Adrian Grasse
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Liebe Kolleginnen und Kollegen!Waslangewährt,wirdendlichgut.Esistnicht dasersteMal,dasswiralsCDUeinenAntragfüreine24- Stunden-Bibliothek einbringen. Das haben wir in den letzten Jahren immer wieder gefordert. Aber es ist das ersteMal, dass wir diesin Regierungsverantwortungtun. Wir setzen damit den Koalitionsvertrag konsequent um undwollenBerlininallenBereichenbesseraufstellen. Dazu gehören für unsere Studentinnen und Studenten in der Stadt auch die Bibliotheken. Für sie sind Bibliotheken ja nicht nur Ausleihorte für Bücher, die sie für das Studium benötigen. Bibliotheken sind auch Lernorte. Sie sind Orte für ein vertieftes Selbststudium, für den Zugang zu zahlreichen Ressourcen – egal, ob digital oder physisch –, und sie sind gleichzeitig Orte des gemeinsamen Lernens und Wirkens an Projekten. Sie sind Orte der sozialen Begegnung. Bibliotheken bieten eine wichtige unterstützende Infrastruktur, die den Bildungsweg der Studentinnen und Studenten bereichert und ihre akademische Entwicklung fördert. Um diese Infrastruktur zukünftig noch zielgenauer an die vielfältige internationale Studierendenschaft und deren unterschiedliche Lebensrealitäten in Berlin anzupassen,isteinModellprojekteiner24Stundengeöffneten Bibliothek ein wichtiger und notwendiger Schritt. Durch dieEinrichtungeiner24-Stunden-Bibliothekermöglichen wir es Studentinnen und Studenten, ihre Arbeits- und Lernzeiten flexiblerzugestalten,angepasstan ihrejeweiligenBedürfnisse. EineBibliothekim24-Stunden-Betriebunterstütztzudem unterschiedliche Lernstile und präferierte Lernzeiten. Egal, ob früher Vogel oder Nachteule: Ein solches Modellprojekt fördert alle Arbeitsmodi und trägt darüber hinaus auch zur akademischen Förderung heterogener Lebens- und Lernziele bei Studentinnen und Studenten bei. Sie können so ihr Zeitmanagement eigenständig und strategisch ausbauen. Vorbereitungen auf Prüfungen oder Abgabefristen gestalten sich ja meist individuell. Druck durch Lern- und Abgabefristen verstärkt sich häufig dann, wenn die notwendigen Räumlichkeiten nicht vorhanden sind. Gerade auf einem angespannten Wohnungsmarkt wie in Berlin lässt sich individuelles Lernen in teils beengten oder geteilten Wohnformaten nicht immer optimal umsetzen. Eine adäquate Arbeitsatmosphäre mit uneingeschränktem Zugang zu relevanter Literatur und einer stabilen Internetverbindung finden viele Studentinnen und Studenten nur in Bibliotheken vor, die sich daher in ihren Öffnungszeiten an dieseheterogeneZusammensetzungder Studierendenschaft anpassen und diese Vielfalt auch gezielt fördern müssen. Denn auch berufliche Nebentätigkeiten oder Ehrenämter erschweren bei einem starren Korsett von begrenzten Öffnungszeiten der Bibliotheken den Lernerfolg. Das Modellprojekt, das wir vorschlagen,versetztStudentinnen undStudentenin dieLage,sich besser aufPrüfungen und Projekte vorzubereiten, und das wiederum stärkt den Lernerfolg und erleichtert den erfolgreichen Studienabschluss. Darüber hinaus ermöglicht eine 24-Stunden-Bibliothek den zeitlich uneingeschränkten Zugang zu Ressourcen und hochschulischen Räumlichkeiten und schafft somit die Option, kontinuierlich an Lern- und Forschungsprojekten zu arbeiten – egal, ob im Studium gerade längere Lernphasen oder auch Last-Minute-Vorbereitung notwendig sind. Das wiederum fördert die akademische Exzellenz. Ich möchte aus aktuellem Anlass noch einen anderen Aspekt hervorheben. Als Orte der gemeinsamen Diskussion und Verständigung, des gemeinsamen Lernens und der Perspektiv- und Ideenentwicklung tragen Bibliotheken dazu bei, über Gespräche und Begegnungen selbstständige, weltoffene und reflektierte Persönlichkeiten zu entwickeln. Räume der Begegnung, des offenen Austausches und des gemeinsamen Lernens sind gerade in Zeiten wie diesen, in denen sich jüdische Studentinnen und Studentenzunehmendbedrohtfühlenundsichdiestudentische Debattenkultur zu verhärten droht, wichtiger denn je. Deswegen sage ich von dieser Stelle ganz deutlich, dass sich jüdische Studentinnen und Studenten an unseren Hochschulen jederzeit frei und sicher fühlen müssen. [BeifallbeiderCDU– VereinzelterBeifallbeiderSPD– BeifallvonLauraNeugebauer(GRÜNE) undTobiasSchulze(LINKE)] Für Antisemitismus ist kein Platz an unseren Universitäten – nicht auf dem Campus, nicht in der Mensa, auch nicht in Bibliotheken. Nirgendwo ist Platz für Judenhass inunsererStadt! [Beifall bei der CDU – Vereinzelter Beifall bei der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Alexander Bertram (AfD) und Martin Trefzer (AfD)] Deswegen komme ich zum Abschluss und möchte noch einmal deutlich machen, dass Hochschulen Orte des Diskurses sind. Miteinander reden und diskutieren, sich austauschen und voneinander lernen, um Gegensätze abzubauen – dazu tragen auch unsere Bibliotheken als Orte des Lernens bei. Deshalb ist dieser Antrag auch unter diesem Gesichtspunkt ein wichtiges Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag im Bereich Wissenschaft und Forschung, damit mindestens eine der drei großen Universitätsbibliotheken – der FU, der TU oder der Humboldt-Universität – in Zukunft 24 Stunden geöffnet ist. – Vielen Dank! [BeifallbeiderCDU– VereinzelterBeifallbeiderSPD] VizepräsidentinDr.BaharHaghanipour: Vielen Dank! – Für die Fraktion Bündnis90/Die Grünen sprichtdieKolleginNeugebauer.
