Antje Kapek
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! – Mit Verlaub, Herr Kraft, wenn Männer versuchen, Frauen zu erklären, was echte Sicherheit ist und was nicht, dann kann das nur nach hinten losgehen. [Beifall bei den GRÜNEN] Was maßen Sie sich denn an zu unterscheiden, ob gefühlte Sicherheit oder echte Sicherheit tatsächlich einen Unterschied für meine elfjährige Tochter macht oder für meine Schwiegermutter oder welche Frau auch immer zu mir kommt und sagt: Ab einer bestimmten Uhrzeit fahre ich nicht mehr U-Bahn – oder: Mama, ich traue mich nicht, U-Bahn zu fahren, weil ich schon wieder angetatscht worden bin? – Wir sprechen hier von Kindern, die teilweise erst elf Jahre alt sind. [Zurufe von der AfD] Herr Kraft, es macht eben doch einen realen Unterschied, selbst wenn es nur um gefühlte Sicherheit geht, weil ich angetatscht, weil ich angestarrt werde, weil ich mir ekelhafte Kommentare in jüngstem Alter oder als gestandene Frau anhören muss und ich mich deshalb entscheide, nicht mit der U-Bahn zu fahren. [Zurufe von der AfD] – Ihr Gequake wird an meinen Ausführungen nichts ändern, werte AfD. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Dann sagen Sie: Das bringt ja alles nichts. – Das sagen Sie immer. Es gibt ja quasi gar keine Stadt, die man mit Berlin vergleichen kann, trotzdem war der Sportausschuss gerade in Innsbruck, einer Stadt mit 130 000 Einwohnern, mit der wir uns verglichen haben in Bezug auf eine Olympiabewerbung. Insofern müssen Sie sich dann schon mal entscheiden, was man vergleichen kann. Ich finde schon, dass man unterscheiden muss, welche Städte man heranzieht, aber solange es Städte in Demokratien sind, in westlichen Staaten, in denen nachweislich die Einführung von Frauenabteilen funktioniert hat, wie beispielsweise in Tokio, muss man darüber reden. Denn genau dort gab es das Problem: zu viel Dichtestress, weil zu wenig Züge eingesetzt wurden, genau wie in Berlin, zu viel Betatschen, Upskirting und so weiter. Die Einführung von Frauenabteilen hat das Problem dort gelöst. Und jetzt erklären Sie mir bitte mal, was den Unterschied zwischen einer deutschen und einer japanischen Frau ausmacht. Ich glaube, beide haben es verdient, nicht angegrapscht und auch nicht in einer fahrenden U-Bahn vergewaltigt zu werden. Genau das, Herr Kraft, war der Anlass für diesen Antrag, dass es, wenn wir die Zahlen abfragen, bestimmt Vorfälle auf dem Weg zur Haltestelle gibt, aber die schlimmsten Fälle in fahrenden U-Bahnen und fahrenden S-Bahnen passieren. [Zuruf von Rolf Wiedenhaupt (AfD)] Wenn man sich die Sorgen machen muss, dass so etwas der eigenen Tochter oder der eigenen Mutter passiert, dann, finde ich, ändert es die Perspektive dazu, was echt ist und was nicht. Insofern: Sie können gern Maßnahmen vorschlagen. Da gibt es bessere Maßnahmen als Frauenabteile, da gebe ich Ihnen recht. Die kosten aber so viel Geld, dass Sie die niemals auf den Weg bringen. Wenn Sie uns das zusagen: mehr Personal, einen sicheren Fußwegeplan zur Haltestelle, sichere Bahnhöfe et cetera, können wir gern darüber reden. Dann ziehe ich den Antrag zurück. Da Sie das aber niemals realistisch tun werden, bitte ich Sie, vielleicht doch einmal hier die Perspektive der Mehrheit der Bevölkerung, nämlich der Frauen, einzunehmen. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN]
