Catherina Pieroth-Manelli
Sehr schön! – Liebe Ina Czyborra! Wir erinnern uns alle nur zu gut an den letzten Winter. Alarmrufe aus Praxen und Intensivstationen im Zuge der RSV-Infektionswelle, lange Wartezeiten in Notaufnahmen und keine freien Betten, fünfmal so viele Säuglinge und Kleinkinder, die stationärer Behandlung bedurften. Ich denke, wir sind uns darin alle einig, in manchen Dingen gilt: Einmal ist oft genug. Wir sprechen also heute über Kindergesundheit. Gut, werte Koalition, dass Sie sich des Themas annehmen, denn wir laufen sehenden Auges auf große Probleme für diejenigen zu, die darauf leider keinen Einfluss haben. Ein Runder Tisch Kindergesundheit ist hier sicher ein guter Ansatz, um alle relevanten Akteurinnen und Akteure und Themen zusammenzubringen und übergreifende Lösungen zu finden, derer es dringend bedarf, denn die längste Reise beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Lassen Sie mich aber dazu einmal drei Dinge anmerken. Erstens eine kleine Erinnerung: Unter der damals auch schon SPD-Gesundheitssenatorin Kalayci wurde bereits ein Runder Tisch rund um die Geburt initiiert. Ziel war es hier, eine Eins-zu-eins-Betreuung für Geburten zu erreichen. Fortschritte oder gar Lösungsansätze haben wir diesbezüglich nicht wirklich gewonnen. Im Gegenteil: Obwohl inzwischen weniger Kinder in Berlin geboren werden, betreut eine Hebamme drei Gebärende gleichzeitig. Der zweite Punkt zum Thema Runder Tisch ist das Tempo. Wir brauchen dringend auch kurzfristige, pragmatische Wege. Dass ein fachübergreifender Austausch jetzt erst im Oktober kommt, ist, gelinde gesagt, etwas ungünstig. Letztlich wende ich mich an Frau Giffey, die leider auch nicht da ist, als ehemalige Regierende Bürgermeisterin: Sie haben im vergangenen Winter angekündigt, eine neue Kinderklinik bauen zu wollen. Darum ist es nun eher ruhiger geworden. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn Tatsache bleibt: Die größte Herausforderung – ich werde nicht müde, das zu wiederholen – sind fehlende Fachkräfte. Mehr Gebäude bringen überhaupt nichts, wenn die vorhandenen Betten wegen Personalmangels gesperrt bleiben. Es fehlt hier an allen Ecken und Enden. Derzeit gibt es zum Beispiel nur ein einziges offenes Intensivkinderbett im Klinikum Neukölln, und zwar nicht, weil es keine Betten gibt, sondern es gibt schlicht zu wenig Personal für die Betreuung der kleinen Patientinnen und Patienten. Ein Runder Tisch Kindergesundheit ist unbedingt zu unterstützen. Für die Entwicklung übergreifender Lösungsansätze mit fachkundigen Akteurinnen und Akteuren sind wir Grünen immer zu haben. Aber lassen Sie uns auch kurzfristig schauen, dass wir schnell vorhandene Strukturen durch zusätzliche Ressourcen ausstatten und reaktivieren, um für den Winter gewappnet zu sein, wie zum Beispiel die Koordinierungsstelle für die stationäre Versorgung durch die Charité. Und lassen Sie uns endlich das Thema Personal mit Hochdruck angehen, wie zum Beispiel mit dem Gesundheits- und Ausbildungscampus Wenckebach. Denn ein bisschen Zeit und Zuwendung, die sie für die Genesung dringend benötigen, sind wir unseren Kindern mehr als schuldig. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]
