Katrin Seidel
Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Präsident! Die Kolleginnen und Kollegen, Vorrednerinnen und Vorredner haben es schon gesagt: Das Thema ist ein bisschen zu komplex, als dass man einfach einen einzigen kleinen Maßnahmenkatalog erfüllen müsste, um es zu lösen. Das Problem ist auch nicht neu. Für diejenigen, die nicht genau wissen, worum es hier eigentlich geht, will ich noch einmal sagen, was es ist: Bei der Kindertagespflege handelt es sich um ein kleines, aber feines Segment in der frühkindlichen Förderung hier im Land Berlin. 2,8 Prozent der 0- bis 7-jährigen ‒ das sind etwas über 4 000 Kinder ‒ werden in Tagespflegestellen betreut, gegenüber 97,2 Prozent ‒ also circa 200 000 Kindern ‒ in den Kitas. Deshalb ist es tatsächlich so, dass die Kindertagespflege in den Debatten öfter mal hinten herunterfällt gegenüber dem Riesentanker Kita. Sie wird oft nicht mitgedacht, und das läuft bei mir auch unter Wertschätzung. ‒ Da gucke ich mal in Richtung der Senatorin: Ich gebe zu, da hat sich in den letzten Jahren tatsächlich einiges getan, nicht nur unter Ihrer Koalition. Es ist auch lange vorbereitet gewesen, auch von anderen. Es bewegt sich aber etwas. Auch deshalb ist es wichtig, dass die Kindertagespflege in diesem Haus thematisiert wird. Allerdings braucht es dafür keinen AfD-Antrag. [Beifall von Dr. Maja Lasić (SPD)] Gucken Sie mal ins PARDOK. Es ist auch schon gesagt worden, dass sich einiges bewegt. Diesen Antrag braucht es sowieso nicht. Er kommt ziemlich progressiv daher, ist aber etwas aus der Zeit gefallen. Ich möchte noch einmal auf einen anderen Aspekt eingehen, den der Kollege Freier-Winterwerb schon angedeutet hat: Die aktuelle Bevölkerungsentwicklung hat andere, neue Herausforderungen gebracht, die nun im Vordergrund stehen. Wir haben es mit einem erheblichen Geburtenrückgang zu tun. Der Geburtsjahrgang 2023 liegt um circa 13 Prozent unter dem von 2021, und mittelfristig ist mit circa 10 Prozent weniger Kindern im Vorschulalter zu rechnen. In Kürze werden zum Versorgungsgrad in Kita und Tagespflege zwei Schriftliche Anfragen von mir veröffentlicht; da können Sie die Zahlen noch einmal gut nachlesen. Aber auch so zeigen alle Statistiken, dass es im Jahr 2022 einen großen Umschwung bei der Entwicklung der Kinderzahlen gegeben hat. Das heißt natürlich, dass auch die Vertragszahlen in Kitas rückläufig sind, und entsprechend auch in der Kindertagespflege, und das heißt, wir haben vielerorts freie Plätze. Das hat natürlich positive Auswirkungen auf das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern und auf die Betreuungsquote. Wir brauchen inzwischen nicht generell mehr Angebote, sondern einen echten Bestandsschutz für Fachkräfte und Räume und eine Weiterentwicklung der Konzepte, um zu schützen, was da ist. Die demografische Entwicklung bietet gerade jetzt eine Chance, die genutzt werden sollte, um die Qualität der frühkindlichen Bildung nachhaltiger zu gestalten. Jetzt, wo nicht mehr auf Teufel komm raus Plätze geschaffen werden müssen. [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN] In den Fachgremien wird bereits intensiv diskutiert, wie das am besten gelingen kann. Das sollten wir im Ausschuss auch tun, denn jede Chance birgt auch ein Risiko. Ich will nur eins nennen: Für mich ist seit heute riskant bis fahrlässig, dass der Regierende Bürgermeister scheinbar die Vorschule einführen will, wie er heute Morgen verkündet hat. Das ist ja immer so ein Wiedergänger bei der CDU. Ich vermute, das wird auch diesmal nicht passieren, denn das System der Berliner Vielfalt aus Kita, Kindertagespflege, Elterninitiativen und Kinderläden hat sich bewährt und ist widerstandsfähig, und wir werden an Ihrer Seite stehen. – Vielen Dank! [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Marianne Burkert-Eulitz (GRÜNE) und June Tomiak (GRÜNE)]
