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Franziska Brychcy

LINKE 23.05.2024 Sitzungen 19/48

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, lieber Herr Hopp, wir feiern gern gemeinsam. Es ist sehr gut, dass der Senat nicht nur von Basiskompetenzen redet, sondern auch etwas Konkretes vorlegt. Die bisherige Bilanz von Ihnen als schwarz-roter Koalition bezüglich der Stärkung der Grundschulen ist ja eher mau, wie auch eine Antwort auf eine kürzliche Schriftliche Anfrage von mir gezeigt hat. Da wird umfänglich auf das Qualitätspaket von Sandra Scheeres von 2019 verwiesen, was ja nicht schlecht ist, [Beifall von Marcel Hopp (SPD) und Dunja Wolff (SPD)] aber eben schon eine kleine Weile her. Wir freuen uns natürlich immer, wenn gute Dinge von Rot-Rot-Grün auch umgesetzt werden. Trotzdem ist es gut, dass jetzt ein neuer Schritt gemacht wird und weitere Funktionsstellen an den Grundschulen geschaffen werden. Das wurde lange gefordert, und Berlin ist jetzt das erste Land bundesweit, wo sie tatsächlich kommen. Das ist wunderbar. Geplant war die Maßnahme auch schon unter dem Vorgängersenat. Trotzdem tun sich Fragen auf. Grundschullehrkräfte in Berlin haben aktuell einen Lehrdeputat von 28 Stunden. Der Anteil von Seiteneinsteigern, Quereinsteigern in den Kollegien ist sehr hoch, die natürlich auch begleitet werden müssen. Die Vorstellung, dass sich im kommenden Schuljahr 400 Lehrkräfte und im darauffolgenden Schuljahr 800 Lehrkräfte finden, die für netto 110 bis 200 Euro ohne zeitliche Entlastung umfangreiche Zusatzaufgaben übernehmen, ist natürlich sehr optimistisch. Sie haben es ja mitbekommen – gestern haben wieder 2 500 Kolleginnen für einen Entlastungstarifvertrag gestreikt, und die Arbeitsbelastung ist sehr hoch. Viele Lehrkräfte schaffen den Schulalltag jetzt nicht oder nur in Teilzeit oder gehen wirklich in den Burn-out. Das heißt natürlich nicht, dass die zusätzlichen Funktionsstellen nicht kommen sollen, aber die Systemfrage angesichts des Lehrkräftemangels – ob wir uns auch trauen, über die Stundentafel zu diskutieren, damit die Kolleginnen, die da sind, qualitativ hochwertigen Unterricht machen können und nicht an der Arbeitsbelastung kaputtgehen –, steht im Raum, und es braucht einen Prozess des Senats an dieser Stelle. Das wurde uns ja auch schon versprochen, aber noch nicht gehalten. Die Lösung kann natürlich nicht sein, dass die Referendarinnen, die ja noch in Ausbildung sind, zehn statt sieben Stunden pro Woche unterrichten müssen, denn die angehenden Lehrkräfte, die wir haben, dürfen wir nicht verschleißen, weil sie sonst die Ausbildung abbrechen und wir damit den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Das geht natürlich nicht. [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Werner Graf (GRÜNE) und Louis Krüger (GRÜNE)] Die Stärkung der Basiskompetenzen finden wir auch wichtig, aber, die Einführung der weiteren Funktionsstellen allein auf Deutsch und Mathematik zu begrenzen, ist sehr eng gedacht. Da fällt uns immer wieder auf, dass diese Koalition einen sehr engen Bildungsbegriff hat, was wir auch bei der Veränderung, bei der Förderprognose, beim Übergang von Grundschule auf die weiterführende Schule sehen, dass nur noch drei Fächer gelten sollen. Es ist eben auch für Inklusion und Ganztag wichtig, dass wir hier darüber nachdenken zu unterstützen, auch bei Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften. Die sechsjährige Grundschule ist ein Schatz, den wir haben. Die ifo-Studie hat ja kürzlich auch gezeigt, dass das längere gemeinsame Lernen gerade die Kinder armer Familien oder bei Eltern, die eben kein Abitur haben, besser unterstützt. Das Aussortieren der Kinder muss ein Ende haben, dann klappt es auch mit dem Bildungserfolg. [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN] Natürlich wollen wir auch die Grundschulen stärken, auch die Basiskompetenzen, aber eben auch Inklusion, auch die Ganztagsschule, auch Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften. So stellen wir uns gute Bildung vor. – Danke! [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Louis Krüger (GRÜNE) und Klara Schedlich (GRÜNE)]

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