parlament-berlin.de ↗

Klara Schedlich

GRÜNE 05.10.2023 Sitzungen 19/36

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erinnern Sie sich noch an Ihr Schulpraktikum? Das ist wohl einer der bekanntesten Bausteine beruflicher Orientierung und, auch wenn wir sicherlich nicht alle in der Branche gelandet sind, die wir uns damals angeguckt haben – bei mir war es das Deutsche Theater –, dann ist das Praktikum doch der Baustein der beruflichen Orientierung, der am meisten im Gedächtnis bleibt und bei dem wir sicherlich sehr viel lernen. Wir wissen aber alle, dass allein hiernach nicht behauptet werden kann: Schulen würden perfekt orientieren und auf das Berufsleben vorbereiten. Das wissen wir deswegen, weil es immer noch viel zu viele Jugendliche gibt, die die Schule ohne Anschluss verlassen. Zu viele Jugendliche kennen ihre Optionen nicht und haben als einzige Orientierung die Berufe ihrer Familie. An dieser Stelle ist ein wenig Systemkritik angebracht. Berufliche Orientierung muss wieder zentrale Kernaufgabe der Allgemeinbildung sein. Schule sollte nicht nur auf den nächsten Abschluss, sondern auf das Leben vorbereiten. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN] Würde die Berufsorientierung an den Berliner Schulen gut genug funktionieren, bräuchte es übrigens auch die Debatte um das elfte Pflichtschuljahr in dieser Form gar nicht. Was es eigentlich für die Jugendlichen in Berlin braucht, ist eine Perspektive, und zwar so: Erstens muss Berufsorientierung in den Schulen politisch ernst genommen und zur Priorität gemacht werden. Dazu gehören neben den wichtigen Praktika auch Besuche an Oberstufenzentren, mehr Wirtschaft-Arbeit-Technik-Unterricht, die Nutzung der Schulwerkstätten und natürlich Eltern- und Familienarbeit, denn die sind ein wichtiger Einfluss und müssen von Anfang an mitgenommen werden. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Franziska Brychcy (LINKE)] Zweitens: Auch die außerschulischen Angebote sind ein wichtiger Baustein. Sie müssen unter ein Dach gebracht, evaluiert, gestärkt und ausgebaut werden, um tatsächlich alle Kinder dieser Stadt erreichen zu können. Beratung funktioniert nur dann gut, wenn es auch Beziehungsaufbau gibt. Um allen Jugendlichen gute Beratungsangebote zu machen, wollen wir daher die Jugendberufsagenturen stärken und mehr aufsuchende Beratung ermöglichen. [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Franziska Brychcy (LINKE)] Um dem Fachkräftemangel dann final entgegenzuwirken, braucht es jetzt noch zwei weitere Bausteine: Die integrierte Berufsausbildungsvorbereitung muss flexibilisiert und bedarfsgerecht ausgebaut werden, und damit auch jede Person, die möchte, eine Ausbildung beginnen kann, braucht es dann endlich die umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie. Im Moment wird das Berufsorientierungskonzept des Landes Berlin in der Senatsverwaltung für Bildung überarbeitet. Viel Neues, was das überarbeitete Konzept enthalten soll, ist noch nicht bekannt. Wir machen deswegen jetzt mit unserem Antrag gleich eine Reihe an Vorschlägen. Es gibt also keinen besseren Zeitpunkt, um diesen Antrag zu unterstützen und mutige Schritte in Richtung guter beruflicher Orientierung zu gehen. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Beifall von Franziska Brychcy (LINKE) und Anne Helm (LINKE)]

Alle Reden von Klara Schedlich Protokoll ↗