Louis Krüger
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Vergangene Woche musste sich Deutschland einer starken Prüfung durch die Vereinten Nationen in Genf stellen. Es wurde geprüft, inwieweit die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umgesetzt wird, zu der sich auch Deutschland verpflichtet hat. Zwar liegt die endgültige Abschlussbericht noch nicht vor, dass Deutschland in Sachen Inklusion aber starken Nachholbedarf hat, wurde bereits deutlich. [Zuruf von der AfD: Das ist ja lächerlich!] Gut, dass sich CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt haben, dass sie die Inklusion an Berliner Schulen unterstützen und qualitativ weiterentwickeln wollen. Ich glaube, dass ist ein Ziel der gesamten Mitte- und Linkshälfte. Die AfD hat sich ja schon bekannt, dass Inklusion für sie nicht erstrebenswert ist und sie Menschen mit Behinderung gerne ausschließen wollen. [Karsten Woldeit (AfD): Das ist falsch!] Allerdings warten wir noch immer gespannt auf konkrete Maßnahmen der Koalition. Ein erster entscheidender Schritt in Richtung eines inklusiven Schulsystems wäre die Etablierung multiprofessioneller Teams an Schulen. Bestimmt werden meine Nachrednerinnen und Nachredner von CDU und SPD betonen, dass in dem Bereich doch schon so viel passiert sei, denn als Antwort auf den dramatischen Lehrkräftemangel dürfen unbesetzte Lehrkräftestellen in andere Professionen umgewandelt werden. Wenn eine Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal aber vorwiegend dazu dient, Lehrerinnen und Lehrer von Aufgaben zu entlasten, werden die Chancen multiprofessioneller Zusammenarbeit nicht ausgeschöpft, denn multiprofessionelle Zusammenarbeit ist viel mehr als nur ein Lückenfüller in Zeiten des Lehrkräftemangels. Erzieherinnen und Erzieher, Verwaltungskräfte, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und IT-Personal – sie alle bringen ganz eigene Kompetenzen und Perspektiven mit und ermöglichen einen umfassenden und inklusiven Blick auf unsere Schülerinnen und Schüler. Damit multiprofessionelle Zusammenarbeit an Berliner Schulen endlich zur Realität wird, braucht es eine zielgerichtete Strategie und ein tragfähiges Konzept. Dies fehlt in Berlin bisher aber völlig. Andere Bundesländer sind hier schon sehr viel weiter, und da uns als Grüne bisher das Engagement der schwarz-roten Koalition fehlt, haben wir selbst die Initiative ergriffen und eigene Vorschläge gemacht. Ich kann hier nur beispielhaft nennen, was aus unserer Sicht zu tun wäre. Multiprofessionelle Teams gehören an jede Schule, und zwar im pädagogischen, technischen und administrativen Bereich. Bisher fehlt jedoch eine Übersicht über die an Schule tätigen Professionen samt Tätigkeitsbeschreibung und Eingruppierung. Diese muss vom Senat dringend erarbeitet werden. [Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN] – Da müssen Sie sich ein bisschen beeilen. – Alle Schulen brauchen multiprofessionelle Teams, manche aber dringender als andere. Bei der Umsetzung der Personalverbesserung müssen zuerst Schulen mit starkem Personalmangel und Schulen mit der höchsten Indexstufe berücksichtigt werden. Außerdem brauchen Schulen ohne 100-Prozent-Ausstattung zusätzliche Mittel, um Honorarkräfte für Projektunterricht gewinnen zu können. Für gute Arbeit multiprofessioneller Teams braucht es außerdem Teamzeit, externe Beratung und Supervisionsmöglichkeiten, ausreichend Fortbildungsangebote, auch für die Schulleitungen. Das kann eine einzelne Schule alleine nicht leisten. Die Landesebene ist daher in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Schulen ermöglichen, in erfolgreichen multiprofessionellen Teams auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Auch wenn nun meine Redezeit eigentlich schon abgelaufen ist – einen Satz muss ich noch sagen, und zwar möchte ich auf den bundesweiten Bildungsprotest am 23. September 2023 aufmerksam machen, bei dem ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis für ein zukunftsfähiges und inklusives Bildungssystem auf die Straße geht. Nicht zufällig sind auch die multiprofessionellen Teams eine ihrer Forderungen. Es wäre doch ein schönes Zeichen, wenn wir dieser Forderung heute schon nachkämen. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN]
