parlament-berlin.de ↗

Tommy Tabor

AfD 26.06.2025 Sitzungen 19/68

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen! Der Antrag der Fraktion Die Linke verfolgt das Ziel, das Praxislernen an Schulen zu stärken, mit der Begründung, damit dem Schulversagen einzelner Schüler entgegenzuwirken und Schuldistanz zu verringern. Bereits in Ihrer Begründung wird deutlich, worin das eigentliche Problem liegt: Viele Schülerinnen und Schüler sind in den regulären Klassen nur schwer zu motivieren. Das sollte uns nicht wundern, denn wir haben in den vergangenen Jahrzehnten ein differenziertes, leistungsorientiertes Schulsystem weitgehend abgeschafft und durch ein mehr oder weniger Einheitssystem ersetzt, das mit den Herausforderungen individueller Lernvoraussetzungen zunehmend überfordert ist. Früher konnte man schneller und praxistauglicher agieren, heute gibt es schlechte Bildungsstandards und fehlende Ausbildungsreifen, wohin man schaut. Früher hatten wir mit Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Förderschulen ein System, das den unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen besser gerecht wurde: teilweise kleinere Klassen, spezialisierte Pädagogen, klare Leistungsanforderungen und Strukturen. Vieles davon wurde aus ideologischen Gründen aufgegeben. Ich weiß, Sie wollen das nicht hören, aber es ist leider so, es funktioniert ja nicht wirklich. [Beifall bei der AfD] Die Idee, alle Schüler gemeinsam zu unterrichten, ist zwar aus Ihrer Sicht nett gemeint, aber die Praxis zeigt, Lehrkräfte, Schüler und Eltern sind oftmals gleichermaßen überfordert. Sie müssen einfach mal akzeptieren, dass das die Realität in Berlin ist. [Marcel Hopp (SPD): Waren Sie mit auf Ausschussreise? – Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE): Waren Sie mit in Finnland?] – Finnland und Estland haben doch ganz andere Voraussetzungen. [Tobias Schulze (LINKE): Warum denn?] – Homogene kleine Klassen! Was haben wir denn in Berlin? Das ist doch etwas ganz anderes hier. [Zuruf von der AfD: Genau!] Wenn dann noch das Prinzip des Förderns nicht konsequent mit dem Prinzip des Forderns verbunden wird, sind negative Folgen unausweichlich: mehr Disziplinprobleme, steigende Schuldistanz, schlechte Allgemeinbildung, sprachliche Defizite, Frust und letztendlich weniger Schulabschlüsse. Die Diskussion um das Praxislernen ist daher ein Symptom tiefgreifender Probleme. All dem, was Frau Brychcy und Frau Burkert-Eulitz gesagt haben, kann ich nur zustimmen, aber es ist eine Symptombeschreibung, und es umfasst nicht die Ursache des ganzen Problems. [Beifall bei der AfD] Hätte es in den vergangenen Jahren eine verlässlichere Schulpolitik gegeben mit klaren Standards, mehr Verbindlichkeit und einer ehrlichen Leistungsorientierung, müssten wir heute nicht über diese Notlösung wie das Praxislernen diskutieren. [Zuruf von der AfD: Richtig!] Dazu kommt die angespannte Haushaltslage, und die ist ja wohl auch nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen Ausgabenpolitik ohne Prioritäten oder falscher Prioritäten. [Ülker Radziwill (SPD): Das stimmt überhaupt nicht! – Zuruf von der AfD: Richtig!] Es ist nun mal Realität, jeden Euro können wir nur einmal ausgeben, und wenn Sie Schulden aufnehmen, haben wir in den nächsten Haushaltsberatungen noch mehr Probleme, denn die Schulden müssen irgendwie finanziert werden, also zurückgezahlt werden, dementsprechend wird alles noch enger werden. Natürlich ist es bedauerlich, wenn Projekte wie das Praxislernen unter Kürzungen leiden, da bin ich ganz bei Ihnen. Aber die Ursachen liegen tiefer. Wer Haushaltsmittel gezielt und nachhaltig einsetzen will, muss auch bereit sein, andere Posten kritisch zu hinterfragen, und das habe ich heute zum Beispiel noch nicht gehört. Ich höre immer nur: Das dürfen wir nicht kürzen –, aber irgendwo müssen wir kürzen. Da gäbe es durchaus Einsparmöglichkeiten, wie zum Beispiel bei Maßnahmen, deren Nutzen in keinem Verhältnis zu den Kosten stehen; eine Umschichtung der Mittel etwa der knapp 900 000 Euro für das Berliner Register. Solche Vorschläge kommen aber überhaupt nicht. Das Berliner Register braucht kein Mensch, aber da darf natürlich nicht eingespart werden. [Zuruf von Ülker Radziwill (SPD)] Praxisnähe im Unterricht ist wichtig, aber sie beginnt nicht erst beim Praxislernen. Gut ausgestattete Schulwerkstätten, [Zuruf von Steffen Zillich (LINKE)] engagierte Fachlehrkräfte und frühzeitige Kooperation mit Betrieben sind ebenso entscheidend, und da wird einiges getan. Die IHK und die Handwerkskammer stehen hier vielfach als kompetente Partner bereit. Wenn wir jungen Menschen echte Perspektiven geben wollen, dann brauchen wir ein Schulsystem, das unterschiedliche Niveaus frühzeitig zulässt, Leistungen anerkennt und individuelle Wege fördert, jenseits kurzfristiger und falscher Symbolpolitik. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]

Alle Reden von Tommy Tabor Protokoll ↗