Bettina König
VielenDank! – Ichwillmalverdeutlichen,worumeshier geht. Mein Kollege Christian Zander hat das auch schon angedeutet. Stellen Sie sich bitte folgendes Szenario vor: Es ist Samstagabend, und Ihr Kind hat starke Ohrenschmerzen und Fieber. Sie haben kein Auto und sind mit dem erkrankten Kind und am besten noch mit einem kleineren Geschwisterkind allein zu Hause. Aktuell gibt es für Sie dann die Möglichkeit, beide Kinder einzupacken, und, wenn es noch vor 20 Uhr ist, eine der fünf KindernotdienstpraxenineinemBerlinerKrankenhauszu besuchen. Wennesspäter ist, müssenSieeine Kinderrettungsstelle aufsuchen, wohl wissend, dass es sich hier eigentlich nicht um einen Fall für die Rettungsstelle handelt. Aber wohin sonst sollen Sie sich wenden, wenn das AntibiotikumoderderFiebersaftnichtwartenkann? Dort werden Sie vermutlich dann einige Wartezeit verbringen müssen, in ungewohnter Umgebung mit einem Kind, dem es nicht gut geht, plus einem Kleinkind. Für alleBeteiligtenistdaseineHerausforderung.Irgendwann spätsindSiedannhoffentlichgutversorgtundausgestattetmitdennötigenRezeptenaufdemNachhauseweg. Dashätten wir gernanders. Wir alsschwarz-rote Koalition wünschen uns hier eine Verbesserung. Wir wollen, dass die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen außerhalb der Regelpraxisöffnungszeiten in Berlinneugedachtundweiterverbessertwird. [BeifallbeiderSPD – BeifallvonRomanSimon(CDU)] Die fünf Kindernotdienstpraxen an den Krankenhäusern sind ein guter Schritt in die richtige Richtung. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten der passgenauen gesundheitlichen Versorgung, wenn man das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Warum geht es denn bei Erwachsenen? Wenn man als Erwachsener in einer vergleichbaren Situation, wie die oben geschilderte, ist, ruft maninderRegeldie116117,undeskommtnacheiniger Zeit der Hausärztliche Bereitschaftsdienst nach Hause und untersucht und versorgt. Genau das wollen wir auch fürKinderundJugendliche. Wir wolleneinenKindermedizinischen Bereitschaftsdienst, der, wenn nötig, außerhalb der Praxisöffnungszeit nach Hause kommt. Das ist schonender,kindgerechterundkannzudemdieKindernotdienstpraxen und die Rettungsstellen der Krankenhäuser entlasten. Wenn das Kind privat versichert ist – das hat Christian Zander eben auch schon richtig erwähnt – oder man als Eltern in der Lage ist, diesen Service selbst zu bezahlen, gibtessolcheinenServiceübrigens.Esscheintalsomöglich zu sein, so etwas zu organisieren. Der Kinderarztruf, einprivatärztlicherKindernotdienst,dasistsehrschönfür alle,diedavonprofitieren,dieessichleistenkönnen.Wir wollen aber, dass es solch ein Angebot, ebenso wie für alle Erwachsenen, kostenfrei auch für alle Kinder in der Stadtgibt. Deshalb fordern wir den Senat auf, sich die pädiatrische Versorgungaußerhalb der gängigenPraxisöffnungszeiten inBerlingenauanzuschauenundzuevaluieren,umdiese weiter zu verbessern. Dabei ist auch die Rolle der Telemedizin, also der Videosprechstunden, zu stärken. Auch dies könnte Familien in Akutsituationen helfen und gleichzeitig die Rettungsstellen entlasten. Eltern sind unsicher, wennesihremKind schlechtgeht.InderRegel warten Eltern dann nicht das Wochenende ab, um einen Arzt aufzusuchen. Gäbe es aber in der Leitstelle des KV-Bereitschaftsdienstes einen Pädiater vor Ort, der außerhalb der Praxisöffnungszeiten für Videosprechzeiten zur Verfügung steht und über kooperierende Notdienstapotheken Medikamente ausgeben könnte, wäre sicher vielen Familien schon geholfen und den RettungsstellenimÜbrigenauch. Andere Bundesländer haben diesen Nutzen von Videosprechstunden schon erkannt. Da funktioniert das. Die KVNordrheinunddieKVHamburghabenalsLehreaus der Überlastung der Kinderarztpraxen und Kinderrettungsstellen in den Wintermonaten ein Angebot an Videosprechstunden außerhalb der Öffnungszeiten geschaffen, wassehrgutangenommenwird.Wiesosollsoetwas inBerlinnichtgehen? Dasistfür michnichtlogisch,und damit gebe ich mich auch nicht zufrieden – es tut mir leid. Es gibt in der medizinischen und psychologischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen viele Baustellen und viele Probleme. Es gibt zu wenig niedergelassene Ärzte, überlaufene Rettungsstellen, fehlende niedergelassene Kinderpsychologen, überlastete stationäre psychiatrischeAngebote. [TobiasSchulze(LINKE):Ja!] Und ja, es gibt den Fachkräftemangel, in Medizin und Pflege. Das wissen wir. Die Opposition wird nicht müde, darauf hinzuweisen. Das ist auch richtig. Das ist aber für uns als Koalition kein Grund, nicht trotzdem nach machbarenVerbesserungenzusuchen. Dasistebender Unterschied zur Opposition. Der wird hier sehr deutlich. Wir wollenDingeverändern. Im Gegenteil, wir sehen gerade deshalb den Bedarf, genau zu evaluieren, wie vorhandene Kapazitäten optimal eingesetzt werden können, dabei moderne Technologien, wie die Videosprechstunde, besser berücksichtigt werden können, und man muss bewerten, welche Möglichkeiten zum Ausbau der Strukturen bestehen und welche eben nicht. [BeifallbeiderSPD] Dieser Antrag ist deshalb ein Baustein für die bedarfsgerechtere,adäquate medizinischeVersorgungvonKindern undJugendlicheninBerlinundeinAuftragandenSenat, sich genau mit diesem Thema auseinanderzusetzen und fürVerbesserungenzusorgen. – VielenDank! [BeifallbeiderSPDundderCDU] VizepräsidentDennisBuchner: EsfolgtdannfürdieLinksfraktionderKollegeSchulze.
