Tobias Schulze
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in der Tat, das hat die Kollegin König gerade gesagt,vieleProblemeimkinder-undjugendmedizinischen Bereich in Berlin. Die hat jeder schon mal erlebt, der versucht hat, mit einem Kind zum Arzt zu gehen oder überhaupt nur eine Ärztin oder einen Arzt für sein Kind zu finden. Das ist nicht so leicht. Viele Kinderärztinnen undKinderärztenehmengar keinePatientinnenundPatientenmehraninunsererStadt.AuchdieRettungsstellen, diewirfürKinderhaben,sindindenStoßzeitenkomplett überlastet, die Kinderstationen in den Krankenhäusern auch. Deswegen löst dieser mobile Notdienst das falsche Problem, denn ein Arzt und eine Ärztin auf der Straße, der oderdiedurchdieganzeStadtunterwegsist,behandeltin dieser Zeit keine kleinen Patientinnen und Patienten, sondern er oder sie fährt. Wir haben nicht das Problem, dassdieElternmitihrenKindernnichtzudenArztpraxen hinkommen, dass sie also nicht mobil sind, dieses Problem haben die wenigsten Eltern, sondern wir haben das ProblemfehlenderKapazitäten. [BeifallbeiderLINKEN – BeifallvonOdaHassepaß(GRÜNE)] Wenn man jetzt Ärztinnen und Ärzte auf die Straße schickt, dann entzieht man dem ohnehin schon prekären SystemnochweiterPersonal. [AnneHelm(LINKE):DasistdasProblem!] DeswegenlehnenwirdiesesVorhabenab.Wirsagen,die Prioritätenmüssenandersgesetztwerden. [BeifallbeiderLINKEN – BeifallvonOdaHassepaß(GRÜNE)] Ein Arzt in einer niedergelassenen Praxis, sei es auch eine Bereitschafts-oder Notdienstpraxis, behandeltungefähr fünf- bis sechsmal so viele Patientinnen und Patienten wiejemand, der mitdem Auto imBereitschaftsdienst unterwegs ist. Die KV mit ihrem hausärztlichen Notdienst schafft lediglich 400Patientinnen und Patienten am Tag. 400! Das sind, ehrlich gesagt, im Vergleich zu den Tausenden von Leuten, die durch unsere Rettungsstellen oder Notdienstpraxen laufen, Peanuts. Deswegen kann der KV-Bereitschaftsdienst auch nicht als Vorbild hierherangezogenwerden.Dasisteinfachvielzuwenig. Wir als Linke haben Maßnahmen vorgeschlagen, wie man die prekäre Situation bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten verbessern kann. Zum einen müssen wir dieNiederlassungsförderungausweiten. Das, wasdie KV derzeit tut, ist viel zu wenig und umfasst auch nicht den kinderärztlichen Bereich. Zum Zweiten müssen wir prüfen,obmanimMedizinstudiumMenschennichtfrühzeitiger zulassen kann, die sich verpflichten, sich als Kinderärztin oder Kinderarzt hier in Berlin niederzulassen. Zum Dritten wollen wir, dass es medizinische Versorgungszentren auch mit staatlicher und kommunaler Förderung gibt, wo dann auch kinderärztliche Kapazitätengeschaffenwerden. [BeifallvonKatalinGennburg(LINKE)] Wir können nicht darauf warten, dass sich Menschen aus dem Medizinstudium heraus für das Kleinunternehmertum entscheiden. Viele wollen angestellt arbeiten, und wir müssen ihnen diese Möglichkeit geben, auch als angestellteKinder-undJugendärztinnenundKinder-und Jugendärzte zuarbeiten. Dafür istein medizinischesVersorgungszentrumvorOrtgenaudasrichtigeInstrument. [BeifallbeiderLINKEN] WennSiehiersagen,dassesdarumgeht,dieKapazitäten auszubauen, dann haben Sie mit einem Punkt in diesem Antrag recht, und das ist in der Tat – es wurde schon gesagt – die Telemedizin. Es gibt immer wieder Eltern, die natürlich unsicher sind, die nicht wissen, wie sie mit einem kranken Kind, das vielleicht Fieber hat, das vielleicht unklare Bauchschmerzen hat, umgehen sollen. Dass man da ein telemedizinisches oder telefonisches Angebot ausbaut, das ist total sinnvoll, und das ist total richtig, das gibt es im Kern ja über die 116117 bei der KV. Man mussaber maleinssagen:Die KV hatvonden zwei Arztstellen, die in diesem telefonischen Bereitschaftsdienst arbeiten, eine abgebaut, mit der Begründung, das lohne sich nicht. Deswegen brauchen wir hier tatsächlicherstmaldieGesprächemitderKVüberdieses Vorgehen und keine neuen Modellprojekte, sondern wir müssenmitderKVüberdenWiederaufbauihrerKapazitäten im telemedizinischen Bereich sprechen. Das ist die Aufgabe, die jetzt vor uns liegt. Dazu trägt der Antrag, gelinde gesagt, zu wenig bei, und deswegen können wir demauchnichtzustimmen. – Dankeschön! [BeifallbeiderLINKEN – BeifallvonDanielaBillig(GRÜNE) undDanielWesener(GRÜNE)] VizepräsidentDennisBuchner: Es folgt dann für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Ubbelohde.
