Dr. Matthias Kollatz
Frau Präsidentin! Die Latte hängt zu hoch, das ist nicht zu toppen. – Herzlichen Glückwunsch, Frau Kapek! – Also ich komme jetzt hier in der Prosa. Das ist ein erstaunlicher Antrag. Zu erwarten wäre: Die Information der BVG muss besser werden. Das haben wir auch gerade bei Frau Kapek noch einmal gehört. Was kommt aber von der AfD? – Die BVG soll zu X zurückkehren [Zuruf von der AfD: Genau!] und dort für mehr Werbeeinnahmen sorgen. Warum sie das macht, wird sich gleich aufklären. Die Informationen der BVG, aber auch der S-Bahn können und müssen verbessert werden. Moderne Systeme sind meist App-basiert. Es gibt übrigens eine Reihe von Berliner Unternehmen, die in der Entwicklung davon ganz gut sind. Die dort vorhandenen Verbindungsinformationen werden zurzeit vielfach händisch in Systeme an BVG-Bahnhöfen oder auch in S-Bahnen übertragen. Manchmal verwenden Systeme auch einige aktuelle Informationen, verknüpfen sie aber mit Fahrplänen. Das passt dann nicht immer zusammen. Wenn es schlecht läuft, und das tut es ja manchmal, wird angezeigt, dass ein Zug oder Bus kommen soll, und es blinkt, und nach einigen Minuten wird dann bei Nichterscheinen der nächste Zug oder Bus angezeigt. Dabei bleiben die Fahrgäste oder eigentlich Möchtegernfahrgäste ratlos zurück und erfahren manchmal einfach nichts. Im kürzlich vorgestellten Konzept der BVG wird das Thema adressiert. Störmeldungen und Umsteigeverbindungen werden nunmehr in Bussen angezeigt. Das haben sie schon geschafft. Die AfD hat es aber nicht zur Kenntnis genommen. 2025 soll das dann auch bei U-Bahnen und Straßenbahnen zur Verfügung stehen. Das nennt man dann Echtzeit. Digitale Fahrpläne werden mehr und mehr meist auf Knopfdruck, also relativ einfach, an Haltestellen zur Verfügung stehen. An meiner Bushaltestelle – der örtlichen, an der ich gelegentlich einsteige – ist das bereits der Fall. Aber das wird in den nächsten Monaten und Jahren Allgemeingut werden. Eine App für alle, Ansagen an Bahnhöfen und vermehrte Informationen über Störungen gegen die Ratlosigkeit runden das Bild ab. Es geht also im Kern für die meisten Kundinnen und Kunden bei der BVG um Informationen, die sie vor Ort brauchen und auch am besten vor Ort erhalten, und weniger um das, was sie online sehen können. Die Vor-Ort-Information muss verbessert werden. Es hätte also der AfD gut angestanden, ihren Antrag zurückzuziehen oder zu sagen: Weil es dieses Konzept gibt, lasst uns doch dafür werben, dass die S-Bahn ähnlich vorgeht wie die BVG. Aber warum kommt jetzt in drei Teufels Namen hier heute der Antrag, dass die BVG der Plattform X beitreten soll, anstatt das umzusetzen? – Sie hat ja gesagt, dass sie das umsetzen will. – Warum eigentlich? – Es könnte ja sein, dass man ein bisschen verpflichtet ist. Laut rbb24 entdeckte die Rostocker Sicherheitsfirma Somtxt im Vorfeld der Landtagswahl – das konnte man nachlesen – in Brandenburg ein Pro-AfD-Netzwerk von 2 500 offenbar automatisiert angelegten X-Accounts, die die Reichweite von Mitgliedern der AfD wohl erhöhen sollten. [Anne Helm (LINKE): Ach was!] Die Analysten vermuteten demnach russische Akteure dahinter. X lässt diese Aktivitäten der AfD-Förderung zu – übrigens nur X. Und der Eigner von X treibt sie auch selbst voran. Die Werbeeinnahmen von X drohen aber wegzubrechen, weil Anbieter wie die BVG und Nutzer wie Sie oder ich nicht mehr bei X unterwegs sind.
