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Franziska Brychcy

LINKE 23.05.2024 Sitzungen 19/48

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Lehrkräfteausstattung in unseren Schulen und damit auch die Bildungschancen für die Schülerinnen und Schüler sind je nach Bezirk und Schulart zunehmend ungerecht verteilt. In Marzahn-Hellersdorf und Spandau etwa sowie in armutsbelasteten Kiezen gibt es Schulen, in denen grundständig ausgebildete Lehrkräfte in der absoluten Minderheit sind, teilweise nur noch ein Fünftel des Kollegiums. Hier müssen Förderunterricht, Teilungs- und Profilstunden, mitunter auch sogar die Stundentafel einfach wegfallen – mit fatalen Folgen. Und das bedeutet auch, dass die Kolleginnen und Kollegen dort nicht mehr in der Lage sind, ihre Kolleginnen und Kollegen, Referendarinnen und Referendare, Quereinsteigende noch auszubilden, dass sie krank werden, dass sie nur in Teilzeit arbeiten können oder sogar kündigen. Im letzten Schuljahr 2022/2023 haben knapp 1 000 Lehrkräfte, vor allen Dingen in den mittleren Altersstufen, lange vor der Rente gekündigt und den Schuldienst verlassen. Das heißt, jedes Jahr verlassen 1 000 Kolleginnen und Kollegen den Dienst. Diese Dynamik verstärkt natürlich den Lehrkräftemangel, der bereits jetzt durch die Diskrepanz von nur 1 000 Lehramtsabsolventinnen und -absolventen jährlich bei einem Einstellungsbedarf von 3 000 Vollzeitlehrkräften zustande kommt. Und dennoch hat die CDU-geführte Bildungsverwaltung die vorhandene Steuerung bei der Einstellung neuer Lehrkräfte komplett abgeschafft – mit fatalen Folgen. Denn die Ungerechtigkeiten haben sich seitdem weiter verschärft. Nun mag sich das im Gymnasium in Zehlendorf nicht so anfühlen, aber die Grundschule in Marzahn-Hellersdorf – Frau Günther-Wünsch, Sie kommt selber aus dem Bezirk – geht jetzt leer aus, weil es keine Bewerbung gibt. Das hatten wir im Bildungsausschuss. Deswegen fordern wir Sie heute mit unserem Antrag auf, dieses ungerechte Castingverfahren bei der Einstellung abzuschaffen, [Beifall von Carsten Schatz (LINKE)] ein zentrales Einstellungsverfahren und Steuerungsmechanismen einzuführen, sodass die gut ausgebildeten Lehrkräfte vorrangig an den Schulen mit dem größten Personalmangel eingestellt werden. [Beifall bei der LINKEN] Sie, Frau Günther-Wünsch, hatten uns hier im Plenum auch schon zugesagt, dass Sie sich darum kümmern, dass Sie stärker steuern. Aber eine aktuelle Schriftliche Anfrage von mir hat ergeben: Passiert ist nichts. Im Gegenteil: Sie haben keine Daten darüber, welche Lehrkräfte in der Schulanfangsphase eingesetzt werden, wo die Grundlagen für die Basiskompetenzen gelegt werden. Die Königsdisziplin an den Grundschulen ist die Alphabetisierung. Es kommt in Berlin vor, dass Lehramtsstudierende als Klassenleitung eingesetzt werden, weil es nicht anders geht, weil niemand anders da ist. Da nicht zu steuern, ist verantwortungslos – auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler, bei der Überforderung der Studierenden. Es braucht Steuerung, und da können Sie sich auch nicht länger wegducken. Denn es haben alle ein Recht auf gute Bildung. Das ist Menschenrecht. Heute feiern wir 75 Jahre Grundgesetz. Gleichwertige Lebensverhältnisse sind ein zentrales Fundament in unserer Demokratie. Das gilt doch auch für die Kinder und Jugendlichen in Marzahn-Hellersdorf und Spandau, die genauso die Chance haben müssen, von gut ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet zu werden. Das gilt nicht nur in Zehlendorf und in Reinickendorf. Das muss auch bedeuten, dass an der Grundschule oder Gemeinschaftsschule oder ISS eine gute Lehrkräfteausstattung mit individueller Förderung besteht und nicht nur am Gymnasium. Das ist eine soziale Frage.

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