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Klara Schedlich

GRÜNE 04.07.2024 Sitzungen 19/51

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, Kollegen und Gäste! Wetten, nachdem wir uns jetzt mit diesem Thema auseinandersetzen, sind Sie auch alle gegen Sportwettenwerbung? Wetten, Sie kannten folgende schockierende Fakten noch nicht? Bundesweit sind 1,3 Millionen Menschen von Sportwettsucht betroffen. In Berlin sind 30 000 Menschen spielsüchtig. Allein in unserer Stadt gibt es 270 Wettbüros. Und was läuft sonst so? Die Männer-Fußball-EM läuft und macht Werbung für Sportwetten. Zum ersten Mal ist mit Betano ein Sportwettenanbieter offizieller Sponsor der UEFA. Wetten, auf den Bildschirmen der Fanmeilen, im Stadion, in den Liveübertragungen und auf Plakaten sehen wir, wie die Anbieter versuchen, Sportwetten in die Mitte der Gesellschaft zu tragen? Aber Wettsucht ist eine ernstzunehmende Krankheit. Wer daran vor allem verdienen will, verdient keine politische Unterstützung und keine gesellschaftliche Akzeptanz. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Vielen Sportbegeisterten wird vorgemacht, dass sie mit ihrem Fachwissen große Gewinne machen können. Die Wissenschaft zeigt, dass es anders ist. Bei Sportwetten handelt es sich um reines Glücksspiel. Kein Expertenwissen der Welt kann das ändern. Die Sucht gehört bei Sportwettenanbietern zum Geschäftsmodell. Die Krankheit ist hier also wirtschaftliches Kalkül. Statt sich an Sportwetten zu beteiligen, kann man sein Geld auch gleich aus dem Fenster rauswerfen. Wir dürfen es nicht zulassen, wenn Wettanbieter, die UEFA und Teile des Profisports wissentlich in Kauf nehmen, dass noch mehr Menschen in die Wettsucht abrutschen. Wenn der Staat es schon zulässt, dass die Menschen während der EM so stark dieser Werbung ausgesetzt sind, müssen wir wenigstens zu ihrem Schutz tätig werden. Es ist dringend notwendig, mit klar erkennbaren Warnhinweisen über die Risiken von Sportwetten zu informieren. Das Land Berlin sollte endlich in einer öffentlichen Kampagne über die Folgen und Risiken von Glücksspiel aufklären. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Anne Helm (LINKE) und Tobias Schulze (LINKE)] Eine Sucht wird häufig erst erkannt, wenn es schon fast zu spät ist. Darunter leidet nicht nur die spielsüchtige Person selbst, sondern auch das gesamte Umfeld, denn wenn die Miete, die Telefonrechnung oder der Wocheneinkauf nicht bezahlt werden können, kann das gesamte soziale Umfeld daran zerbrechen. Es braucht leider dringend mehr Prävention und eine starke Suchthilfe, auch direkt in den Sportvereinen. Der Weg aus der Abhängigkeit ist ein langer und harter Weg, und die Rückfallquote ist ungefähr so hoch wie bei Alkoholsucht. Dass man Sportwetten reguliert, ist eine gesundheitspolitische, aber vor allen Dingen auch eine soziale Frage. Was da passiert, ist Umverteilung von unten nach oben. Menschen in Armut hoffen, ihr Schicksal durch Glücksspiel drehen zu können und verlieren am Ende alles. Nur die Konzerne profitieren. Tatsächlich spricht sich schon jetzt eine große Mehrheit, nämlich circa 70 Prozent der Fans, ebenfalls gegen diese gefährliche Werbung aus. Es gibt also längst Rückhalt für dieses Vorhaben und so viele Sportbegeisterte, die hier lange von der Politik ignoriert worden sind. Lassen Sie uns das ändern und endlich tätig werden für die Opfer von Spielsucht, für mehr Prävention, für die Fans und für den Sport! Ich sage: Weder auf Werbebannern noch auf Trikots oder sonst irgendwo in Stadien und in unserer Stadt hat Werbung für Sportwetten etwas zu suchen. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Hendrikje Klein (LINKE)] Offiziell darf sich diese Werbung nicht an Kinder und Jugendliche richten. Doch ich frage Sie: Was passiert denn, wenn Jugendliche ihren Lieblingsspieler auf großer Leinwand sehen? – Natürlich spricht sie das an. Die entsprechende Regelung im Glücksspielstaatsvertrag ist scheinheilig, weil sie es ganz offensichtlich nicht schafft, tatsächlich zu regulieren. Natürlich dürfen Minderjährige nicht in Wettbüros – theoretisch. In der Realität, das zeigen auch die empirischen Zahlen, funktioniert das nicht. Jeder vierte Jugendliche – jeder vierte Jugendliche! – unter 18 Jahren hat im letzten Jahr an Glücksspiel teilgenommen, obwohl es gesetzlich verboten ist. Berlin muss sich in den Verhandlungen um den Glücksspielstaatsvertrag auf Bundesebene klar positionieren und dort mit starker Stimme für den Schutz der Menschen und vor allem der Minderjährigen einstehen. Wir wollen, dass alle bei Events wie der EM Spaß haben können und niemand aus Angst, seine Kinder den Gefahren der Glücksspielsucht auszusetzen, oder aufgrund vergangener oder akuter Suchterkrankungen nicht ins Stadion oder auf die Fanmeile kann. Schließen Sie sich dafür unserem Anliegen an, wie es auch schon der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen und Senatorin Badenberg, getan haben! Wetten, wir können für alle potenziell und tatsächlich Betroffenen richtig was verbessern? – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Anne Helm (LINKE) und Hendrikje Klein (LINKE)]

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