Dr. Ina Czyborra
Vielen Dank! – Zunächst einmal muss ich dem Irrtum entgegenwirken, dass wir nur 30 Hebammenstudienplätze in Berlin hätten. Im Augenblick haben wir 120 an der Charité und an der EHB. An der EHB sind sie nicht ausgelastet. Daran müssen wir noch arbeiten. Insofern haben wir auch nach dieser Kürzung einer Kohorte an der Charité immer noch 90 Studienplätze pro Jahr, die wir neu anbieten können. Wir haben vor einigen Jahren den Weg beschritten, viele Gesundheitsberufe zu akademisieren. Das sind die Hebammen, das sind auch Pflegeberufe. Es gibt darüber hinaus noch andere Gesundheitsberufe. Wir brauchen eine Ausdifferenzierung von den Gesundheitsberufen. Darum arbeiten wir zum Beispiel auch am Pflegekompetenzgesetz, um anderen Gesundheitsberufen mehr Kompetenzen zu übertragen, damit nicht alles an den Medizinerinnen und Medizinern hängenbleibt, die sich auf das konzentrieren sollen, was sie in ihrem langen, aufwändigen und teuren Medizinstudium gelernt haben, sodass wir andere Gesundheitsberufe hier stärker mit einbeziehen können, viele Tätigkeiten. Das gilt auch für die Hebammen. Leider ist bei der Akademisierung der Gesundheitsberufe vergessen worden, dass das Wissenschaftssystem dafür auch Geld braucht. Es ist mit den Gesetzgebungen der Akademisierung kein zusätzliches Geld in das System gekommen. Das gilt auch für die Hebammen. Wir haben das bisher trotzdem aus dem System heraus gestemmt. Was die Charité angeht, ist es so, dass wir erhebliche Kürzungen in der Fakultät der Charité haben, und wenn wir nicht radikal die Qualität absenken wollen, dann hat das zur Folge, dass wir natürlich auch bei den Studienplätzen etwas tun müssen. Wir haben uns in langen Debatten, in langen Verhandlungen, auch mit der Charité, auf einen Mix geeinigt, wo wir Studienplätze abbauen können, wo es vertretbar ist. Denn Berlin ist keine Insel, Gott sei Dank auch Teile Berlins nicht mehr. Es gibt auch in anderen Bundesländern einen erheblichen Aufbau an Studienplätzen. Unter anderem gründet das Land Brandenburg gerade eine medizinische Hochschule. Bislang haben wir in diesem Bereich für Brandenburg mit ausgebildet. Brandenburg hat sich entschlossen, die Medizinische Hochschule in Cottbus zu gründen, sodass wir auch dort einen deutlichen Aufbau von Studienplätzen für unseren Raum sehen. Darüber hinaus wollten wir uns auch für die Weiterentwicklung der Studiengänge etwas Luft in dem sehr angespannten System lassen. Sie wissen, dass wir seit geraumer Zeit auch darüber reden, dass wir dringend einen Masterstudiengang im Hebammenbereich brauchen. Den könnte die Charité hervorragend ausfüllen, weil es hier natürlich darum geht, auch eine Verzahnung zwischen Medizinerinnen- und Medizinerausbildung und der Hebammenausbildung zu haben, damit man dann später intensiv zusammenarbeitet, weil man das schon in der Ausbildung gemeinsam durchlaufen hat. Insofern haben wir jetzt tatsächlich diesen bitteren Schritt vereinbart, bei der Zahnmedizin zu streichen, bei den Medizinern 10 Prozent und bei den Hebammen eine Kohorte herauszunehmen. Es hat immer nur Sinn, eine Kohorte zu streichen. Deswegen kommt es zu dieser Zahl, damit wir den Spielraum haben. An der EHB müssen wir dafür sorgen, dass die Studienplatzplätze dort auch besetzt werden. Wie gesagt, Sie sagten, 70 schieden aus. Wir hätten also jedes Jahr auf jeden Fall immer noch 90 Studienplätze im Angebot. Erfreulicherweise läuft das sehr gut mit diesem neuen Studiengang. Erfreulicherweise konnten wir den Hebammenmangel, den wir in dieser Stadt schon hatten, deutlich reduzieren. Erfreulicherweise können wir in Berlin an unseren Hochschulen eine sehr hochwertige Hebammenausbildung anbieten. Wir reden darüber, welche Aufgaben Hebammen in Zukunft noch haben werden. Was wir uns auch angucken müssen, sind die bundesweiten Angebote von Studienplätzen und die bundesweiten Bedarfe.
