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Tobias Schulze

LINKE 06.06.2024 Sitzungen 19/49

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich müsste meine Kollegin Ines Schmidt an dieser Stelle stehen. Sie ist leider erkrankt. Ich wünsche ihr von dem Pult hier aus, ich hoffe, im Namen des ganzen Hauses, gute Besserung. [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der AfD] Und das ist auch schon das Thema: Die Medizin war lange viel zu männlich dominiert. Viele medizinische Forschungseinrichtungen sind es bis heute. Krankheiten, die vor allem Frauen betreffen, sind deutlich unterbeleuchtet. Dazu gehört auch die Endometriose, das haben wir gerade schon von den Kolleginnen und Kollegen gehört. Viele Frauen, die mit starken Regelschmerzen zu Ärztinnen und Ärzten kommen, hören von diesen, sie sollen sich nicht so haben, das ist normal, das gehört dazu. Wir wissen seit der Anhörung, wir wissen seit dem Öffentlichmachen auch von Selbsthilfegruppen, dass es eben nicht normal ist und dass es eben nicht dazugehört, sondern dass es sich bei der Endometriose um eine ernstzunehmende, um die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung in Deutschland handelt. Aber selbst unter Frauen ist diese weitgehend unbekannt. Bis zu einer Diagnose vergehen in Deutschland laut Robert-Koch-Institut zwischen sechs und zehn Jahren. Das sind sechs bis zehn Jahre, in denen diese Frauen leiden. Wer es nicht weiß – ich will noch mal kurz erklären, was Endometriose eigentlich ist: Es ist eine gutartige, aber doch sehr schmerzhafte Einlagerung von Gebärmutterschleimhaut in anderen Körperteilen. Diese verursacht dann Blutungen, die nicht abschwellen können und deswegen starke Schmerzen mit sich bringen, die dann zyklusbedingt auftreten. Dadurch können auch immer wieder Zysten und Entzündungen entstehen, und viele Betroffene tragen das ihr ganzes Leben mit sich herum. Obwohl 10 bis 15 Prozent aller Frauen zwischen der ersten Menstruation und den Wechseljahren von einer Endometriose betroffen sind, gibt es fast keine Forschung dazu – das hat auch die Kollegin König gerade schon gesagt –; ein absurder Zustand. Womit hat das zu tun? – Zum einen mit der männlich dominierten Medizin, die wir in unserem Land haben, zum anderen aber auch damit, dass die Industrie überhaupt kein Interesse daran hat, dieses Krankheitsbild zu erforschen, weil es sich medikamentös oder therapeutisch nicht rechnet. Ich will auch noch mal explizit Maren Jasper-Winter an dieser Stelle danken, die das Thema als Erste hier in diesem Haus aufgebracht hat und leider nicht mehr in diesem Haus vertreten ist. [Vereinzelter Beifall bei der LINKEN – Beifall von Bettina König (SPD) und Catrin Wahlen (GRÜNE)] Das war eine großartige Initiative. Wir als Rot-Rot-Grün haben diese Initiative dann in der neuen Legislaturperiode aufgegriffen, haben den Antrag von Maren Jasper-Winter weiterentwickelt und nicht mehr ins Verfahren vor der Wiederholungswahl bekommen. Die Koalition bringt jetzt leider fast wortgleich denselben Antrag mit zwei Ergänzungen ein und hat den Antrag von Linken und Grünen abgelehnt. Das finde ich ein bisschen schade, ehrlich gesagt. Ich dachte, wir hätten es auch hinbekommen, das gemeinsam zu machen. Wie dem auch sei: Wir stimmen beiden Anträgen zu. Wir wollen das Thema gemeinsam voranbringen. Wir brauchen dringend mehr Kapazitäten für die Behandlung von von Endometriose Betroffenen. Wir sind nach wie vor unterausgestattet. Wir brauchen mehr Forschungsmittel, wir brauchen auch mehr Forschungsdaten über Endometriose. All dies steht in den beiden Anträgen drin. Insofern kann ich nur an alle appellieren, dem zuzustimmen, und vor allem an den Senat, dieses Thema endlich voranzubringen. – Danke schön! [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

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