Catherina Pieroth-Manelli
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag stammt, wie Bettina König eben richtig gesagt hat, noch aus der letzten Koalition. Danke hier vor allem auch an meine Kollegin Bahar Haghanipour, die eine starke grüne Stimme war und das Thema vorangebracht hat! – Für die zwei Ergänzungen hätten Sie also lediglich einen Änderungsantrag einreichen können, liebe Koalition. Trotzdem freuen wir uns sehr, dass Sie unser Antrag so inspiriert hat. Schließlich wollen wir gemeinsam, also alle demokratisch handelnden Fraktionen, Tür und Tor öffnen, damit einer der vielleicht bedeutendsten Anträge zur Frauengesundheit in dieser Wahlperiode endlich umgesetzt wird. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Fünf Minuten, so lange hat eine niedergelassene Ärztin gemäß Vergütungspauschale für eine potenzielle Endometriosepatientin Zeit. Wir sind uns sicher einig, für eine hochkomplexe Erkrankung wie Endometriose ist das nicht genug. Das gilt zwar für so ziemlich alle Erkrankungen, aber bei einem Krankheitsbild, bei dem es aktuell sechs bis acht Jahre bis zur Diagnose dauert, erst recht. Wir haben bereits vor einiger Zeit im Gesundheitsausschuss ausführlich über die Versorgungssituation von Endometriosepatientinnen in Berlin gesprochen. Frau Dr. Mechsner vom Endometriosezentrum der Charité hat dort eindrücklich die Ist-Situation in unserer Stadt geschildert. Auf den ersten Blick erscheint diese gar nicht so schlecht, auf den zweiten wird jedoch deutlich, dass es bisher kaum niedergelassene Ärztinnen und Ärzte gibt, die sich auf Endometriose spezialisiert haben. Sie bekommen 47 Euro Vergütung pro Patientin. Das sind umgerechnet genau die fünf Minuten Zeit pro Patientin, die ich genannt habe. Endometriosezentren an den Krankenhäusern existieren zwar, aber laut Dr. Mechsner können Patientinnen Behandlungsoptionen jenseits von Operationen dort nicht erwarten. Selbst die Charité mit ihrem Endometriosezentrum kann zwar multimodale Therapien anbieten, allerdings laufen Patientinnen hier von der Psychologin zum Schmerztherapeuten, zur Psychotherapeutin, zum Ernährungsberater, anstatt von einem multiprofessionellen Team begleitet werden zu können. Das Gute ist, wir haben die Ressourcen in Berlin und könnten das schnell ändern, wenn wir nur den Rahmen anpassen würden. Die erste Anlaufstelle für Patientinnen, also die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, müssen für das Krankheitsbild sensibilisiert werden. Dafür brauchen wir ärztliche Weiterbildung, Datenerhebungen sowie Grundlagen- und Versorgungsforschung. [Beifall bei den GRÜNEN] Wir brauchen regelmäßige Vernetzungsmöglichkeiten und integrierte, multimodale Therapieansätze und nicht zuletzt innovative Versorgungsmodelle wie die vom Innovationsfonds geförderte period.-App, die Symptome und den Zyklus trackt, um auf Basis dieser Daten das Endometrioserisiko zu verringern. [Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN] Mein Lob an die Kassen an dieser Stelle! Die haben das nämlich entwickelt und finanziert. Insbesondere für die Hervorhebung von interdisziplinären Therapieansätzen in Ihrem Antrag sind wir Grüne immer zu haben. Bei der von Ihnen geforderten landesweiten Aufklärungskampagne möchte ich aber betonen, dass es wenig zielführend ist, aus allen Berlinerinnen und Berlinern Spezialistinnen und Spezialisten für Endometriose machen zu wollen. Sinn und Zweck muss es sein, dass Mittel gezielt in die ärztliche Weiterbildung, Finanzierung und Forschung fließen. Öffentlichkeitskampagnen müssen vornehmlich der Enttabuisierung dienen, die es bei dem Thema Endometriose ganz sicher braucht. In diesem Sinne stimmen wir gerne diesem guten Antrag zu. Ich lese daraus, dass nun auch der CDU das Thema Frauengesundheit ein Anliegen ist. Dann können wir demnächst zum Beispiel auch mal über den § 218 StGB sprechen. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
