Lilia Usik
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Praxislerngruppen holen Jugendliche zurück, die häufig gerade dabei sind, innerlich zu kündigen. Für viele der Jugendlichen ist es auch eine wichtige Chance, auf ihrem schulischen und beruflichen Weg voranzukommen, auch eine Perspektive zu erhalten. Sie bekommen oft zum ersten Mal das Gefühl, ich kann was, ich werde auch gebraucht. Klar ist auch, dass Praxislerngruppen Geld kosten. Sie sind arbeitsintensiv und brauchen gute Koordination. Ja, die Notwendigkeit, hier Kürzungen vorzunehmen, schmerzt auch mich persönlich. [Zuruf von Franziska Brychcy (LINKE)] Deswegen freue ich mich sehr, dass die Senatsbildungsverwaltung entschieden hat, das gesamte zweite Halbjahr des Schuljahres 2024/25 voll zu finanzieren, trotz Spardruck, also Träger, Schulen, aber vor allem Schülerinnen und Schüler konnten damit ein gesichertes Platzangebot erhalten und alle beantragten Platzeinheiten beibehalten. [Beifall von Lars Bocian (CDU)] Das war keine Selbstverständlichkeit, das war eine bewusste Entscheidung für Verlässlichkeit und gegen Abbruch und Schließung der laufenden Angebote. Klar ist aber auch, dass diese vollständige Finanzierung dazu führte, dass wir die Notwendigkeit haben, eine Anpassung der Platzzahl für das erste Halbjahr des Schuljahres 2025/26 vorzunehmen. Die Senatsbildungsverwaltung ist dazu mit Trägern, regionalen Schulaufsichten und Schulen im Kontakt, vor allem um Kriterien für eine bedarfsgerechte Auswahl der Schulen einzuführen, um Alternativen bei betroffenen Schulen zu finden und um die Details mit regionalen Schulaufsichten abzustimmen. Auch wir als Parlamentarier stehen allen Betroffenen für mögliche Fragen gerne zur Verfügung und bleiben mit Ihnen im Kontakt. Trotz Reduktion der Platzeinheiten bin ich auch zuversichtlich, man kann das Angebot in allen Bezirken aufrechterhalten, um auch denjenigen zu helfen, die dringend Hilfe brauchen. [Vereinzelter Beifall bei der CDU] Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie, die Fraktion Die Linke, auch ein bisschen auf Angebote schauen, die wir aktuell haben, und nicht nur mit Ihrem Antrag verlangen, dass wir mehr Geld investieren, mehr Angebote machen, mehr weiterentwickeln, mehr aufrechterhalten, obwohl Sie genau wie wir wissen, dass wir einen extremen Spardruck haben. Was haben wir? – Wir haben gute Maßnahmen, die in der Praxis bei manchen Schulen bereits erfolgreich seit längerer Zeit umgesetzt werden. Diese umfassen zum Beispiel die Praxistage in Betrieben, in Werkstätten der Träger. [Franziska Brychcy (LINKE): Das ist nicht das Gleiche!] Es gibt auch Praxisgruppen in schuleigenen Werkstätten in den Schulen selbst, wenn die Infrastruktur da ist. Man kann auch Schulbudgets flexibler nutzen für externe Werkstätten bei freien Trägern. Ich möchte ausdrücklich sagen, die Träger, die Lehrkräfte, die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, die Betriebe, die Jugendlichen und all diejenigen, die die Praxislerngruppen mit Leben, Inhalt und Hoffnung füllen, leisten Herausragendes. [Beifall bei der CDU – Beifall von Alexander Freier-Winterwerb (SPD)] Für Jugendliche, die sonst oft durchs Raster fallen, schaffen die Praxislerngruppen Räume, in denen Motivation entsteht, wo sonst Resignation herrscht. Dafür gebührt Ihnen unser Dank und unsere Anerkennung. Mein Appell ist auch an Sie, dass wir, wo möglich, diese Angebote sichern, aber auch andere bestehende Angebote in Betracht ziehen, um trotz Spardruck die Jugendlichen, die Hilfe dringend brauchen, am besten zu unterstützen. – Vielen Dank! [Beifall bei der CDU – Beifall von Marcel Hopp (SPD)]
