Silke Gebel
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Frau König! Ich glaube, wo wir uns alle einig sind, und das kann ich auch nur all den Betroffenen, aber auch den Berlinerinnen und Berlinern sagen: Natürlich stehen wir als Grünenfraktion an der Seite derer, die an Long Covid oder an Post-Covid leiden. Wir wissen, dass es eine der Spätfolgen der Pandemie ist, und wir können nur froh sein, dass wir so früh die Impfung gefunden haben und dass die Gruppe derer mit wahrscheinlich 25 000 Menschen in Berlin immer noch zu groß ist, aber eben nicht größer. Da muss man auch mal sagen: Es war einfach gut, dass wir schnell eine Impfung hatten, dass wir das auch schnell in die Fläche bekommen haben und dass wir so noch mehr Long-Covid-Fälle verhindert haben. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Kristian Ronneburg (LINKE) und Tobias Schulze (LINKE)] Viele aus diesem Haus waren auch bei dem Festakt der Berliner Selbsthilfe, und dort gab es auch eine Podiumsdiskussion, wo auch ein Vertreter einer Long-Covid-Selbsthilfegruppe war, der gesagt hat, wie schwierig es auch ist, Selbsthilfe anzubieten, weil eben das Erschöpfungssyndrom so viel Raum einnimmt und es natürlich wahnsinnig schwierig ist, Selbsthilfegruppen zu organisieren, aber dass sie das schaffen. Wir haben uns auch sehr dafür eingesetzt, dass in diesem Haushalt diese Selbsthilfegruppen, auch für Long Covid, unterstützt werden. Da gab es erst ein paar Kürzungen. Das haben wir, glaube ich, gemeinschaftlich ganz gut zusammen zurückgenommen, weil wir glauben, dass das ein ganz zentraler Baustein ist. Wir wissen aber natürlich auch, dass das nicht ausreicht, dass es mehr braucht. Vor dem Hintergrund freuen wir uns sehr, dass dieses Thema auch in dem ersten Teil der Legislaturperiode gemeinsam, interfraktionell angegangen wurde – zu sagen: Wir brauchen eine Lösung für Long Covid. – Aber wir werden uns heute enthalten, und ich will begründen warum. Ich glaube, dass es nicht klug ist, Parallelstrukturen aufzubauen, sondern – da gebe ich Ihnen vollkommen recht, Frau König – wir müssen uns auch mit Blick auf potenzielle weitere Pandemien wappnen und überlegen: Wie gehen wir damit um, wenn neue Krankheitsbilder entstehen? Aber es gibt etablierte Strukturen. Sie sprechen in Ihrem Antrag selber an, dass es das Long-Covid-Netzwerk der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin gibt. Ich finde, der erste Impuls wäre, zu sagen: Es gibt ein neues Krankheitsbild, wir brauchen eine Lösung. Das bedeutet, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die eine der ersten Andockstellen sind, wenn ein Mensch krank ist und Hilfe sucht, müssen gestärkt werden. Guckt man auf die Seite der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, gibt es ein Versorgungskonzept Long Covid für Berlin, das sich an dem Kompetenznetz Long Covid Rhein-Neckar orientiert. Das beutet, Berlin hat da schon was, und das muss man eigentlich stärken und ausweiten. Das adressieren Sie in Ihrem Antrag aber eigentlich gar nicht. In meinem Bild ist es in Berlin so, dass ein Mensch, der sagt: Ich habe Long-Covid-Symptome –, im besten Fall sogar noch eine App hat und das einmal checken kann – das haben Sie in Ihrem Antrag auch nicht drinstehen –, dann sagt: Ich gehe zum Hausarzt meines Vertrauens –, mit dem oder der redet und dann, wenn es hier keine Therapiemöglichkeiten gibt, vielleicht hoffentlich noch ein informatives Angebot von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin als Weiterbildung für die Ärztinnen und Ärzte, auch gerne koordiniert durch die Senatsverwaltung, die Gesundheitssenatorin, bekommt. Wenn es dann nicht weitergeht, geht man in die Ambulanz in der Charité, weil wir ansonsten die wenigen fachlichen Kapazitäten, die wir haben, überhaupt nicht vernünftig bündeln können. Das ist das Bild, das wir als Fraktion haben. Das ist das Bild, das ich habe, von dem ich glaube, dass wir damit den Menschen am besten und am meisten mit unseren wenigen Ressourcen helfen können. Das haben Sie leider in Ihrem Antrag nicht drin. Das ist ziemlich schade, aber da wird vielleicht in der Umsetzung noch das eine oder andere Gespräch stattfinden. Aber deswegen enthalten wir uns heute, weil wir das Anliegen, dass Menschen, die Long Covid haben, geholfen wird, durchaus unterstützen. Aber in der Frage der Umsetzung und in der Frage der Parallelstrukturen, die Sie aufbauen, haben Sie einen Widerspruch. Wir würden uns wünschen, dass wir gemeinsam die Regelstrukturen stärken, dass wir den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ein größeres Informationsangebot zur Verfügung stellen, dass wir ein Informationsangebot für die Berlinerinnen und Berliner zur Verfügung stellen, auch für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die, wenn sie betroffene Arbeitnehmerinnen haben, die Long Covid haben, mit mehr Verständnis reagieren. Das ist, glaube ich, auch noch ein ganz zentraler Punkt. Und auf diesen Korridor können wir uns gerne einigen. Da haben Sie uns als Bündnisgrünenfraktion auch immer an Ihrer Seite. – Ich freue mich auf die weiteren Gespräche. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Kristian Ronneburg (LINKE) und Tobias Schulze (LINKE)]
