Christoph Wapler
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Koalition! Noch ein paar Anmerkungen zu Ihrem wunderbaren Thema „100 Jahre IFA – eine Erfolgsgeschichte für Berlin“, das Sie allein deshalb durchgedrückt haben, damit Sie hier nicht über Ihre verkorkste Ausschreibung beim Schulessen reden müssen; aber Sie werden nicht darum herumkommen. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Ganz abgesehen von der Ironie, die letzten 100 Jahre zum Thema einer Aktuellen Stunde zu machen, servieren Sie uns die IFA hier auch noch im zweiten Aufguss, denn genau das war auch Ihre Frage im Wirtschaftsausschuss am Montag, [Zuruf von der CDU: Ah!] sowieso eine der üblichen bestellten Fragen an die Senatorin. [Zuruf von Katina Schubert (LINKE)] Um es klar zu sagen: Die Farce, die die Koalition hier aufführt, wird der Bedeutung des Themas nicht gerecht. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Dem Kollegen Stroedter sind nicht mehr als drei bis vier Minuten zu seinem ach so wichtigen Thema eingefallen. [Beifall von Dr. Bahar Haghanipour (GRÜNE)] Wir haben die Messe, wir haben die Bedeutung der IFA öfter debattiert, und zwar durchaus mit Sorge. Frau Bozkurt hat es angesprochen. Die Entwicklung rund um die IFA war nicht immer nur eine Erfolgsgeschichte und auch nicht immer nur erbaulich. Im Wirtschaftsausschuss hat Herr Tobias, der Messechef, ziemlich deutlich gemacht, dass er da nur Gastgeber ist. Die Frage ist, ob die IFA auch ihre kommenden Jubiläen in Berlin feiert, und das bleibt eine Herausforderung, und zwar auch für die Senatorin. Der Geschäftsführer der IFA, Herr Lindner, klingt da schon etwas verhaltener. Die IFA braucht ein neues Image, sagt er, und er vermisst auch den roten Teppich, den Berlin ihm eigentlich ausrollen müsste, und vor allem Fördermittel. Vielleicht hören wir von der Senatorin auch etwas über die nächsten 100 Jahre IFA. Berlin steht im Wettbewerb mit anderen Städten, die massiv investieren, um große Messen anzuwerben. Wollen wir da mitmachen? Können wir da mitmachen, gerade wenn das Geld alle ist? Denn Herr Stroedter hat es gesagt: Bloße Vermieterin soll die Messe nicht werden. – Die Frage ist natürlich nach der Zukunft solcher großen Messeveranstaltungen. Die Welt nach Corona ist nicht mehr dieselbe wie davor. Wie sieht die Zukunft der großen Leitmessen wie der IFA aus? Welche neuen Messegeschäfte, gerade im Innovations- und Technologiebereich, sollen dazukommen? – Das sind die Herausforderungen, denen sich Berlin stellen muss, nicht der Rückblick auf 100 Jahre Messegeschichte. Nicht zuletzt, liebe Koalition: Verschonen Sie bitte die Messe und uns mit weiteren Gespensterdebatten über einen Abverkauf des Messegeländes, wie sie einige in Ihrer Koalition leider immer wieder anzetteln. – Frau Senatorin! Heute wäre mal eine gute Gelegenheit für ein klares Bekenntnis zum Messestandort unter dem Funkturm. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Es ist gut, dass wir die Messe in der Stadt haben, und es ist gut, dass Berlin dieses einzigartige Messegelände in der City West hat. Das hat auch die diesjährige IFA wieder gezeigt. Über die Messe und die IFA werden wir weiter diskutieren, aber bitte nicht, um unangenehmen Themen auszuweichen! Das wird der Sache nicht gerecht. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
