Reinhard Naumann
Verehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörende hier im Saal und draußen im Stream! Was wir mit diesem Antrag seitens der AfD-Fraktion erleben, ist – und der Beitrag, die Einbringung haben es ja deutlich gemacht – zum wiederholten Male nicht nur der Versuch, sondern die bittere Realität, pauschal, schwarz-weiß ein Bashing zu vollziehen gegen Menschen, die sich im Bereich der muslimischen Community engagieren. Ja, um es deutlich zu sagen, DITIB ist nicht unabhängig. Und ja, wir wissen, dass es in Ankara bei der dortigen Religionsbehörde natürlich Vorgaben, Bestrebungen und Ähnliches mehr gibt, hier auch bei uns in Deutschland, in Berlin Einfluss zu nehmen. Nur, wenn sich die AfD tatsächlich jenseits von pauschalen Behauptungen vor Ort in den Dialog begeben würde mit Menschen, die im Kiez leben, Musliminnen und Muslimen, die die Besucherinnen und Besucher von von DITIB getragenen Moscheen sind, dann wäre sehr schnell klar, dass nicht Schwarz-Weiß und Pauschalisierung angesagt sind, sondern dass Differenzierung geboten ist. Ich schließe an meine beiden geschätzten Vorrednerinnen an: Diese Differenzierung bedeutet Dialogbereitschaft. Und ich weiß sehr wohl, dass die pauschale Verurteilung „alle Musliminnen und Muslime sind Antisemiten“ falsch ist. [Beifall von Ülker Radziwill (SPD) – Rolf Wiedenhaupt (AfD): Das sagt doch niemand! – Marc Vallendar (AfD): Wo im Antrag steht das denn?] Es gilt insbesondere natürlich – und wir haben ja auch hier im Haus dieser Religionsgemeinschaft angehörige Kolleginnen und Kollegen –, dass eine solche Form von, in Gänsefüßchen, Sippenhaft sich verbietet. [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Sie spaltet und schürt Gegensätze, die so nicht bestehen. Wir brauchen nicht die AfD, um wachsam zu sein. [Zuruf von der AfD: Doch! – Zuruf von Ülker Radziwill (SPD)] Ich schließe an Kollegin Dr. Wein an: Wir schauen sehr wohl genau hin [Dr. Kristin Brinker (AfD): Offenbar ja nicht! – Zuruf von Rolf Wiedenhaupt (AfD)] und ermutigen jene Kräfte in der muslimischen Community – und sie brauchen unsere Unterstützung auf Augenhöhe –, die in nicht einfachen Situationen auch gegenhalten. Sie zu stärken, im Zweifelsfalle auch im Zusammenhang einer von DITIB getragenen Moscheegemeinde, ist doch das politische Gebot der Stunde. Eindeutig ist an dieser Stelle die Aufforderung an uns alle, diesen Dialog nicht nur hier im Haus zu benennen, sondern auch aktiv vor Ort zu leben. [Beifall von Ülker Radziwill (SPD) und Elif Eralp (LINKE)] Ich war vor Kurzem mit drei klugen Frauen und zwei sehr klugen Männern – die Frauen waren auch sehr klug, das wollte ich jetzt nicht gegeneinander ausgespielt haben! –, [Heiterkeit bei der LINKEN – Zuruf von Elke Breitenbach (LINKE)] also fünf wirklich tollen Frauen und Männern vom Forum Islam im Gespräch. Was wurde deutlich, jenseits von DITIB? – Es besteht teilweise Sprachlosigkeit. Diese Sprachlosigkeit müssen wir im Interesse des friedlichen Miteinanders überwinden. Dazu gehören auch Frauen und Männer in von DITIB getragenen Moscheen, die wir konstruktiv einbeziehen müssen in diesen Dialog auf Augenhöhe, im Interesse des Friedens in dieser Stadt. [Beifall bei der SPD und der CDU – Beifall von André Schulze (GRÜNE)]
