Tommy Tabor
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen! Im Juni 2018 brachte die AfD-Fraktion einen Gesetzesantrag ein, um künftig Lehrkräfte mit nur einem Fach zu ermöglichen. Ganze sieben Jahre später kommt diese Forderung nun endlich ins Gesetz. Ich danke der Senatorin für diese Umsetzung unserer Idee. Warum war uns das wichtig und warum ist uns das immer noch wichtig? – Es ist uns wichtig, weil es unverständlich ist, dass jemand, der ein Mangelfach studiert hat, zum Beispiel Chemie, gezwungen wird, ein zweites Fach obendrauf zu setzen. Die bisherige Regelung hat viele potenzielle Quereinsteiger abgeschreckt, und das in einer Situation, in der Berlin nach wie vor dringend mehr Lehrer braucht. Doch statt endlich entschlossen zu handeln, sendet der Senat widersprüchliche Signale aus. Frau Brychcy hat es eben auch schon erwähnt: Während die Schulsenatorin den Lehrermangel ernst nimmt, drosselt die Wirtschaftssenatorin [Franziska Brychcy (LINKE): Wissenschaftssenatorin!] – Wissenschaft, Entschuldigung, genau, Wissenschaftssenatorin – die Ausbildungszahlen mit dem Verweis, es gebe künftig weniger Kinder. Der Lehrermangel ist jedoch längst da. Wir haben ihn, und wir müssen ihn jetzt lösen. Also lösen Sie bitte diesen Konflikt zugunsten unserer Schulen, Frau Senatorin! Das Thema Lehrkräftebildung war am Montag auch Gegenstand im Wissenschaftsausschuss. Die Multikohortenstudie – wurde ja heute auch schon vielfach erwähnt –, die dort thematisiert wurde, empfiehlt eine Entschlackung, Reduktion von Inhalten für das Lehramtsstudium. Stattdessen gibt es im Gesetz nun zusätzliche Inhalte. Diese neuen Festlegungen rauben zum einen die Flexibilität der Studiengestaltung, zum anderen entsprechen diese politisch festgelegten Studienziele auch nicht den artikulierten Wünschen von Lehramtsstudenten. Personen im Berufseinstieg äußerten laut erwähnter Studie zurückblickend, im Studium gern mehr über Unterrichtsplanung, Classroom-Management, Stressmanagement und digitale Medienbildung erfahren zu haben. Einiges davon kommt jetzt, einiges nicht so wirklich. Zudem hätten im Vorbereitungsdienst stärker Kompetenzen im Bereich Elternarbeit und Konflikt- und Stressmanagement vermittelt werden sollen. Stattdessen gibt es nun verpflichtend Seminare zu Diversity, queer und Gender sowie den Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. [Benedikt Lux (GRÜNE): Haben Sie sich schon angemeldet?] Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit taucht in Redundanz auf: in § 1 Absatz 3 und in § 6 Absatz 2. Mit diesen verquasten Formulierungen sollen Lehrer – aus unserer Sicht – zu Wachhunden gegen eine falsche oder vermeintlich falsche Gesinnung von Schülern abgerichtet werden. Dem werden wir so nicht zustimmen können. Der aus der Sozialwissenschaft entnommene Terminus gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit scheint mir auch nicht geeignet zu sein, ein juristischer Begriff zu werden. Dafür ist der Forschungsansatz von Heitmeyer wissenschaftlich viel zu sehr umstritten. [Zuruf von Benedikt Lux (GRÜNE)] Ich möchte dazu auf eine Rezension von Susanne Johansson verweisen, die gezeigt hat, dass die von Heitmeyer verwendeten Items zu vorschnell Feindseligkeiten unterstellen. Wer Mitleid mit Behinderten hat, ist für Heitmeyer auch schon ein Menschenfeind. Wer die Scharia ablehnt, ist für Heitmeyer ein Menschenfeind. Wer dagegen ist, das Wahlrecht bei Passieren der Grenze zu verlieren, ist nach Lesart Heitmeyer auch ein Menschenfeind. Wer Langzeitarbeitslosen eine bezahlte Tätigkeit wünscht, ist nach Heitmeyer ein Menschenfeind. Ein Lehrer sollte Kinder stärken, nicht in Opfer und Täter sortieren. Er sollte Konflikte begleiten können, ohne schon mit einem politischen Raster in der Tasche in die Klasse zu treten, und er braucht vor allem eins: Freiheit zur pädagogischen Gestaltung. Der Lehrer ist kein politischer Aktivist, sondern Anwalt der Schüler, Anwalt unserer Kultur. Wer das ernst nimmt, schützt Kinder vor ideologischen Zumutungen, von welcher Seite auch immer. Wir werden auf jeden Fall einen Änderungsantrag einbringen und freuen uns auf die Diskussion im Ausschuss. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD]
