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Katrin Seidel

LINKE 04.07.2024 Sitzungen 19/51

Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Präsidentin! – Ich freue mich auch schon auf die Beratungen im Ausschuss, denn es hört sich so an, als wenn wir uns in der Sache alle ziemlich einig sind – bisher jedenfalls. Wir haben schon gehört, dass ungefähr 1,3 Millionen Menschen in Deutschland glücksspielsüchtig sind, darunter ein beträchtlicher Anteil nach Sportwetten. Experten gehen davon aus, dass es gerade im Bereich der stoffungebundenen Süchte eine hohe Dunkelziffer gibt, da die Ausmaße und Folgen dieser Sucht oft erst zu einem sehr späten Zeitpunkt offenbar werden – die Kollegin Schedlich hat das auch schon beschrieben –, etwa wenn eine Verschuldung existenzbedrohend für die ganze Familie ist oder Geldbeschaffungskriminalität auffliegt. Kinder und Jugendliche, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, sind besonders gefährdet, selbst in die Suchtfalle zu tappen. Auch ihre Zahl ist kaum erfasst. Sport, Sportevents sollen Spaß machen, spannend sein, Menschen und Nationalitäten zusammenbringen, so wie wir es gerade bei der EURO 2024 erleben. Doch Sport ist eben auch hochkommerziell und begehrt als Werbeträger. Deshalb drängen auch immer mehr Sportwettenanbieter auf den Markt. Sie gehören zu den garantierten Gewinnern und arbeiten eben mit ihren marktüblichen Methoden. So wirbt beispielsweise die Firma Interwetten mit dem Slogan „Du hast das Wissen. Wir die Wetten.“ und suggeriert damit, dass die Unberechenbarkeit des Glücksspiels mit Wissen ausgeschaltet werden kann und dass leichtes Geld zu verdienen ist. Besonders junge Menschen aus ärmeren Verhältnissen spricht so etwas an. Mit der Firma Betano gibt es nun erstmals in einer UEFA EURO einen Sportwettenanbieter als Sponsor. Der Suchtexperte Christian Krieg meinte hierzu, dass die UEFA EURO 2024 durch den Sponsor Betano Sportwetten salonfähig macht und zulässt, dass insbesondere die Zielgruppe junger Menschen vom Glücksspiel gelockt wird. Kollateralschäden wie Suchtgefahren würden ausgeblendet oder bagatellisiert. Es gibt keine öffentliche geförderte Kampagne zur Prävention von Glücksspielsucht. Ein entsprechender Appell des Bundesdrogenbeauftragten blieb ungehört. Von der Bundesebene ist hier also nichts zu erwarten. Die Zahl spielsüchtiger Jugendlicher steigt. Gerade Fußballwetten zu Europa- und Weltmeisterschaften sind für Jugendliche besonders attraktiv. Wir meinen, es ist wenig hilfreich und vor allem unnötig, sie noch vermehrt insbesondere im Stadtbild mit entsprechender Werbung zu konfrontieren. Das gehört verboten. Es gibt auch so genug Anreize und Trigger. Allein die Werbung innerhalb der Sportstätten und in den vielfältigen Medien ist schon überbordend. Natürlich werden auch in Berlin auf den Fanmeilen und auf dem Gelände vor dem Reichstag Werbefilme gezeigt mit dem Hauptsponsor Betano. Wie soll verhindert werden, dass junge Menschen unter 18 Jahren von dieser Werbung erreicht werden? – In einer Schriftlichen Anfrage der Kollegin Schedlich antwortete der Senat, dass der Anbieter versichert, dass Pflichthinweise wie „Altersfreigabe ab 18 Jahre“ oder „Glücksspiel ab 18+“ eingeblendet werden, was den meisten Jugendlichen einigermaßen egal sein dürfte und weiter, dass Promo-Teams Minderjährige nicht ansprechen dürften und dass keine Angebote an Minderjährige ausgehändigt würden. Ich sage dazu: Das ist ja wohl das Mindeste, und es reicht aber natürlich hinten und vorne als Maßnahme nicht. Im Land Berlin gibt es senatsgeförderte Träger – das ist auch schon ausgeführt worden –, wie beispielsweise die Fachstelle für Suchtprävention oder auch den auf Suchtprävention im Sportbereich spezialisierten Verein pad e.V., der mit sehr guten Projekten und Kampagnen arbeitet, wie zum Beispiel mit dieser: „Glücksspiel macht reich! Aber nicht dich!“ Auch das ist gut, reicht aber nicht. Auch würde wohl ein Konzept mit der Ausarbeitung von Präventionsmaßnahmen anlässlich der EURO 2024 erarbeitet, hieß es im Mai. Passiert ist jedoch nichts. Nun ist in anderthalb Wochen die EM vorbei, und wir haben keinerlei Maßnahmen vonseiten des Senats Berlin ergriffen gesehen. Kinder und Jugendliche vor einer Spielsuchtkarriere zu schützen und sie frühzeitig aufzuklären, ist unsere Aufgabe. Die Wettanbieter werden das nicht tun. Liebe Frau Usik, Gesetze allein reichen eben nicht. Wir müssen darüber hinaus denken. Tun wir das doch gemeinsam im Ausschuss. – Herzlichen Dank! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

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