Louis Krüger
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich muss man zu diesem Antrag nurwenigsagen,undmitPädagogikhaterehrlicherweise auch ziemlich wenig zu tun. Es ist wie immer: Die AfD schlägt für eine komplexe Fragestellung eine einfache oder vermeintlich einfache populistische Antwort vor, die eigentlich kein bisschen zur Lösung des Problems beiträgt. Es ist natürlich so, dass es in Schulen Konflikte gibt, keine Frage, aber die Frage ist, wie man damit umgeht. Sie wollen Kopfnoten und den Rohrstock, wir wollen Kommunikation und eine gewaltlose Aufklärung auf Augenhöhe. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Ein gutes Instrument dafür ist zum Beispiel der Klassenrat, der gerade in vielen Schulen schon praktiziert wird, der das Miteinander prägt und gemeinsam Lösungen für Probleme findet. Dieses Instrument sollte man ausbauen. Und mal ganz ehrlich: Sie können eigentlich froh sein, dass es keine Kopfnoten gibt, denn in Ordnung, Mitarbeit,FleißundBetragenhättenSieallesamteineglatte6. [BeifallbeidenGRÜNEN– ThorstenWeiß(AfD):Belege!] Undauch ein anderes Muster finden wir hier wie in anderen Anträgen: Sie wollen zurück in die Vergangenheit, wir wollen in die Zukunft. Sie schlagen Methoden vor wie 1933, kein Wunder, Kopfnoten werden auch in vielen autokratischen Systemen genutzt, um Verhalten zu normieren. [MarcVallendar(AfD):Verharmlosung!] Wir wollen für 2024 Lösungen finden. Und das bedeutet eben nicht, Ordnung, Mitarbeit, Fleiß und Betragen in den Mittelpunktzustellen,sondern die4K:Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität. Das brauchen wir für die Zukunft, und nicht anhand von Noten,sondernmitgutenLernsettingsunddifferenzierten Rückmeldungen. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN] Ich muss noch einmal auf die Fragestunde zurückkommen, Frau Senatorin, und auf die Fragen nach dem Notendruckund dem Leistungsstress. Es war keine pauschale Unterstellung, dass dieser an den Schulen existieren würde. Dazu gibt es Studien und Untersuchungen, zum Beispiel 2023 den Präventionsradar von der DAK, der herausgefunden hat: 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler leiden unter starkem Schulstress, bei denjenigen mit niedrigem Sozialstatus sind es sogar 60 Prozent. Das ist ein reales Problem. Natürlich ist es gut, dass wir die SIBUZe und die Schulpsychologie haben. Die können aber nur am Ende intervenieren, wenn das Problem schon da ist. Deswegen brauchen wir in dieser Sache mehr Prävention, und das ist dann auch kein Angriff auf die Pädagoginnen und Pädagogen. Ich habe ja gefragt: Was tut der Senat?Wastun Sie gegen dieses Problem?– Und am Ende waren Sie diejenige, die die Verantwortung auf die Pädagoginnen und Pädagogen abgeschoben und gesagt hat: Die müssen sich darum kümmern, die müssen das leisten. –Daglaubeich schon, dass wir eher im Systemetwasverändernmüssen. [Beifall bei den GRÜNEN] Ganz zum Schluss noch mal zurück zum Antrag. Da habe ich mir das Schulgesetz angeguckt, §1, wo es um den Auftrag von Schule geht. Im Schulgesetz geht es nicht um Betragen und Ordnung, es geht darum, Schülerinnen und Schüler zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranzuziehen, die fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten. [ThorstenWeiß(AfD):DasistgegendieGrünen!] Offensichtlich muss man sagen,dass das Schulsystem an dieser Stelle bei Ihnen allen versagt hat. Und das ist ein Problem, das wir uns wirklich anschauen sollten. – VielenDank! [Beifall bei den GRÜNEN]
