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Jeannette Auricht

AfD 18.01.2024 Sitzungen 19/41

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist ein bekanntes Modell der Parteien, zaghafte Lerneffekte dann zuzulassen, wenn man selber nicht mehr regiert. Plötzlich fallen einem dann Dinge ein, die man vielleicht nicht auf dem Schirm hatte oder irgendwie versäumt hat. Jetzt fordern die Grünen, ein Azubiwerk nach Vorbildern wie in Hamburg einzurichten. Die Aufgabe soll darin bestehen, Auszubildenden endlich günstigen Wohnplatz anzubieten und allgemein zur Steigerung der Attraktivität von Ausbildungsberufen beizutragen. Das finden wir gut. Ja, der Berliner Wohnungsmarkt ist mehr als angespannt. Da haben es Auszubildende besonders schwer, wir haben es ja schon gehört, hier Wohnraum zu finden. Das sind genau die Menschen, die wir in der Stadt brauchen. Andere Großstädte haben seit Jahren damit angefangen, Berlin ist halt Berlin und kommt ein bisschen später. Das ist schade, denn gerade die Städte, wo schon Azubiwerke gegründet worden sind, zeigen, dass es einen langen Prozess braucht, bis die ersten Auswirkungen wirklich einsetzen. Deshalb frage ich mich natürlich auch: Warum kommt der Antrag erst jetzt, und warum kommt er jetzt, wo ihn der Senat sowieso schon auf dem Schirm hat? Frau Kiziltepe hat es schon angekündigt, wir haben Bundesmittel, nämlich 57 Millionen Euro, wenn ich mich nicht irre, die wir dafür nutzen könnten. Ich freue mich schon, was wir dazu im Ausschuss zu hören bekommen. Ich möchte aber auch ein paar Bedenken aufzeigen. Es sind rechtliche Sachen wie zum Beispiel die Unterbringung von unter 18-Jährigen. Da gibt es Betreuungsaspekte, die wir vielleicht mal besprechen müssten. Herr Meyer hat es schon angesprochen, Sie fordern sehr viel in Ihrem Antrag, was das Azubiwerk alles leisten soll, es gibt aber bereits viele Strukturen in Berlin, die Auszubildenden helfen, ihre Ausbildung erfolgreich zu absolvieren und ihre Lebensqualität zu verbessern. Da gibt es BAföG, Kammern und Verbände, die Auszubildende beraten. Es gibt Sprach- und Integrationskurse. Die wollen Sie hier auch noch haben. Es gibt Jugendzentren und Sportvereine. Ich will nicht alle aufzählen. All diese Angebote existieren bereits und sollten nicht ignoriert werden, denn wir wollen keine Parallelstrukturen schaffen. [Beifall bei der AfD] Verstehen Sie mich nicht falsch! Ein Azubiwerk kann natürlich helfen, einige wenige Missstände zu beheben, aber ich würde es gerne größer denken und auch grundlegende Probleme analysieren und nicht immer nur kleine kosmetische Korrekturen anbringen. Wir wollen Ausbildungsberufe nicht nur ein kleines bisschen attraktiver machen, indem es ein neues Azubiwerk gibt, das kann man machen, wir wollen grundlegend und nachhaltig weg von diesem Akademisierungswahn, den gerade auch die Grünen in Berlin und im Bund zu verantworten haben. [Beifall bei der AfD] Wir wollen zurück zu dem, was Deutschland einst auszeichnete: Berufsausbildung auf höchstem Niveau mit bestmöglichen Bedingungen vom Handwerk bis zur Industrie. Leider zeigt der Bildungsvergleich der OECD, dass immer weniger junge Erwachsene in Deutschland überhaupt über eine klassische Berufsausbildung verfügen. Der Rückgang in der Ausbildung ist der größte im Vergleich der OECD-Länder. Diese jungen Menschen fehlen uns wirklich auf dem Arbeitsmarkt. Da müssen wir wirklich ran. Wir erleben auch eine Bildungspolarisierung zwischen einem nicht ausgebildeten und einem überakademisierten Teil der jungen Menschen. Das kommt leider nicht von ungefähr, denn seit mindestens zwei Generationen wird den jungen Menschen in Deutschland immer eingeredet, dass man eigentlich nur mit einem Studium gute Gehälter und finanzielle Sicherheit bekommen kann und dass ein Beruf, der nicht mit einem großartigen Titel daherkommt, irgendwie auch eine Art von Misserfolg sei. Das soll heißen, dass wir auch an der gesellschaftlichen Anerkennung des Handwerks und normaler Ausbildungsberufe arbeiten müssen. Es liegt nicht nur am Azubiwerk, dass junge Menschen in die Unis flüchten, die Probleme liegen einfach tiefer. Wir würden gerne einen fundamentalen Wandel haben. Wir müssen die Potenziale unserer Jugend vielseitig fördern. Wo es möglich ist, müssten künftig Azubis durch bezahlbaren Wohnraum, Zuschüsse zum Führerschein, Wegfall von Gebühren für Ausbildung eine gute Perspektive auf gute Löhne erhalten. Da müssen wir unterstützen. Zudem fordert die AfD schon seit Langem die kostenlose Meisterausbildung. Sie sehen also, mit kleinen Korrekturen ist uns nicht geholfen, wir müssen das Ruder ganz herumreißen, um einen Ausweg aus der Bildungs- und Ausbildungskatastrophe zu finden. Das katastrophale Bildungssystem in Berlin will ich jetzt gar nicht erwähnen, aber auch da muss dringend etwas passieren. All diese Entwicklungen sorgen dafür, dass sich der Fachkräftemangel verschärft hat. Damit das bewährte deutsche System der dualen Ausbildung vorbildlich wie einst funktionieren kann, müssen wir umfassend in Wissen, Fort- und Weiterbildung unserer kommenden Leistungsträger investieren. Ausbildungsqualität und Ausbildungsvergütung, größere Wertschätzung der Berufsausbildung – all das sind Themen, um die wir uns im Ausschuss kümmern müssen. Da freue ich mich schon auf die Aussprache. Das Azubiwerk kann nur ein kleiner Baustein von vielen sein. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und freue mich, wie gesagt, auf die Diskussion im Ausschuss! [Beifall bei der AfD]

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