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Lars Düsterhöft

SPD 18.04.2024 Sitzungen 19/46

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Inklusion ist keine Spinnerei, es ist nichts, was wir uns aussuchen können, es nichts Verhandelbares, es ist ein Menschenrecht. [Beifall bei der SPD] Jeder Mensch, ob mit oder ohne Behinderung, ist gleich viel wert. Jeder Mensch hat das gleiche Recht zu träumen und sich ein erfülltes Leben zu wünschen. Jeder Mensch hat das gleiche Recht, sich innerhalb seiner beziehungsweise ihrer Möglichkeiten zu verwirklichen und möglichst glücklich zu werden. Doch wir alle wissen, dass unser Glück ganz stark von unseren Eltern, unserem Umfeld, unserer Gesellschaft und manchmal auch tatsächlich vom Glück abhängt. Was Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung von den Kindern und Jugendlichen ohne eine Behinderung unterscheidet, ist, dass sie durch unsere viel zu oft nicht inklusive Gesellschaft behindert werden. Sie werden oftmals als ein Problem wahrgenommen, ob in der Kita, wenn ein Kind mit einer Behinderung überhaupt das Glück hat, eine Kita zu finden, die die Betreuung übernehmen kann und möchte, oder in der Schule, wenn das Kind das Glück hat, durchsetzungsstarke Eltern, eine engagierte Schulleitung und engagierte Lehrkräfte zu haben, oder im späteren Berufsleben. Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung müssen einen deutlich schwereren Lebensweg gehen. Zu oft führt dieser Weg für Jugendliche mit einer Behinderung nach der Schule in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Zu oft wird der Weg in eine reguläre Ausbildung nicht gewagt. Zu oft wird dieser Weg verbaut. Doch ich möchte nicht missverstanden werden. Die SPD stellt sich nicht grundsätzlich gegen Werkstätten für Menschen mit Behinderung, im Gegenteil. Ob Werkstätten für Menschen mit Behinderung, ausgelagerte Arbeitsplätze, Budget für Ausbildung, Budget für Arbeit oder reguläre Arbeitsplätze, alle Varianten haben ihre Berechtigung und sollen auch ein Teil des Angebots sein, und überall arbeiten tolle und sehr engagierte Menschen. An dieser Stelle möchte ich gern Martin Apelt und Nico Gertler grüßen, die mir erst vor wenigen Wochen sehr stolz ihre Arbeitsplätze bei der USE gezeigt haben und dort tatsächlich sehr selbstbewusst ihren eigenen Weg gehen. Aber die Werkstatt für Menschen mit Behinderung soll nur eine Möglichkeit sein, nicht die Möglichkeit. „Statt-WERKstatt“ ist nicht nur der Name einer tollen Initiative, es ist das Motto, das auch für die von uns geforderte unabhängige Beratungsstelle gelten könnte. Wir wollen eine unabhängige Beratungsstelle, die Alternativen aufzeigt, Mut macht, unterstützt in schwierigen Zeiten, Hilfe gibt, bei Konflikten vermittelt und Mut zur Inklusion stiftet. Ich möchte gern ein Beispiel nennen, das die Chancen für die ganze Gesellschaft verdeutlicht. Ich kenne eine junge Frau, die das Downsyndrom hat. Seit vier Jahren arbeitet sie erfolgreich in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Steglitz-Zehlendorf. Die ersten drei Jahre hat sie im Rahmen einer Arbeitsmarktmaßnahme dort arbeiten dürfen, und im Jahr 2023 hat sie in Warteposition auf eine reguläre Anstellung als unbezahlte Praktikantin dort gearbeitet. Seit dem 1. April 2024 hat sie dank eines Sonderfonds aus der Senatsverwaltung für Finanzen und des besonderen Engagements von zwei Mitarbeiterinnen im bezirklichen Kulturamt eine ordentliche Anstellung. Eine tolle Sache, doch diese Stelle ist befristet bis zum 31. Januar 2025. Diese junge Frau und ihre Eltern dürfen sehr stolz sein, dass sie diesen Weg gegangen ist. Und die Mitarbeiterinnen im Kulturamt sowie in der Bibliothek dürfen stolz sein, dass sie die Inklusion mit Leben erfüllen und es nicht eine Worthülse ist, über die wir hier sprechen. Nun fehlt tatsächlich nur noch die Festanstellung. Ich bin zuversichtlich, dass der Bezirk einen Weg finden wird, dass die junge Frau dort auch bleiben darf. Ich bin tatsächlich auch der Überzeugung, dass diese Frau mit ihrem Willen und mit ihrem Mut ein Segen für uns alle ist. Mit der Beratungsstelle wollen wir erreichen, dass mehr Jugendliche mit einer Behinderung diesen Weg wagen können und auch wagen, mehr Arbeitgeberinnen die Chance ergreifen, um tolle Mitarbeiterinnen zu gewinnen und unsere Gesellschaft ein Stück inklusiver zu machen. Wir wollen dabei helfen, Widerstände abzubauen, Chancen zu eröffnen und Lebensträume zu erfüllen. Der Antrag geht jetzt noch in den Fachausschuss. Es freut mich sehr, dass wir dort die Möglichkeit haben, über den Antrag zu diskutieren und ganz besonders uns der Frage zu widmen, wie wir diese Beratungsstelle stark machen und auch richtig bekannt machen, und dafür sorgen, dass viele Menschen mit einer Behinderung den Weg zu dieser Beratungsstelle finden, um dort neuen Mut zu schöpfen, um den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu finden. – Ich danke Ihnen! [Beifall bei der SPD und der CDU – Beifall von Catrin Wahlen (GRÜNE), Katina Schubert (LINKE) und Tobias Schulze (LINKE)]

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