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Franziska Brychcy

LINKE 26.06.2025 Sitzungen 19/68

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Durch das Praxislernen, eine Kooperation von einer Schule mit einem freien Träger, erreichen jährlich über 1 000 junge Menschen in Berlin, die schuldistant sind und deren Schulabschluss gefährdet ist, doch noch einen Schulabschluss und finden ihren Weg in eine berufliche Zukunft. Dass die Bildungsverwaltung an dieser Stelle 1,2 Millionen Euro streichen will, ist eine bildungspolitische Katastrophe. Dadurch fallen zum kommenden Schuljahr 1 000 von aktuell 2 257 Praxisplätzen weg – und damit auch die Chancen dieser Jugendlichen auf einen Abschluss und auf einen gelingenden Bildungsweg. Es sind die jungen Menschen in denjenigen Bezirken, die ohnehin mit großen Herausforderungen zu kämpfen haben, die am stärksten von den Kürzungen betroffen sind: in Marzahn-Hellersdorf, Mitte und Neukölln. An manchen Schulen fallen sogar 100 Prozent der Praxisplätze weg. Das ist besonders gravierend, weil dann Schülerinnen und Schüler im 9. Jahrgang im kommenden Schuljahr nicht wie geplant in der 10. Jahrgangsstufe das Lernen in ihrer Praxislerngruppe fortsetzen und einen Abschluss erreichen können. Schülerinnen und Schüler aus Willkommensklassen sollen zukünftig gar keine Praxisplätze mehr erhalten. Was ist das denn für eine Zweiklassengesellschaft und für eine Diskriminierung? Auch Willkommensschülerinnen und -schüler brauchen einen Schulabschluss. [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN] Und künftig sollen die Träger auch nur noch den Grundbetrag pro Platz erhalten, also diejenigen, die überhaupt noch Praxisplätze anbieten dürfen, und nicht mehr ergänzende Fördersätze für Miete und besondere Angebote, wodurch zum Beispiel die Werkschule Löwenherz in Neukölln akut von Verdrängung bedroht ist. 50 Praxisplätze müssten von jetzt auf gleich einfach wegfallen. An einer anderen Schule in Neukölln wären beispielsweise im kommenden Schuljahr 10, im darauffolgenden Schuljahr 15 Schülerinnen und Schüler ins Praxislernen gegangen, sie hätten am Ende alle einen Abschluss bekommen, und jetzt werden die Schülerinnen und Schüler die Schule voraussichtlich ohne Schulabschluss verlassen, weil sie die wichtige Begleitung nicht erhalten, und das ist zutiefst ungerecht und auch unverantwortlich, ausgerechnet an dieser Stelle zu sparen, denn ohne Schulabschluss sinkt auch die Chance auf eine Berufsausbildung massiv. Wenn die Bildungssenatorin öffentlich für weniger Schulabbrecherinnen und -abbrecher eintritt, dann aber die Plätze beim Praxislernen für junge Menschen mit besonderen Herausforderungen halbiert, passt das nicht recht zusammen und ist auch kurzsichtig. Gestern haben Sie, Frau Günther-Wünsch, beim Podium von „Schule muss anders“ – finde ich übrigens sehr gut, dass Sie auch da waren und die sehr vielen Fragen beantwortet haben – zugesagt, dass Sie sich die Kürzung beim Praxislernen noch mal ansehen werden, und das begrüße ich sehr, denn wirksame Programme empfindlich zu kürzen und zu halbieren, obwohl der Bedarf schon jetzt deutlich größer ist, als Plätze vorhanden sind, wäre eine verheerende Entscheidung. Deswegen fordern wir Sie mit unserem Antrag auf: Nehmen Sie diese fatale Kürzung auf dem Rücken der bedürftigsten Schülerinnen und Schüler, die ansonsten keinen Schulabschluss erhalten, sofort zurück, denn die Träger müssen auch planen, ob sie die Plätze im kommenden Schuljahr anbieten können oder eben nicht, damit die Jugendlichen, deren Abschluss gefährdet ist, weiter unterstützt werden, über das Praxislernen einen Schulabschluss erreichen und den Zugang in die berufliche Bildung finden! – Danke! [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE)]

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