Dr. Klaus Lederer
Herr Präsident! Meine verehrten Damen und Herren! „Ist es Wahnsinn, so hat es doch Methode“ – auch auf diesen Antrag der #noAfD trifft der alte Shakespeare-Satz zu. Wir erleben gerade eine Welle von Falschbehauptungen transfeindlicher Akteurinnen und Akteure, die Stimmungsmache gegen Selbstbestimmung von Transpersonen machen, häufig – wie auch hier – ausschließlich, um politisch Kapital daraus zu schlagen. Da wird dann behauptet, es gehe um den Schutz der Jugendlichen, während ihnen der Zugang zu angemessenen Gesundheitsleistungen verwehrt werden soll. Komplett kontrafaktisch wird unterstellt, dass Pubertätsblocker in Deutschland einfach so wie Lutschbonbons verteilt würden, obwohl sie tatsächlich nur bei entsprechender medizinischer Indikation und nach umfassender Aufklärung zur Anwendung kommen. Es ist belegt, dass ihr Einsatz einen positiven Effekt auf die psychosoziale Gesundheit von Transjugendlichen haben kann. Das zeigt sich an deutlich verringerten Suizidraten bei Jugendlichen, die einen Zugang zu Pubertätsblockern haben. Die Anwendung von Pubertätsblockern kann gewissermaßen Leben retten, und ihr Einsatz ist, anders, als Sie das behaupten, reversibel; Abwarten ist dies hingegen nicht. Ein Abwarten der Pubertät ist für die betroffenen Jugendlichen eben gerade keine vermeintlich neutrale Option, sondern geht mit irreversiblen Veränderungen und einem großen Leidensdruck für die Betroffenen einher. Der Deutsche Ethikrat hat festgestellt, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht auch das Recht umfasst, ein Leben entsprechend der eigenen subjektiv empfundenen geschlechtlichen Identität zu führen und in dieser Identität anerkannt zu werden. Der AfD hingegen ist jedes Mittel und jede Falschbehauptung recht, um Transmenschen dieses Recht abzusprechen, und leider lässt sich mit dieser Hetze in Teilen der Gesellschaft Stimmung machen. Wir haben, das zeigen die aktuellen Zahlen des BKA, im Jahr 2023 mehr als eine Verdopplung, einen Anstieg um 105 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei Hassverbrechen gegen die geschlechtliche Diversität. [Zuruf von Ronald Gläser (AfD)] Nein, die Gefahr für die Gesundheit von Transmenschen geht nicht von Medikamenten aus, die ihnen ermöglichen, Zeit zu gewinnen für Entscheidungen, die sich nicht leicht rückgängig machen lassen. Die tatsächliche Gefahr für die Gesundheit von Transmenschen geht aus von denjenigen, die diese permanent pathologisieren, sie zu einem Modephänomen degradieren und ihnen ihre Würde und ihre Selbstbestimmung absprechen. [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD] Es ist ein besonderer Hohn, dass die Fraktion, die sich sonst bei jeder Gelegenheit um vermeintliche Frühsexualisierung und um die Erosion der Geschlechterrollen sorgt, sich nun plötzlich als Vorkämpferin gegen binäre Geschlechternormen wähnt. Ich zitiere aus Ihrer Antragsbegründung: „Die Geschlechtsanpassung an das gefühlte Geschlecht ist zugleich eine Anpassung an die Norm der Zweigeschlechtlichkeit und darum antiemanzipatorisch.“ Ich habe herzlich gelacht. Außerdem sorgen Sie sich über eine angeblich von Pubertätsblockern ausgehende Verhinderung möglicher homosexueller Entwicklungen. Wir merken: Wenn es Ihnen dabei hilft, gegen Transmenschen Stimmung zu machen, ist Ihnen offenbar noch jedes verdrehte Argument recht. Und das wäre ja beinahe ulkig, wenn die dahinterstehende Transfeindlichkeit nicht so unglaublich gefährlich wäre. Ihnen geht es leider nicht um die gesundheitliche Versorgung von Transjugendlichen, die eine Aussprache verdienen würde, weil hier vieles verbesserungswürdig ist, sondern ausschließlich um transfeindliche Propaganda, und dieses inhumane Spiel werden wir nicht mitmachen und Ihren Antrag selbstverständlich ablehnen. [Beifall bei der LINKEN, der SPD und den GRÜNEN]
