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Marianne Burkert-Eulitz

GRÜNE 26.06.2025 Sitzungen 19/68

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, der letzte Beitrag, dass die Schulen mal eben gucken können, wo sie das Geld zusammenkratzen, um so was zu finanzieren, das kann nicht vernünftige Politik in dieser Stadt sein. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Die Zuwendungsempfänger und Träger in dieser Stadt stehen unter enormem Druck. Das hat Frau Günther-Wünsch im Ausschuss öffentlich gesagt, es gibt keinerlei Geld mehr für sie. Damit setzt sie bewusst die freien Träger unter Druck und spielt mit deren Existenz politische Spielchen und damit mit der Zukunft von Kindern und Jugendlichen. Das ist wirklich absolut unmöglich. [Beifall bei den GRÜNEN] Jetzt geht es also auch dem Erfolgsmodell des Praxislernens an den Kragen, ein bewährtes und wirksames Programm, das Jugendlichen eine zweite Chance gibt, noch während ihrer Schulzeit den Weg zurück zu Motivation, Abschluss und beruflicher Perspektive zu finden. Die Senatorin kürzt das Programm um 1 000 Plätze trotz wachsender Nachfrage und hohem Bedarf. Das ist eine Katastrophe. [Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Zur Erinnerung: Das Praxislernen wurde 2007 eingeführt, mit dem Ziel, schulmüde oder schulverweigernde Jugendliche in der 9. und 10. Klasse wieder zurück für Bildung zu gewinnen. Drei Tage pro Woche arbeiten sie in Betrieben individuell begleitet von Mentorinnen und Mentoren, zwei Tage verbringen sie im Unterricht, eine Kombination von praktischer Erfahrung und schulischem Lernen. Das wollen wir zum Beispiel auch bei der Lehrkräfteausbildung, also ein Erfolgsmodell, und hier wird es für die Bedürftigsten abgeschafft. Die Bilanz: Über 80 Prozent erreichen ihren Abschluss. Viele gehen direkt in die Ausbildung. Die Abbruchquote liegt bei unter 1 Prozent. Das ist sehr gut. Andere Bundesländer haben sich ein Beispiel an Berlin genommen und dieses Programm ebenfalls erfolgreich für ihre Jugendlichen eingeführt. Und was macht die so beliebte Bildungssenatorin? – Während sie das Praxislernen, das präventiv dort ansetzt, wo Kinder noch nicht aus dem System gefallen sind, massiv kürzt, führt sie gleichzeitig das 11. Pflichtschuljahr ein, ein verpflichtendes Jahr für Jugendliche nach der 10. Klasse ohne Abschluss, aber dahin müssen sie erst mal kommen. Sollen wir jetzt warten, dass über 1 000 Jugendliche die Schule verweigern, um dann später ins 11. Pflichtschuljahr gehen zu müssen? Da kommt dieses Jahr erst mal zu spät. Sie erreichen die Jugendlichen erst, nachdem sie schon aus dem Schulsystem herausgefallen sind. Es ersetzt keinerlei präventive Arbeit. Es fängt nicht auf. Es reagiert nur. Statt ein funktionierendes System zu stärken, stürzen Sie Träger, Kinder, Jugendliche und ihre Familien ins Ungewisse. Jugendliche verlieren eine Perspektive, bevor eine neue greift. Die Top-drei-Bezirke der meisten Teilnehmenden sind Marzahn-Hellersdorf, Mitte und Neukölln, Bezirke, die für ihre zum Teil schwierige soziale Situation bekannt sind. Das Praxislernen ist strukturverändernd, weil es den Unterrichtsraum öffnet, Bildung individualisiert und Wirksamkeit schafft. Dafür brauchen wir verlässliche Strukturen und Planungssicherheit für Träger, Schulen, Betriebe und vor allem für unsere Jugendlichen. Wir unterstützen den Antrag der Linksfraktion und fordern eine Stärkung von Präventionsarbeit und funktionierenden Strukturen, nicht deren Schwächung. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN]

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