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Franziska Brychcy

LINKE 26.06.2025 Sitzungen 19/68

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Angesichts des massiven Lehrkräftemangels ist es absolut zu begrüßen, dass im Lehrkräftebildungsgesetz jetzt zusätzliche Wege ins Lehramt auf Dauer geebnet werden. Der Quereinstiegsmaster in Berlin ist seit fast zehn Jahren bundesweit Vorreiter und ein Erfolgsmodell. Nun kommt er endlich als dauerhaftes Modell ins Lehrkräftebildungsgesetz. Dass der Ein-Fach-Q-Master in den Mangelfächern als zusätzlicher Weg in den Lehrkräfteberuf etabliert wird, ist ebenfalls ein Fortschritt, auch wenn dort wahrscheinlich kein großer Ansturm der Studierenden zu erwarten ist. Die neue Flexibilität, das Praxissemester entweder wie bisher kompakt im dritten Semester oder in Form eines sogenannten Flexmasters als gestrecktes und übrigens auch bezahltes Praxissemester über das gesamte Masterstudium hinweg zu absolvieren, fördert die Theorie-/Praxisverzahnung und auch die Vereinbarkeit von Studium und Beschäftigung an der Schule. Allerdings löst er nicht das Problem, das wir bei der Multikohortenstudie besprochen haben, dass bereits im Bachelor ein Drittel aller Studierenden an den Schulen arbeitet und im Schulalltag oft überfordert ist. Hier werden zusätzlich zum Mentoring auch Reflexionsmodule benötigt, damit die erlebte Schulpraxis im Lehramtsstudium reflektiert werden kann. [Beifall bei der LINKEN] Noch offen ist außerdem, wie die phasenübergreifende, fachspezifische und fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Unis und dem BLiQ konkret gestaltet wird. Klar ist, ohne Ressourcen wird die Zusammenarbeit nicht funktionieren. Das ist gerade das Spannende, Fortbildung unmittelbar basierend auf Forschungsergebnissen zu entwickeln. Toll ist, dass für das Grundschullehramt für die Fächer Musik beziehungsweise Kunst nun entweder Deutsch oder Mathe und das jeweils andere Fach nur noch als Lernbereich studiert werden muss, weil das die künstlerische Ausbildung stärkt und den Wettbewerbsnachteil behebt, den wir gegenüber anderen Hochschulstandorten hatten. Auch die Verankerung der digitalen Medienbildung als Querschnittsqualifikation ist überfällig. Da stimme ich Frau Khalatbari und Herrn Hopp zu. Jedoch aufgrund des Kahlschlags und des Einstellungsstopps an den Unis wird eine entsprechende Professur für digitale Bildung an der FU derzeit nicht besetzt. Wir können es schön ins Gesetz hineinschreiben, aber es bringt uns in der Praxis nichts, wenn wir keine Professur dafür haben. Das aktuell größte Risiko für die Lehramtsausbildung sind die massiven Kürzungen von insgesamt 145 Millionen Euro an den Hochschulen allein in diesem Jahr. Und auch die lang ersehnte Mathematikdidaktikprofessur an der FU wird nicht besetzt. Mentoringprogramme, Tutorien müssen gestrichen werden, und die ohnehin zu niedrig angesetzte Zielzahl von 2 500 Lehramtsabsolventen in den Hochschulverträgen soll nach der Wissenschaftssenatorin weiter abgesenkt werden auf 1 700 bis 2 200 Absolventinnen. Wenn dieser Kahlschlag so kommt, wird auch die mühsam aufgebaute Lehrkräftebildung über die letzten Jahre – wir haben das 10-Millionen-Euro-Programm, das läuft Ende des Jahres ersatzlos aus – einen heftigen Rückschlag erleiden, zumal im Vergleich zu den Sonderforschungsbereichen und Exzellenzclustern die Lehrkräftebildung sowieso oft das Nachsehen hat. Insofern ist das Lehrkräftebildungsgesetz nur so viel wert, wie es auch finanziell untersetzt ist. Die aktuell geltenden Hochschulverträge müssen eingehalten werden. [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Werner Graf (GRÜNE)] Da gebe ich Ihnen recht, Frau Khalatbari. Sie haben es gesagt. Auf eine qualitativ hochwertige, bedarfsgerechte Lehrkräfteausbildung dürfen wir nicht verzichten. Aber dann erwarte ich auch von diesem Senat und auch von dieser Koalition, dass er gegen die Kürzungen an den Hochschulen kämpft, anstatt die Unis kaputt zu sparen, weil bis 2030 bundesweit über 110 000 Lehrkräfte fehlen. Auch bei uns im Land Berlin ist es eine hohe Anzahl von Lehrkräften, die fehlt. Und dass wir zu viele Lehrkräfte ausbilden könnten, wie Frau Dr. Czyborra auch immer befürchtet, ist wirklich nicht unser Problem. – Danke! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

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