheen gepredigt. Das wird in DITIB-Moscheen gepredigt! [Beifall bei der AfD – Rolf Wiedenhaupt (AfD): Genau!] Seien Sie sich doch bitte im Klaren: Die inhaltlichen Vorgaben erfolgen aus Istanbul und aus Ankara. [Zuruf von Vasili Franco (GRÜNE)] Nicht umsonst sind im letzten Wahlkampf über 100 AKP-Parlamentarier in DITIB-Moscheen aufgetreten. Das ist kein Dialogforum, wie es bei Ihnen vielleicht bei der Christlich-Jüdischen Gesellschaft der Fall ist. Ich glaube, Sie haben da vollkommen falsche Vorstellungen, lieber Herr Naumann. Und wenn Sie immer die einfachen Muslime heranziehen, frage ich Sie mal, wie sieht es denn aus mit den Aleviten? Wie sieht es denn aus mit säkularen Muslimen? Glauben Sie, die haben Bock auf diesen Hass, der da allwöchentlich in DITIB-Moscheen gepredigt wird? [Beifall bei der AfD] Das ist doch kein Dialog, wenn man den Dschihad verkündet! Ich habe den Terrorismusexperten zitiert, der gesagt hat, es fehlt nicht mehr viel, dass dieser Funke überspringt und der Dschihadismus auch hier in unseren Moscheen, in den DITIB-Moscheen in Berlin beginnt. Das sollten Sie sich bitte mal bewusst machen. Wir haben im Ausschuss miteinander gestritten. Sie haben in Ihrem Beitrag im Ausschuss gesagt, wir sollten doch mal an Ayşe denken. Die junge Berliner Türkin, die hier auch eine Zukunft haben will und die Teil unserer Gesellschaft ist. Auf jeden Fall! Aber haben Sie mal überlegt, was mit Ayşe ab nächstem Jahr passiert? Da gibt es eine Lehrerin mit Kopftuch im Unterricht, [Zuruf von Elke Breitenbach (LINKE)] die ganz klar Maßstäbe setzt, und natürlich besteht dann auch die Möglichkeit, dass der Druck auf dieses junge Kind, vielleicht auch Kopftuch zu tragen, immer mehr wird. [Vasili Franco (GRÜNE): Hetze! Reine Hetze! – Orkan Özdemir (SPD): Die hatten jahrelang Höcke in den Klassenzimmern!] Dann haben Sie in der Koalition in breiter Mehrheit einen Tag gegen Islamfeindlichkeit auf den Weg gebracht. Sie wissen doch ganz genau, wer das angestoßen hat! Da wird dann wieder von fundamentalistischen Muslimen gegen moderate Muslime gehetzt werden. [Beifall bei der AfD] Stellen Sie sich mal vor, Ayşe ist Alevitin, und sie hat keine Lust, ständig von ihren Mitschülerinnen gedrängt und gemobbt zu werden. Das sind diese Menschen, die wir auch im Auge haben müssen in ihrer Stadt, und nicht nur Ihre freundlichen Diskussionspartner, die sich dann in der Türkei ein paar Wochen später still und heimlich wieder von den Erklärungen, die hier abgegeben wurden, in der türkischen Presse verabschieden. Das ist kein ernst zu nehmender Dialog! [Beifall bei der AfD]
